• Studienergebnisse

     

Muskuloskelettal/Schmerz

Studienergebnisse Juni 2020

  • Karpaltunnelsyndrom: Aufklärung, Nachtschienen und Heimübungen effektiv

    Ergebnis: Forscher fragten sich, ob ein vom Therapeut geführter Versorgungsweg mit Aufklärung, Schienung und Übungen bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom, die auf einer OP-Warteliste stehen, die Notwendigkeit einer OP reduzieren könnte. In dieser multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie nahmen 105 Personen mit Karpaltunnelsyndrom teil. Die Versuchsgruppe erhielt eine einmalige Gruppensitzung mit Aufklärung, Schienung und Nerven- und Sehnengleitübungen. Die Kontrollgruppe stand ohne zusätzliche Betreuung weiterhin auf der Warteliste. Nach 24 Wochen betrug die Entscheidung zur Operation 59% in der Versuchsgruppe und 80% in der Kontrollgruppe. Die Autoren fassen zusammen, dass ein vom Therapeut geführter Behandlungsweg die Inanspruchnahme einer Karpaltunneloperation verringerte und die wahrgenommene Verbesserung und Zufriedenheit bei Patienten, die bereits auf einer Warteliste standen, erhöhte.

    Group education, night splinting and home exercises reduce conversion to surgery for carpal tunnel syndrome: a multicentre randomised trial
    J Physiother 2020; doi: 10.1016/j.jphys.2020.03.007

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  • Subakromiale Schulterschmerzen: Übungs- und Manualtherapie sinnvoll

    Ergebnis: Autoren eines Umbrella Reviews aktualisierten ein 2013 veröffentlichtes systematisches Review, welches die Wirksamkeit von Interventionen im Bereich der Physiotherapie, einschließlich Übungen, Manuelle Therapie, Elektrotherapie und kombinierter oder multimodaler Ansätze zur Behandlung von Schulterschmerzen, untersuchte. Sie schlossen 16 systematische Reviews ein. Die Wissenschaftler empfehlen die Trainingstherapie als Firstline-Treatment zur Verbesserung von Schmerz, Mobilität und Funktion bei Patienten mit subakromialen Schulterschmerzen. Therapeuten können Manuelle Therapie, mit einer klaren Empfehlung als zusätzliche Therapie, integrieren. Für andere häufig zusätzlich verschriebene Interventionen, wie Lasertherapie, extrakorporale Stoßwellentherapie, gepulste elektromagnetische Strahlung und Ultraschall, gab es mäßige Hinweise dafür, dass sie keine Wirkung haben.

    An Update of Systematic Reviews Examining the Effectiveness of Conservative Physical Therapy Interventions for Subacromial Shoulder Pain
    J Orthop Sports Phys Ther 2020; 50:131–141

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  • Cam-Impingement: Höhere Prävalenz bei professionellen Skifahrern

    Ergebnis: Forscher gingen der Frage nach, wie häufig eine Cam-Morphologie in einer Gruppe junger Spitzensportler des alpinen Skisports im Vergleich zu Nicht-Sportlern auftritt. Sie untersuchten die Hüftgelenke von 87 Probanden: 61 junge Profiskifahrer (29 Frauen und 32 Männer) und 26 Nichtsportler (17 Frauen und 9 Männer). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass junge männliche Top-Skifahrer eine höhere Prävalenz der Cam-Morphologie der Hüftgelenke im Vergleich zu Nicht-Sportlern aufweisen.

    Young elite Alpine and Mogul skiers have a higher prevalence of cam morphology than non-athletes
    Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2020; 28: 1262-1269

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  • Femoroacetabuläres Impingement (FAI): Vollständige Wiederherstellung der Hüftgelenkmuskelkraft bei Rückkehr zum Sport nach arthroskopischer Therapie wird selten erreicht

