• Studienergebnisse

     

Muskuloskelettal/Schmerz

Studienergebnisse März 2021

  • Verzögert auftretender Muskelkater: Wärme- und Kältetherapie reduzieren Schmerzen

    Ergebnis: Wissenschaftler untersuchten in diesem systematischen Review mit Metaanalyse, wie Wärme- und Kältetherapie bei der Behandlung von verzögert auftretendem Muskelkater wirkt. Sie suchten in neun verschiedenen Datenbanken und schlossen 32 RCTs mit insgesamt  1098 Teilnehmern ein. Die Metaanalyse zeigte, dass die Anwendung von Kältetherapie innerhalb einer Stunde nach dem Training die Schmerzen von den Patienten innerhalb von 24 Stunden nach dem Training reduzieren konnte und keine weiteren Effekte bei mehr als 24 Stunden hatte. Die Wärmebehandlung reduzierte die Schmerzen ebenfalls. Die Wirkung einer Wärmepackung war die effektivste: sie verringerte den Schmerz innerhalb von 24 Stunden und über 24 Stunden hinaus. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen der Wärme- und Kältetherapie. Die aktuellen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Anwendung von Kälte- und Wärmetherapie innerhalb einer Stunde nach dem Training das Schmerzlevel von Patienten mit verzögert auftretendem Muskelkater für 24 Stunden effektiv reduzieren kann. Das Eintauchen in kaltes Wasser und die Wärmepackung, welche die beste Wirkung erzielten, konnten die Regeneration fördern. Es sind jedoch weitere hochwertige Studien erforderlich, um zu bestätigen, ob Kälte- oder Wärmetherapie besser wirkt.

    Heat and cold therapy reduce pain in patients with delayed onset muscle soreness: A systematic review and meta-analysis of 32 randomized controlled trials
    Phys Ther Sport 2021; doi: 10.1016/j.ptsp.2021.01.004

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  • Ellenbogeninstabilität: Ligamentäre Instabilität via Sonographie erfassbar

    Ergebnis: Die Diagnose einer akuten oder chronischen Ellenbogeninstabilität ist oft eine Herausforderung. Die Sonographie ermöglicht eine dynamische Untersuchung des Ellenbogengelenks ohne Strahlenbelastung. Ziel dieser prospektiven Studie war es, zu untersuchen, ob Sonographie zur Beurteilung von ligamentären Instabilitäten des Ellenbogengelenks herangezogen werden kann. Dazu führten die Wissenschaftler an 36 Probanden sonographische Untersuchungen an beiden Seiten durch. Sie teilten die Probanden in drei Gruppen ein: Gruppe 1 (normal) umfasste asymptomatische Ellenbogengelenke, Gruppe 2 (hypermobil) umfasste hypermobile und Gruppe 3 (instabil) akut instabile Ellenbogengelenke ohne knöcherne Läsion. Der Interrater-Korrelationskoeffizient betrug 0,82 für die radiale Seite und 0,74 für die ulnare Seite. Die Ergebnisse zeigten, dass eine sonographische Untersuchung des Ellenbogengelenks ein geeignetes bildgebendes Verfahren zur Beurteilung einer ligamentären Instabilität darstellt. Dennoch ist die Unterscheidung zwischen gesunden und hypermobilen Ellenbogengelenken nicht möglich, weshalb eine vollständige Anamnese und Untersuchung unerlässlich ist. Die Autoren empfehlen außerdem den Vergleich des betroffenen Ellenbogengelenks mit der kontralateralen Seite, um intraindividuelle Unterschiede zu erfassen.

