• Prof. Dr. Kwakkel

     

Ein Jammer, dass wir innerhalb Europas nicht die gleichen Leitlinien nutzen

PROF. DR. GERT KWAKKEL IM INTERVIEW In Deutschland dominieren die abrechnungsfähigen Positionen Bobath, Vojta und PNF das therapeutische Angebot für Patienten nach einem Schlaganfall, obwohl andere Therapieansätze eine bessere Wirksamkeit zeigen. Die Niederlande sind da weiter. Prof. Dr. Gert Kwakkel berichtet, wie dort schon 2008 die vorherrschenden Widerstände überwunden wurden.

In den Niederlanden fand 2008 ein Paradigmenwechsel in der neurologischen Rehabilitation statt – weg von den klassischen Konzepten Bobath, Vojta und PNF, hin zu evidenzorientierter, technikübergreifender und patientenspezifischer Physiotherapie. Physiotherapeuten etablierten damals den Weiterbildungskurs „Neurorehabilitation – Stroke“, der mittlerweile auch auf Masterlevel an der Hochschule gelehrt wird (nähere Informationen unter: www.npi.nl > „cursussen en opleidingen“
> „Neurorevalidatie/CVA - Eindhoven/Oosterbeek“). Professor Dr. Gert Kwakkel kämpft schon seit den achtziger Jahren für eine evidenzbasierte Physiotherapie und war maßgeblich an der Entwicklung des Kurses beteiligt. Der Bewegungsforscher

und Professor für Neurorehabilitation forscht international auf dem Gebiet der Neurorehabilitation, ist für die niederländische Leitlinie Schlaganfall verantwortlich und doziert an der Freien Universität Amsterdam. Dr. Holm Thieme, Physiotherapeut und Mitentwickler der Weiterbildung „Neurophysiotherapie“, die einen solchen Paradigmenwechsel für Deutschland anstrebt 
(physiopraxis 5/2013, S. 10 und 5/2015, S. 12), sprach mit Gert Kwakkel über die Entwicklung in den Niederlanden und seine Prognose für Deutschland.


Prof. Kwakkel, in den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Forschungsergebnisse publiziert worden, die die traditionellen Annahmen der neurologischen Physiotherapie kritisch hinterfragen. In den Niederlanden führte dies zur Etablierung des Kurses „Neurorehabilitation – Stroke“. Wofür war das wichtig?


Seit 2008 wechselten wir in der neurologischen Rehabilitation von traditionellen Therapieansätzen, vor allem dem Bobath-Konzept, hin zur Orientierung an evidenzbasierten Leitlinien. Diese Entwicklung war wichtig für die holländischen Physiotherapeuten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, aus vielfältigen effektiven Therapieansätzen wählen zu können. Die Entscheidung für diese Wende wurde im Konsens und in Zusammenarbeit mit allen damaligen Bobath-Instruktoren getroffen. Der Wechsel kam hauptsächlich durch die fehlende Evidenz der traditionellen Behandlungsansätze ins Rollen. Außerdem wuchs die Skepsis an den Wirkmechanismen, die man diesen Konzepten zugrunde legte. Heute sind wir so weit, dass wir grundsätzlich den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin folgen. Diese Prinzipien beinhalten, dass man erstens für den Patienten bedeutsame spezifische Forschungsfragen formuliert und zweitens die jeweilige Prognose des Patienten einschätzen kann. Drittens soll man über effektive Therapieansätze Bescheid wissen und viertens valide Messinstrumente nach einem Schlaganfall nutzen, um verschiedene Zielgrößen und Veränderungen darzustellen.


Lesen Sie hier das gesamte Interview: Ein Jammer, dass wir innerhalb Europas nicht die gleichen Leitlinien nutzen

Aus der Zeitschrift physiopraxis 10/2015

 

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