    Ergebnis: Die Autoren dieser Querschnittsstudie untersuchten die Kraft der Hüftgelenkaußenrotatoren bei Probanden mit FAI-Arthroskopie, die zum Sport zurückkehrten. 44 Sportler nahmen an der Studie teil. Die Forscher maßen signifikant geringere Kraftwerte der Hüftgelenkaußenrotatoren der operierten Seite im Vergleich zur gesunden Hüfte. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Patienten, die sich wegen eines FAI-Syndroms arthroskopisch behandeln ließen, bei der Rückkehr zum Sport keine adäquate Wiederherstellung der Hüftgelenkmuskelkraft erreichen. Rehabilitationsprogramme sollten daher den Schwerpunkt auf ein postoperatives Krafttraining der Hüftgelenkmuskulatur legen. Es sind zusätzliche Forschungsarbeiten erforderlich, um die Folgen einer reduzierten Hüftgelenkmuskelkraft für das Langzeitergebnis nach einer arthroskopisch behandelten FAI zu ermitteln. Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Bedeutung eines postoperativen Krafttrainings vor der Rückkehr zum Sport bei Patienten nach FAI-OP.

    Full recovery of hip muscle strength is not achieved at return to sports in patients with femoroacetabular impingement surgery
    Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2020; 28 1276-1282

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  • Achillessehnentendinopathie: Kraftverteilung im M.triceps surae verändert

    Ergebnis: Das vorrangige Ziel dieser Studie war es, festzustellen, ob sich die Kraftverteilung zwischen den drei Köpfen der M. triceps surae zwischen Personen mit Achillessehnenerkrankung und gesunden Kontrollprobanden unterscheidet. Insgesamt nahmen 42 Probanden (21 Patienten und 21 gesunde Teilnehmer) an der Studie teil. Der Anteil des M. gastrocnemius lateralis an der gesamten physiologischen Querschnittsfläche und die Aktivierung des M. triceps surae war bei Patienten mit Achillessehnentendinopathien um 8,5% bzw. 24,7% geringer als bei den Kontrollen. Folglich trug der M. gastrocnemius lateralis bei Achillessehnenopathie etwa 28% weniger zur Kraft des M. triceps surae bei. Diese Ergebnisse weisen auf einen Unterschied in der Kraftverteilungsstrategie innerhalb des M. triceps surae hin. Ob diese veränderte Situation eine Ursache oder eine Folge der Achillessehnentendinopathie ist, sollte weiter erforscht werden.

    Force-sharing within the Triceps Surae. An Achilles Heel in Achilles Tendinopathy
    Med Sci Sports Exerc 2020; 52: 1076-1087

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  • Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (VKB): Schlechte funktionelle Leistung mit Bone Marrow Lesions im Zusammenhang

    Ergebnis: Forscher untersuchten, ob eine schlechte funktionelle Leistungsfähigkeit nach der Rekonstruktion des VKB mit einem erhöhten Arthroserisiko, Kniesymptomen, der Funktion und der Lebensqualität verbunden ist. 78 Patienten absolvierten eine funktionelle Leistungstestbatterie (drei Hüpftests, ein One-Leg-Rise) ein Jahr postoperativ. Die Wissenschaftler definierten eine schlechte funktionelle Leistung als <90% im Vergleich zum anderen Bein. Nur 14 Patienten (18%) bestanden (≥90%) die Testbatterie. Schlechte funktionelle Leistungen bei allen vier Tests (<90%) ein Jahr post-OP waren mit einem 3,66-mal höheren Risiko einer Verschlechterung der patellofemoralen Bone Marrow Lesions verbunden. Ein Triple-Crossover-Hop-Test <90% war mit einem 2,09-fach höheren Risiko einer Verschlechterung des patellofemoralen Knorpels assoziiert.

    Poor functional performance 1 year after ACL reconstruction increases the risk of early osteoarthritis progression
    Br J Sports Med 2020; 54: 546-553

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  • Hüftschmerzen: Consensus Statement