    Does Sonography Allow an Objective and Reproducible Distinction Between Stable, Hypermobile and Unstable Elbow Joints?
    J Shoulder Elbow Surg 2021; doi: 10.1016/j.jse.2020.11.023


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  • Gehen mit High-Heels: Erhöhte Knieflexion und mehr Varus-Stellung

    Ergebnis: Wissenschaftler untersuchten in einem systematischen Review mit Metaanalyse wie sich das Tragen von High-Heels auf die Kniegelenkskinetik und -kinematik in der Sagittal- und Frontalebene auswirkt. Sie schlossen 14 Studien mit insgesamt 203 Probanden ein. Die Metaanalyse ergab einen signifikant mittleren bis großen Effekt von höheren im Vergleich zu niedrigeren Absätzen auf die Erhöhung des Knieflexionsmoments, des Flexionswinkels und des Varusmoments während der frühen Standphase des Gangs. Angesichts des Zusammenhangs zwischen erhöhten Knieflexions-/Varus-Momenten und dem Risiko, eine Gonarthrose zu entwickeln, sind Frauen, die häufig und über einen langen Zeitraum hinweg Schuhe mit hohen Absätzen tragen, möglicherweise anfälliger für Gonarthrose. Vorbeugende Maßnahmen, wie z. B. die Kräftigung der Muskeln der unteren Extremität, könnten helfen, die Stoßdämpfung zu verbessern, um die Kniebelastung bei High-Heel-Trägerinnen zu verringern.

    Increased knee flexion and varus moments during gait with high-heeled shoes: a systematic review and meta-analysis
    Gait Posture 2021; doi: 10.1016/j.gaitpost.2021.01.017

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  • Inaktiver Lebensstil: 80% der Deutschen bewegen sich zu wenig

    Ergebnis: Trotz der "Nationalen Empfehlungen für körperliche Aktivität und Bewegungsförderung" von 2016, die besagen, dass Erwachsene ≥150 Minuten aerobe, moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Woche und ≥2 Tage/Woche Krafttraining durchführen sollten, gibt es nur wenige Untersuchungen zur Einhaltung dieser Richtlinien. Diese Studie beschreibt die Prävalenz und Korrelate der Einhaltung der Richtlinien für körperliche Aktivität unter einer national repräsentativen Stichprobe deutscher Erwachsener. Die Daten stammen aus 2014 des German Health Updates. Von den 24.016 Teilnehmern (Rücklaufquote des Fragebogens 27,6 %) im Alter von ≥18 Jahren erfüllten 45,3 %, 29,4 % und 22,6 % die Richtlinien für aerobe, moderate bis intensive körperliche Aktivität/Woche, muskelstärkende Übungen bzw. eine Kombination davon. Die Wahrscheinlichkeit, die Richtlinien für körperliche Bewegung weniger einzuhalten, sank mit einem niedrigen, selbst eingeschätzten Gesundheitszustand, Arbeitslosigkeit, mit einem niedrigen sozioökonomischen Status, Rauchen und mit Übergewicht oder Adipositas. Da  ca.80% der deutschen Erwachsenen die national empfohlenen Bewegungsrichtlinien nicht einhalten, besteht die Notwendigkeit für groß angelegte öffentliche Gesundheitsinterventionen, die sowohl Ausdauer, als auch Krafttraining fördern.

    The epidemiology of muscle‐strengthening and aerobic physical activity guideline adherence among 24,016 German adults
    Scand J Med Sci Sports 2021; doi: 10.1111/sms.13922


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  • Gleichgewicht und Gehgeschwindigkeit: Kraft der Plantarflexoren spielt mögliche Rolle

