• Die 8 freiberuflich tätige Physiotherapeuten und Praxis-Mitarbeiter aus NRW und Niedersachsen, sowie ein Physiotherapeut aus den Niederlanden, mit Dietmar Wülker und dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU, Jens Spahn (3. v. r.).

     

Physiotherapeuten weisen Jens Spahn auf gravierende Missstände hin

CDU-Politiker kümmert sich persönlich um unverhältnismäßige Rechnungskürzungen.

Acht freiberuflich tätige Physiotherapeuten und Praxis-Mitarbeiter aus NRW und Niedersachsen, sowie ein Physiotherapeut aus den Niederlanden, sind der Einladung von Dietmar Wülker, GF PEB-Praxisberatung GbR, zu einem Expertengespräch mit dem gesund-heitspolitischen Sprecher der CDU, Jens Spahn, gefolgt. Im Vorder-grund der ausgewählten Themen standen vor allem die unverhältnis-mäßigen Rechnungskürzungen der Krankenkassen, z.B. wenn ein Rezept in der Arztpraxis fehlerhaft ausgestellt wurde und der behan-delnde Therapeut diesen Fehler übersieht. Dabei ist den Arztpraxen kaum ein Vorwurf zu machen, da die Bedingungen an die korrekte Ausstellung einer Heilmittelverordnung so umfassend sind, dass eine Vielzahl von Fehlern geradezu vorprogrammiert ist. Die negativen Konsequenzen ergeben sich jedoch für die Physiotherapiepraxis, die, wenn sie nur eine Kleinigkeit übersieht (z.B. einen fehlenden oder vertauschten Buchstaben), das Rezept umständlich ändern lassen muss oder häufig die erbrachte Leistung nicht vergütet bekommt. Dieser Aufwand, der für eine gute Patientenversorgung nutzlos, jedoch für Ärzte und Therapeuten mit hohem Verwaltungsaufwand und Kosten verbunden ist, muss dringend reduziert werden. Zuneh-mend berichten Praxisinhaber, dass die Rechnungskürzungen sie in existentielle Schwierigkeiten bringen. Die Physiotherapeutin aus Ochtrup, Petra Telkmann, sah in der Überbetonung der formalen Anforderungen an die Rezeptausstellung einen Fehler im System den die Krankenassen ausnutzen, um die in Rechnung gestellten Leistun-gen zu kürzen oder gänzlich zu streichen. Jens Spahn konnte sich kaum vorstellen, dass die korrekte Ausstellung einer Heilmittelver-schreibung so viele Schwierigkeiten bereitet, versprach jedoch dies zu prüfen und der Gruppe eine zeitnahe Rückmeldung zu geben.

Ein weiteres Thema war die seit Jahren auseinander gehende Schere zwischen Praxiskosten und Abrechnungssätzen der Krankenkassen. Der Physiotherapeut Klaus Jacobi sowie der Regionalsprecher des Interessenverbands freiberuflicher Krankengymnasten (IFK), Physio-therapeut Michael Seidel, Münster-Hiltrup, drücken dies in konkreten Zahlen aus. Bei einer kumulierten Inflationsrate der letzten 12 Jahre von 21,8% und einer Gebührenerhöhung der GKV im selben Zeitraum von 9,28% ist wirtschaftliches Arbeiten kaum möglich. Das Dilemma sei u.a., so Physiotherapeut Seidel, die Kopplung der Gebührener-höhung der gesetzlichen Krankenversicherung an die Bruttolohnsum-me. Der Abgeordnete Jens Spahn sprach sich dafür aus, wie bereits in anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung die Entkoppelung von der Bruttolohnsumme auch für die Therapeuten zu realisieren. Er empfahl aber auch, bei stagnierenden Verhandlungen mit den Kran-kenkassen die Schiedsstellen einzuschalten.