    Ergebnis: Am 1. Treffen des International Hip-related Pain Research Network nahmen 38 Forscher und Kliniker, die sich mit hüftbedingten Schmerzen beschäftigen, teil. Sie diskutierten über eine von Physiotherapeuten geführte Behandlung für junge bis aktive Erwachsene mittleren Alters mit hüftbedingten Schmerzen. Die Empfehlungen für die klinische Praxis lauteten: (i) für Patienten mit hüftbedingten Schmerzen wird eine übungsbasierte Behandlung empfohlen. (ii) Diese sollte mindestens 3 Monate dauern. (iii) Es sollte eine physiotherapeutisch geleitete Rehabilitation nach einer Hüftoperation durchgeführt werden. (iv) Zur Überwachung des Ansprechens auf die Behandlung, sollten Therapeuten  Patienten mit geeigneten Fragebögen befragen und Messungen der körperlichen Beeinträchtigung und psychosozialer Faktoren erheben. (v) Für Menschen mit hüftbedingten Schmerzen wird körperliche Aktivität (die Sport einschließen kann) empfohlen. (vi) Therapeuten sollten die Erwartungen der Patienten besprechen, eine gemeinsame Entscheidungsfindung nutzen und Aufklärungsarbeit leisten.  Die Autoren empfehlen weitere Forschung hinsichtlich optimaler Häufigkeit, Intensität, Zeit, Art, Volumen und Progression der Übungstherapie. Therapeuten und Forscher, die mit jungen bis mittleren aktiven Erwachsenen mit hüftbedingten Schmerzen arbeiten, können diese Konsensempfehlungen nutzen, um individuelle, evidenzbasierte Rehabilitationsprogramme anzuleiten, zu entwickeln, zu testen und umzusetzen.

    Consensus statement: Physiotherapist-led treatment for young to middle-aged active adults with hip-related pain: consensus recommendations from the International Hip-related Pain Research Network, Zurich 2018
    Br J Sports Med 2020; 54: 504-511

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  • VKB-Rehabilitation: Empfehlung zu frühzeitiger Mobilisation und Krafttraining

    Ergebnis: Die Autoren dieses systematischen Reviews beurteilten die Qualität von 6 internationalen klinischen Praxisleitlinien (CPGs) und fassten deren Empfehlungen für die VKB-Rehabilitation zusammen. Die Leitlinien empfehlen eine sofortige Mobilisierung des Knies und ein Kraft-/neuromuskuläres Training. Je nach den individuellen Gegebenheiten können Therapeuten frühe Übungen zur Vollbelastung, frühe Übungen in der offenen und geschlossenen kinetischen Kette, Kryotherapie und neuromuskuläre Elektrostimulation einsetzen. Die Leitlinien raten von kontinuierlichen passiven Bewegungen und funktionellen Bandagen bzw. Orthesen ab.

    How should clinicians rehabilitate patients after ACL reconstruction? A systematic review of clinical practice guidelines (CPGs) with a focus on quality appraisal (AGREE II)
    Br J Sports Med 2020; 54: 512-519

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  • Rückenschmerz: Veränderte neuromuskuläre Kontrolle während des aufrechten Stehens

    Ergebnis: Betätigungen, die längere Zeiten statischen Stehens erfordern, sind mit der Entwicklung von Schmerzen im unteren Rückenbereich (low back pain, LBP) verbunden. Bestimmte Personen sind nach längerem Stehen anfällig für die Entwicklung von LBP (pain developers, PDs), andere hingegen nicht (non-pain developers,NPDs). Das Ziel dieser Studie war es deshalb, festzustellen, ob sich die Gleichgewichtskontrolle im Stehen, gemessen anhand der Bewegungen des Körperschwerpunktes und des Druckmittelpunktes, nach 2 Stunden Stehen verändert. 32 Teilnehmer standen hierfür zwei Stunden lang. Die Autoren erfassten vor und nach dem 2-stündigem Stehprotokoll separate 2-minütige Stehversuche, die mit offenen und geschlossenen Augen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Kontrolle des aufrechten Stehens nach 2 Stunden Stehen veränderte, was zu einer Zunahme der Bewegungen des Körperschwerpunktes und des Druckmittelpunktes sowohl bei PDs als auch bei NPDSs führte. PDs zeigten hier eine größere Veränderung, was durch die Theorie unterstützt wird, dass eine Zunahme der Bewegungen des Körperschwerpunktes und des Druckmittelpunktes bei Schmerzen bzw. einer Pathologie auftritt.

