• Therapie mit Wasserflasche

     

Mit Wasserflaschen die obere Extremität trainieren – Erfrischend einfach

Virtuelle Realität und robotergestützte Therapie – in der Neuroreha steigt die Zahl technologischer Innovationen. Und das ist gut so, rechnet man doch in den nächsten Jahren mit einem erhöhten Patientenaufkommen und steigendem Rehabedarf. Doch auch ohne Hightech können Menschen nach Schlaganfall effektiv trainieren – handelsübliche Wasserflaschen reichen dafür als Trainingsgerät oft aus.

Das Flaschentraining orientiert sich in seinen zentralen Inhalten an den Prinzipien, die die Physiotherapeutinnen und Wissenschaftlerinnen Janet H. Carr und Roberta B. Shepherd gemeinsam mit Ergotherapeutin Annie McCluskey für die Analyse und Therapie der oberen Extremtität (OE) nach Schlaganfall entwickelt haben. Die Therapeutinnen sprechen von einem sogenannten Bezugsrahmen, der als Hauptaktivitäten der OE das Reichen, Greifen und Manipulieren definiert. Um diese Bewegungen erfolgreich durchzuführen, legten sie für jede der Bewegungen Schlüsselkomponenten fest. Diese festzulegen, kann dem Therapeuten helfen, schnell und gezielt Arm- und Handbewegungen des Patienten zu analysieren und anschließend spezifische Interventionen zu entwickeln. Damit der Patient seine Fähigkeit im Reichen verbessert, soll er beispielsweise die aktive und passive Außenrotation und die Flexion im Schultergelenk trainieren. Carr, Shepherd und McCluskey heben hervor, dass man die Therapie auf die Muskelschwäche und die Koordination (Minussymptome des UMNS) fokussieren sollte und weniger auf die Spastik (Plussymptome des UMNS).

Bei allem sollte man die verschiedenen Facetten des motorischen Lernens berücksichtigen. Zum Beispiel die Verwendung realer Alltagsgegenstände (Bezug zur Transfertheorie), die Intensität (Repetitionen und Anstrengungsgrad), die kontinuierliche Anpassung des Trainings an das Leistungsniveau des Übenden (Shaping), seine Autonomie und die Verwendung eines externen Aufmerksamkeitsfokus (markierte Zielpunkte, klare Bewegungseffekte).

Repetitiv und intensiv üben

Damit das Flaschentraining gelingt, ist es ratsam, die Übungen zunächst unter Supervision zu lernen. Lernt der Patient die Übungen allein, so besteht die Gefahr, dass er einzelne Bewegungen kompensiert. Anschließend führt er sie selbstständig als Eigenprogramm mehrmals wöchentlich durch, am besten täglich. Der Therapeut gestaltet die Übungen individuell für den Patienten, passt sie von Zeit zu Zeit an seinen aktuellen Leistungsstand an und kontrolliert sie in regelmäßigen Abständen. Der Patient sollte jede Übung mindestens 20 Mal wiederholen. Zur Motivation kann der Therapeut eine Tabelle mit Fotos, Zielsetzung und Wiederholungszahlen der Übungen sowie den Wochentagen erstellen, in die der Patient nach jeder Trainingseinheit einträgt. Um seine Autonomie zu unterstützen, kann er die Reihenfolge der Übungen in jedem Training selbst bestimmen.

Die abgebildeten Übungen stellen nur eine Auswahl dessen dar, was Patienten alles mit einer Flasche trainieren können. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es werden Übungen für proximale und distale Schlüsselkomponenten und für unterschiedliche Leistungsniveaus gezeigt (schwere und moderate Armparese).

Hintergrundwissen - Schlüsselkomponenten

Für das Training der oberen Extremität ist vor allem die Aktivierung folgender Bewegungskomponenten relevant:

Reichen: (Transport der Hand zum Objekt)

  • Schultergelenk: Flexion, Außenrotation
  • Ellenbogen: Extension
  • Handgelenk und Finger: Extension
  • Daumen: Extension, Opposition
Greifen und Manipulieren: (Kontakt mit dem Objekt)
  • Pronation und Supination
  • Radialduktion und Ulnarabduktion
  • Handgelenk: aktive (und passive) Extension
  • lumbrikaler Griff (Flexion Grundgelenke)
  • Finger: selektive Flexion und Extension
  • Daumen: selektive Flexion und Adduktion sowie Extension und Abduktion

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Mit Wasserflaschen die obere Extremität trainieren – Erfrischend einfach

Aus der Zeitschrift: physiopraxis 03/2019

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