Auch ein weiteres Thema war der Direktzugang zum Physiothera-peuten, schließlich ist die Möglichkeit, dass Patienten ohne ärztliche Verschreibung zum Physiotherapeuten gehen können, in vielen Ländern ein Erfolgsmodell. Der niederländische Physiotherapeut, Jarno Scherphof, der zur Unterstützung seiner deutschen Kollegen angereist war, bestätigte dies und nennt Kosteneinsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro jährlich. Der Abgeordnete Spahn hatte vor allem Bedenken, wie die Ärzteschaft mit dieser Forderung umgehen würde. Auch müsste seiner Meinung nach die Qualitätssicherung gewährleistet sein. Diese Äußerung wurde von den Therapeuten kritisch aufgenommen, da kaum eine andere Be-rufsgruppe so intensiv in Weiterbildungsmaßnahmen investieren würde wie die ihre. Jarno Scherphof berichtete, dass die Qualitäts-sicherung in den Niederlanden u.a. durch ein Benchmarking zwischen den Praxen realisiert würde. Wer beweisen kann, dass er seine Patienten in hoher Qualität betreut und dieses dokumentiert, erhält eine deutlich höhere Vergütung seiner Leistung. Überdies liegt die Vergütung für dieselbe Leistung in seiner Praxis in Enschede z.T. bei mehr als dem doppelten Gebührensatz seiner deutschen Kollegen. Herr Wülker sprach sich vor allem für mehr Wettbewerb unter den Akteuren im Gesundheitswesen aus. Seiner Meinung nach wären eine Vielzahl von Operationen und stationären Behandlungen zu vermeiden. Die Physiotherapeutin Petra Telkmann aus Ochtrup bemerkt, dass seit Jahren immer mehr gesetzlich versicherte Patienten direkt, also ohne Heilmittelverordnung eines Arztes, zum Physiotherapeuten ihres Vertrauens gehen. Diese positive Entwicklung wird durch ein BFH-Urteil konterkariert, da es alle Leistungen der Heilmittelpraxis, die ab dem 1.01.2013 durchgeführt werden, umsatzsteuerpflichtig macht, sofern keine ärztliche Verordnung vorliegt. Um diese Steuerproblematik zu vermeiden, hat der Physiotherapeut Klaus Jacobi eine Heilpraktikerausbildung absolviert und kann somit die Physiotherapie für seine Patienten auf einem Privatrezept verordnen. Schnell war die vorgesehene Zeit mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU, Jens Spahn, beendet, sodass viele Fragen offen blieben. Die Physiotherapeuten wünschten dem jungen Politiker mehr Mut und Innovationswillen für die nötigen Änderungsprozesse. Dies vor allem bezogen auf eine Gesundheitspolitik, die durch die Förderung des Heilmittels Physiotherapie in der Lage wäre, auf viele invasive Untersuchungen und Behandlungen zu verzichten. Das enorme Einsparpotenzial wird weder von der Politik noch von den Vertretern der Krankenkassen genügend berücksichtigt. Jens Spahn verabschiedete sich mit dem Versprechen, sich vor allem mit der Thematik der Rechnungskürzungen zu beschäftigen. Da er wegen Rückenbeschwerden auch persönlich immer wieder auf die Dienste von Physiotherapeuten zurückgreifen muss, sei ihm die Wichtigkeit des Berufes sowie der Stellenwert in der Gesundheitsversorgung der Menschen durchaus bewusst.

Anmerkung des Verfassers
Nach Prüfung der Vorwürfe bezüglich willkürlicher Rechnungskürzungen bestätigt der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, die Unverhältnismäßigkeit der Vorgehensweise einiger Krankenkassen in vielen Bundesländern. Dieselbe Problematik stelle sich auch für die anderen Heilmittelerbringer wie Logopäden und Ergotherapeuten dar. Er sicherte den Therapeuten zu alles in seiner Macht stehende zu tun, diesen Missstand kurzfristig zu beheben. Bezüglich des Direktzugangs sieht Spahn durchaus positive Entwicklungen in den Gesprächen. Die Physiotherapeuten sollten den Ärzten klar machen, dass sie sich nicht auf ihre Entscheidungs- und Verantwortungsebene stellen wollen. Es geht vielmehr um das gemeinsame Ziel im Sinne des Patienten zu handeln und insbesondere im ländlichen Raum zur Entlastung der Ärzte beizutragen.

PEB-Praxisberatung GbR
Dietmar Wülker
Eper Str. 20 a
48599 Gronau