    Ergebnis: Wissenschaftler erforschten den Zusammenhang zwischen der Kraft der Plantarflexoren im Sprunggelenk und dem Gleichgewicht sowie der Gehgeschwindigkeit bei gesunden Erwachsenen. Sie suchten in den Datenbanken Ovid MEDLINE, Ovid EMBASE, CINAHL Plus und SPORTDiscus nach Literatur und schlossen 34 Studien ein. Bei älteren Erwachsenen hatte die maximale isometrische Kraft der Plantarflexoren einen positiven schwachen Zusammenhang mit dem statischen Gleichgewicht, einen positiven moderaten Zusammenhang mit dem dynamischen reaktiven Gleichgewicht und dem proaktiven Gleichgewicht und einen positiven schwachen Zusammenhang mit der bevorzugten Gehgeschwindigkeit und der maximalen Gehgeschwindigkeit. Bei jüngeren Erwachsenen gab es einen moderaten Zusammenhang zwischen der Plantarflexionskraft in der frühen Phase der Drehmomententwicklung und dem reaktiven Gleichgewicht. Die Autoren fassen zusammen, dass die Kraft der Plantarflexoren in einem moderaten Zusammenhang mit dem dynamischen reaktiven und proaktiven Gleichgewicht und in einem schwachen Zusammenhang mit dem statischen Gleichgewicht und der Gehgeschwindigkeit zu stehen scheint. Dieses Ergebnis unterstreicht eine mögliche Rolle der Plantarflexionskraft für das dynamische reaktive und proaktive Gleichgewicht.

    Is Ankle Plantar-Flexor Strength associated With Balance and Walking Speed in Healthy People? A Systematic Review and Meta-Analysis
    Phys Ther 2021; doi: 10.1093/ptj/pzab018


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  • Überlastungsverletzungen: Rhythmische Sportgymnastinnen aus Norwegen mit häufigen Überlastungsverletzungen

    Ergebnis: Rhythmische Sportgymnastik ist eine olympische Sportart, die von klein auf ein hohes Trainingsvolumen erfordert. Die Autoren untersuchten deshalb das Ausmaß und die Risikofaktoren für Verletzungen an norwegischen Wettkampfgymnastinnen. An der Studie nahmen 107 weibliche rhythmische Sportgymnastinnen mit einem durchschnittlichen Alter von 14,5 Jahren teil. Die mittlere Prävalenz von Überlastungsverletzungen betrug 37%, die von akuten Verletzungen 5 %. Die Inzidenz lag bei 4,2 Überlastungsverletzungen und einer akuten Verletzung pro Gymnastin pro Jahr. Überlastungsverletzungen in den Knien, im unteren Rücken und in der Hüfte/Leiste stellten die größte Gefahr dar. Eine frühere Verletzung erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung, während ein höheres Alter und das Vorhandensein der Menstruation, die Wahrscheinlichkeit aller Verletzungen bzw. erheblicher Verletzungen reduzierte. Maßnahmen zur Verletzungsvorbeugung sollten bereits im frühen Alter beginnen und sich auf die Vorbeugung von Knie-, Lendenwirbel- und Hüft-/Leistenverletzungen konzentrieren.

    Injuries and illnesses among competitive Norwegian rhythmic gymnasts during preseason: a prospective cohort study of prevalence, incidence and risk factors
    Br J Sports Med 2021; 55: 231-236

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  • Rotatorenmanschettenruptur: Skapuladyskinesie ursächlich oder adaptiv?

    Ergebnis: Rotatorenmanschettenrupturen sind nach wie vor eine bedeutende Quelle für Schmerzen und Beeinträchtigungen am Schultergelenk. Es ist jedoch unbekannt, ob die Skapuladyskinesie ursächlich oder adaptiv ist. Ziel dieser Studie war es deshalb, die Literatur systematisch zu sichten, um die Beziehung zwischen dem Vorhandensein und dem Ausmaß einer Rotatorenmanschettenruptur und der skapulären Bewegung zu bestimmen und festzustellen, ob die Heilung der Rotatorenmanschette die normale Bewegung wiederherstellt. Die Autoren schlossen 16 Studien mit 335 Rotatorenmanschettenrupturen in die endgültige Übersichtsarbeit ein. Alle Studien erwähnten eine Skapuladyskinesie, aber sie berichteten nicht über ein einheitliches Bewegungsmuster bei Vorliegen einer Rotatorenmanschettenruptur. Im Allgemeinen war die posteriore Skapulakippung verringert und die skapuläre Aufwärtsrotation erhöht, insbesondere bei großen Rupturen. Es blieb unklar, ob dies eine Folge oder ein adaptiver Versuch war, die Elevation zu erhalten. Größere Rotatorenmanschettenrupturen führten zu einer ausgeprägteren skapulären Dysfunktion, aber es gab eine signifikante Variabilität innerhalb der Studien. Vier Studien untersuchten die Auswirkung von Rotatorenmanschettenrupturen auf die Mechanik der Skapula und stellten fest, dass die Heilung/Wiederherstellung diese im Vergleich zur normalen Seite durchweg verbesserte, aber die Zeit bis zur Normalisierung zwischen 5 Monaten und 2 Jahren variierte. Die Bewegung der Skapula ist bei einer Ruptur der Rotatorenmanschette abnormal. Darüber hinaus ist nicht bekannt, welche Veränderungen adaptiv bzw. pathologisch sind. Um die Beziehung zwischen der Rotatorenmanschettenrupturen und der Skapuladyskinesie zu verstehen, sind bessere biomechanische Modelle erforderlich.

