• Physios 50er Jahre

    Angehende Heilgymnastinnen im Unterricht. In Deutschland ausgebildete Therapeutinnen nahmen in Europa eine Vorreiterrolle ein.

     
  • Schule 1960

    Zwar ist das Wissen über die Krankengymnastik vor 60 Jahren lückenhaft ...

     
  • Physios 50er Jahre 3

    ... doch sicher ist, dass zu dieser Zeit an eine Akademisierung der Physiotherapie nicht zu denken war.

     
  • Physios 50er Jahre 2

    Und hätte es damals nicht eine kleine Gruppe engagierter Krankengymnastinnen gegeben, könnten wir heute nicht über den Direct Access und die Akademisierung diskutieren.

     

Ein Beruf für höhere Töchter

PHYSIOTHERAPIE IN DEN 50ER JAHREN: Im Gegensatz zu manchen historischen Gegebenheiten ist die Geschichte der Physiotherapie weder langweilig noch trocken. Denn sie erzählt spannende Geschichten und ist der Grund dafür, dass wir heute über Direct Access und Akademisierung diskutieren können.

Deutschland ist in Feierlaune. Im Jahr 2009 wollen 60 Jahre Bundesrepublik gebührend gefeiert werden. Man blickt zurück auf die Geschichte, auf politische Veränderungen und persönliche Erinnerungen. Auch der Zentralverband der Physiotherapeuten/ Krankengymnasten e.V. feiert seinen 60. Geburtstag. Als „Ge-schenk“ gab es im Juni 2009 vom deutschen Bundestag die Einführung einer Modellklausel in die Berufsgesetze für Physio-therapeuten. Die zeitlich befristete Klausel soll es den Ländern erlauben, eine universitäre Ausbildung probeweise einzuführen.

Vor 60 Jahren war an eine Akademisierung der Physiotherapie noch nicht zu denken. Auch wenn das Wissen über die Kranken-gymnastik in dieser Zeit lückenhaft ist, weiß man, dass wir heute nur deswegen über neue Berufsgesetze diskutieren können, weil damals eine kleine Gruppe engagierter Krankengymnastinnen mit Herz und Seele den Grundstein dafür legte. Sie wollen wissen, was damals geschah? Reisen wir 60 Jahre zurück.

Wiederaufbau und beruflicher Wirrwarr
1948. Der Wiederaufbau in Deutschlands Städten ist in vollem Gange. Noch immer liegen ganze Straßenzüge in Schutt und Asche, die Nahrungsmittel sind knapp. Der Alltag dreht sich auch 3 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in erster Linie darum, die Dinge des täglichen Bedarfs zu organisieren. Die Währungs-reform im Jahr 1948 bringt zwar ein größeres Warenangebot in die Geschäfte, doch gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit rapide auf 12,8 %. Ein Paar feine Seidenstrümpfe oder ein Stück duftender Seife bedeuten Luxus. Politisch ist 1949 ein bewegendes Jahr für das noch immer in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland: Am 8.Mai 1949 stimmt der parlamentarische Rat über das Grundgesetz der Westzone ab. Erster Kanzler der neu gegründeten Bundesre-publik wird Konrad Adenauer. Im Bereich der Krankengymnastik hat sich nach dem Krieg ein Wirrwarr aus Turn- und Gymnastik-lehrerinnen, Masseuren, Heilgymnasten und kurz ausgebildeten Helfern entwickelt, die alle unter dem Namen „Krankengymnast“ praktizieren wollen. Ein Berufsgesetz für Krankengymnasten gibt es nicht, die Ausbildung ist von Schule zu Schule unterschiedlich und eine zentrale Interessenvertretung ist nicht vorhanden. Die Deutsche Orthopädische Gesellschaft schreibt in der deutschen Fachzeitschrift für Krankengymnasten: „Nach Beendigung des Krieges konnte es nicht ausbleiben, dass Hilfskräfte sich nun in großer Zahl auf dem Gebiet der Krankengymnastik und Massage beruflich zu betätigen versuchten […]. Es ist klar, dass eine solche Überfüllung der medizinischen Hilfsberufe mit völlig unge-nügend geschulten Kräften eine schwere Gefahr für die Volksge-sundheit bedeutet“.

 

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