    Scapular Motion in the Presence of Rotator Cuff Tears: A Systematic Review
    Journal of Shoulder and Elbow Surgery 2021; doi: 10.1016/j.jse.2020.12.012


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  • Manuelle Therapie (MT) bei Kindern: Aktuelles Delphi-Verfahren

    Ergebnis: Es gibt nur wenige Studien, die den Einsatz der manuellen Therapie zur Behandlung von Kindern im Alter von 0-12 Jahren mit muskuloskelettalen und neurologischen Beeinträchtigungen untersucht haben. Ziel dieser Studie war es deshalb, Konsens bezüglich effektiver Techniken in der präadoleszenten Population, Meinungsunterschiede und wahrgenommene Entscheidungsbarrieren und Faktoren bezüglich des Einsatzes von Techniken der manuellen Therapie zu analysieren. Dafür wurden anerkannte Physiotherapeuten in den Vereinigten Staaten für ein 3-Runden-Delphi-Verfahren rekrutiert. Es wurde ein Konsens für mehrere Konzepte festgestellt. Erstens wurden neuromuskuläre Techniken bei allen Beeinträchtigungen als wirksam angesehen, und Gelenkmobilisationen (Grad I-IV) wurden als wirksam bei der Behandlung von Gelenk- und Muskel- und myofaszialen Beeinträchtigungen angesehen. Zweitens wurden viszerale Manipulation und craniosacrale Therapie als unwirksam bei der Behandlung der meisten Beeinträchtigungen angesehen. Es gab keinen Konsens und deutliche Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Anwendung von Grad V Mobilisationen und Dry Needling. Signifikante Barrieren für den Einsatz der manuellen Therapie waren: Mangel an Wissen, Mangel an Evidenz und Angst vor Rechtsstreitigkeiten und Gefährdung der Patienten. Diese Studie ist ein erster Schritt für die Entwicklung von Richtlinien für die manuelle Therapie, Forschung und Ausbildungsmöglichkeiten bezüglich der manuellen Therapie in der pädiatrischen Physiotherapie.

    Manual Therapy in Preadolescent Children: A Delphi Investigation of Physical Therapists in the United States
    Phys Ther 2021; doi:  0.1093/ptj/pzab027


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  • Schulterpathologien: Langfristiges Felsklettern erhöht Prävalenz von Schulterschmerzen

    Ergebnis: Felskletterer sind aufgrund der sich wiederholenden Bewegungen der oberen Extremität in vertikalem oder überhängendem Gelände besonders anfällig für Schulterverletzungen. Die langfristigen Auswirkungen von dauerhaftem Klettern auf die Schultergelenke sind jedoch noch unbekannt. Das Ziel dieser Studie war es deshalb, die Prävalenz von Schmerzen und degenerativen Veränderungen in den Schultergelenken nach Klettern auf hohem Niveau über mindestens 25 Jahre zu analysieren. Die Wissenschaftler verglichen 31 erwachsene männliche Profi-Kletterer mit einer alters- und geschlechtsgleichen Kontrollgruppe von 31 Nicht-Kletterern. Alle Teilnehmer unterzogen sich einem ausführlichen Interview, einer standardisierten klinischen Untersuchung und MRTs. Die Lebenszeitprävalenz von Schulterschmerzen bei den Felskletterern betrug 77 %. Die Felskletterer hatten im Vergleich signifikant mehr Veränderungen am Labrum (82% vs. 52%), der langen Bizepssehne (53% vs. 23%) und dem Knorpel (28% vs. 3%). Diese Veränderungen korrelierten mit der Kletterintensität. Es gab keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf Rotatorenmanschettenpathologien (68 % vs. 58 %) und eine Degeneration des Akromioklavikulargelenks (88 % vs. 90 %). Die Wissenschaftler fassen zusammen, dass dauerhaftes Klettern auf hohem Niveau zu einer hohen Prävalenz von Schulterschmerzen und vermehrten degenerativen Veränderungen des Labrums, der langen Bizepssehne und des Knorpels führt. Es besteht jedoch kein Zusammenhang mit einer Einschränkung der Schulterfunktion.

    Impact of 30 years high-level rock climbing on the shoulder – an MRI study of 31 climbers
    J Shoulder Elbow Surg 2021; doi: 10.1016/j.jse.2020.12.017


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Studienergebnisse Februar 2021

  • Supinationstrauma: Anatomische und funktionelle Fehlstellungen erhöhen Risiko

    Ergebnis: Das Ziel dieser prospektiven Kohortenstudie war es, die anatomischen und funktionellen intrinsischen Risikofaktoren für ein Supinationstrauma am Sprunggelenk bei jugendlichen Sportlern, die an Mannschaftssportarten teilnehmen, zu identifizieren. 152 jugendliche, männliche Sportler im durchschnittlichen Alter von 14 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Ergebnisse zeigten, dass Sportler mit einer Vorgeschichte von Sprunggelenksdistorsionsraumata, einem Genu recurvatum und insbesondere einem navikulären Tiefstand möglicherweise ein höheres Risiko für Supinationstrauma haben. Die Daten aus dieser Studie können Therapeuten und Trainern helfen, Personen mit einem höheren Risiko zu identifizieren.

    Anatomical risk factors of lateral ankle sprain in adolescent athletes: A prospective cohort study
    Phys Ther Sport 2020; 48: 26-34

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  • Verletzung des vorderen Kreuzbands: Konsensus Statement über Management

    Ergebnis: Eine internationale Konsensusgruppe von Experten wurde einberufen, um einen Konsens über die beste verfügbare Evidenz zu operativen versus nicht-operativen Behandlungsoptionen von Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) zu ermitteln. Die Konferenz fand im Rahmen des Panther Symposiums 2019 statt. 66 internationale Experten für das Management von VKB-Verletzungen aus 18 Ländern nahmen teil. Bei hochaktiven Patienten, die Sprung-, Scher- und Schwungsportarten ausüben, empfiehlt sich eine frühzeitige anatomische VKB-Rekonstruktion aufgrund des hohen Risikos von sekundären Meniskus- und Knorpelverletzungen bei einer verzögerten Operation. Dabei sei eine Phase der progressiven Rehabilitation zur Behebung von Beeinträchtigungen und Verbesserung der neuromuskulären Funktion sinnvoll. Für Patienten, die zu Aktivitäten in eindimensionaler Ebene zurückkehren möchten, ist eine nichtoperative Behandlung mit strukturierter, progressiver Rehabilitation eine angemessene Behandlungsoption. Bei anhaltender funktioneller Instabilität oder wenn Episoden des Giving-Ways auftreten, ist jedoch eine VKB-Rekonstruktion indiziert. Die Konsensus-Statements, die von international führenden Experten auf diesem Gebiet abgeleitet wurden, können Klinikern bei der Entscheidung zwischen operativer und nicht-operativer Behandlung bei Patienten nach einer VKB-Verletzung helfen. Der Grad der Evidenz liegt bei Stufe fünf.

    Treatment after ACL injury: Panther Symposium ACL Treatment Consensus Group
    Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2020; 28: 2390-2402

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  • Tendinopathie der proximalen Hamstrings: Aktive Übungen als erste Behandlungswahl

    Ergebnis: Die Autoren der Studie führten halbstrukturierte Interviews mit 13 erfahrenen Physiotherapeuten durch, um deren Ansichten über die Diagnose, das Management und die Prävention der proximalen Hamstring-Tendinopathie zusammenzufassen. Die Experten verließen sich bei der Diagnose auf eine Kombination aus Informationen aus dem Patientengespräch und einer Batterie von Schmerzprovokationstests. Die Grundlage der Behandlung bildete Edukation und stufenweises Training (graded exercise) der Hamstrings und deren Synergisten, wobei die frühe Belastung durch Hüftbeugung minimiert werden sollte. Die Übungen für die Hamstrings und die kinetische Kette waren progressiv, bei gleichzeitiger Vermeidung von provozierenden Aktivitäten in Kompressionspositionen in der frühen bis mittleren Reha-Phase und eine abgestufte und kontrollierte Rückkehr zum Sport. Passive Therapien, einschließlich Injektionstherapien und OPs erachteten die Experten als nur begrenzt nützlich. Die Vorbeugung eines Rezidivs beinhaltete in erster Linie die Fortsetzung des Kräftigungsprogramms für die Hamstrings und die kinetische Kette sowie das Management der körperlichen Belastung.

    Proximal hamstring tendinopathy; expert physiotherapists’ perspectives on diagnosis, management and prevention
    Phys Ther Sport 2021; 48: 67-75

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  • Überkopfsportarten: Schulterausdauertest reliabel und valide

    Ergebnis: Das primäre Ziel der Autoren war es, die Reliabilität eines neuen Leistungstests für die Schulter - den Shoulder Endurance Test (SET) - bei jungen gesunden Überkopfsportlern und Erwachsenen mit einer sitzenden Lebensweise zu untersuchen. 92 Teilnehmer meldeten sich freiwillig zur Teilnahme: 30 gesunde Überkopfsportler und 62 Erwachsene, die häufig sitzen. Die Teilnehmer stehen dabei aufrecht mit dem Rücken gegen eine Wand. Der zu testende Arm hält in einer 90° Abduktionsposition ein 1 m langes Theraband in der Hand. Die Teilnehmer bringen das Theraband aus der Ausgangsposition in eine 90° Außenrotation und 90° Abduktion- Endposition in einer von einem Metronom vorgegebenem Takt. Die Aktivität erhalten die Teilnehmer so lang aufrecht bis  sieermüden oder Ausweichbewegungen stattfinden. Die männlichen Teilnehmer hatten ein grünes Theraband (2,1 kg) und die weiblichen ein rotes (1,7 kg). Die relative Reliabilität war in beiden Gruppen hoch bis sehr hoch (Intraklassen-Korrelationskoeffizienten = 0,78-0,93) und die absolute Reliabilität war klinisch akzeptabel. Schwache Korrelationen wurden zwischen dem SET und der isometrischen Schulterrotationskraft gefunden. Die Autoren schlussfolgern, dass der SET ein reliabler, klinisch anwendbarer Test für die körperliche Leistungsfähigkeit der Schulter bei jungen erwachsenen Überkopfsportlern und Erwachsenen in sitzender Tätigkeit darstellt.

    The shoulder endurance test (SET): A reliability and validity and comparison study on healthy overhead athletes and sedentary adults
    Phys Ther Sport 2021; 47: 201-207

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  • Glenohumerales Innenrotationsdefizit (GIRD): Einflussfaktoren auf Schulterverletzungen

    Ergebnis:Wissenschaftler untersuchten in einem Level III Querschnitt-Fall-Kontroll-Design, ob sich Verletzungen an der Wurfschulter bei professionellen Baseball-Pitchern mit GIRD im Vergleich zu denen bei Pitchern ohne GIRD unterscheiden. 26 männliche Pitcher nahmen an der Studie teil. In der GIRD-Gruppe waren das allgemeine Bewegungsdefizit, das Verhältnis der Muskeldicken des Supraspinatus und Infraspinatus sowie das Muskel-Kraft-Verhältnis der Außenrotation signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Im Gegensatz dazu war das Muskel-Kraft-Verhältnis der Innenrotation in der GIRD-Gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Die Autoren weisen darauf hin, dass ein GIRD signifikant mit mehreren Bedingungen korreliert, wie z.B. Atrophie des Supraspinatus und Infraspinatus, Schwäche der Außenrotatoren, Steigerung der Kraft der Innenrotatoren und eine Einschränkung des Bewegungsausmaßes auf der Wurfseite, was alles bedeutende Einflussfaktoren für Schulterverletzungen darstellen könnten.

    Relationship between Glenohumeral Internal Rotation Deficit and Shoulder Conditions in Professional Baseball Pitchers
    J Shoulder Elbow Surg 2020; 20: 30916-2

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  • (Sub-)Akutes Supinationstrauma: Mobilisation mit Bewegung reduziert Schmerzen und Einschränkungen

    Ergebnis: Diese randomisierte, placebo-kontrollierte Studie bestimmte die Auswirkung von Mobilisierung mit Bewegung auf Schmerzen, Beweglichkeit und Funktion bei Patienten mit (sub-)akutem Grad I und II Supinationstrauma. 30 Erwachsene nahmen an der Studie teil. Die Interventionsgruppe erhielt Mobilisation mit Bewegung plus die übliche Versorgung. Die Kontrollgruppe erhielt eine Placebo-Mobilisation mit Bewegung und die übliche Versorgung. Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung fanden die Forscher bei allen untersuchten Variablen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen zugunsten derjenigen, die die Mobilisation mit Bewegung erhielten. Die Schmerzintensität zeigte einen mittleren Unterschied von 1,7 Punkten und 0,9 Punkten bei der ein- bzw. sechsmonatigen Nachuntersuchung. Vorteile zeigten sich auch für den Foot and Ankle Disability Index- Fragebogen, die Beweglichkeit, die Druckschmerzschwelle und das Gleichgewicht. Diese Studie liefert vorläufige Daten für den Nutzen von Mobilisation mit Bewegung bei (sub-)akutem Sprunggelenkssupinationstrauma in Bezug auf Schmerzen, Bewegungsausmaß, Beeinträchtigung und Gleichgewicht.

    The effectiveness of mobilization with movement on pain, balance and function following acute and sub acute inversion ankle sprain – A randomized, placebo controlled trial
    Phys Ther Sport 2021; 48: 91-100

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  • Kontaktverletzungen: Futsal-spezifisches Warm-up reduziert Verletzungen

    Ergebnis: Diese quasi-experimentelle Studie untersuchte, wie wirksam ein futsal-spezifisches Aufwärmtraining Verletzungen in Amateur-Mannschaften reduziert. Es nahmen 878 Futsal-Mannschaften (Interventionsgruppe n=458; Kontrollgruppe n=420) beider Geschlechter und drei verschiedener Altersgruppen: U13, U17 und Erwachsene teil. Die Intervention beinhaltete ein futsal-spezifisches Aufwärmtraining mit kardiovaskulären Übungen, dynamischen Dehnungen und spielrelevanten Techniken. Die Verletzungsrate war in der Interventionsgruppe geringer, aber nicht signifikant. Es gab jedoch eine signifikant niedrigere Wahrscheinlichkeit von Kontaktverletzungen in der Interventionsgruppe. Die Autoren fassen zusammen, dass ein futsalspezifisches Aufwärmen Kontaktverletzungen bei Amateurspielern reduzieren kann. Bei hoher Adhärenz reduziert sich auch die Rate jeglicher Verletzungen.

    The effect of a neuromuscular warm-up on the injury rates in New Zealand recreational futsal players.
    Phys Ther Sport 2021; doi: 10.1016/j.ptsp.2020.12.015

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