    Low back pain development differentially influences centre of pressure regularity following prolonged standing
    Gait Posture 2020; 78: e1-e6

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  • Knie TEP: Flexion des Kniegelenks beim Gehen ein Jahr postoperativ entscheidend für Patientenzufriedenheit

    Ergebnis: Das Ziel dieser prospektiven Studie war es, zu untersuchen, wie das Gangbild und die Patientenzufriedenheit ein Jahr nach einer Knie-TEP zusammenhängen. Die Forscher untersuchten dazu 79 Patienten vor und ein Jahr nach der OP mittels Ganganalyse. Die Ergebnisse zeigten, dass alle Patienten ein Jahr nach der OP ihre Gangergebnisse verbesserten, aber nur eine größere maximale Knieflexion während des Gehens den Grad der Patientenzufriedenheit beeinflusste. Die Fähigkeit das Knie optimal beim Gehen zu bewegen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Zufriedenheit der Patienten.

    ASSOCIATIONS BETWEEN GAIT ANALYSIS PARAMETERS AND PATIENT SATISFACTION ONE YEAR FOLLOWING PRIMARY TOTAL KNEE ARTHROPLASTY
    Gait Posture 2020; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.04.015

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  • HWS: Kraniozervikaler Flexionstest als Assessement reliabel und valide

    Ergebnis: Die Autoren dieses systematischen Reviews untersuchten die Messwerteigenschaften des kraniozervikalen Flexionstest zur Beurteilung der Funktion der tiefen HWS-Flexoren. Dafür schlossen sie 14 Studien ein. Die Autoren schlussfolgern: der kraniozervikale Flexionstest ist ein valider und reliabler Test, den Therapeuten in der Praxis als Assessment verwenden können. Aufgrund der widersprüchlichen und qualitativ unzureichenden Evidenz ist jedoch Vorsicht geboten, wenn er als Diskriminierungstest und als Ergebnismessung verwendet wird. Zukünftige gut konzipierte Studien sind deshalb notwendig.

    Measurement Properties of the Craniocervical Flexion Test: A Systematic Review
    Phys Ther 2020; doi: 10.1093/ptj/pzaa072

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  • Gonarthrose: Progression durch Muskelkoaktivierung bei Frauen mit Kraftdefiziten

    Ergebnis: Wissenschaftler erforschten, wie das Geschlecht und der Status der Gonarthrose bei 77 Probanden mit der Muskelfunktion, insbesondere der Kraft und Muskelkoaktivierung, beim Gehen und Treppensteigen zusammenhängt. 18 altersgematchte Probanden wurden als Kontrollgruppe untersucht. Die Patienten mit Gonarthrose waren schwächer als die Kontrollgruppe und hatten eine höhere Hamstrings-Quadrizeps- und medial-laterale-Koaktivierung für bestimmte Phasen des Gangs. Frauen waren während aller Aktivitäten schwächer als Männer und wiesen eine höhere Muskelkoaktivierung auf. Geschlecht und Muskelschwäche, aber nicht das Alter oder der Krankheitsstatus sagten eine hohe Muskelkoaktivierung voraus. Die Forscher nehmen an, dass eine hohe Muskelkoaktivierung ein Kompensationsmechanismus für Muskelschwäche ist, um ein bestimmtes Funktionsniveau aufrechtzuerhalten. Sie gehen auch davon aus, dass eine hohe Muskelkoaktivierung nachteilige Auswirkungen auf die Knorpel- und Gelenkgesundheit hat, was zu einem erhöhten Risiko des Auftretens und der Progression von Gonarthrose bei Frauen beitragen könnte.

    Sex- and osteoarthritis-related differences in muscle co-activation during weight-bearing tasks
    Gait Posture 2020; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.04.019

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  • Arthroskopische partielle Meniskektomie: Keine überlegenen Effekte im Vergleich zur Physiotherapie

    Ergebnis: Die Autoren dieser systematischen Übersicht und Metaanalyse untersuchten, wie wirksam die arthroskopisch partielle Meniskektomie bei symptomatischen degenerativen Meniskusrissen bei Patienten mit leichter bis gar keiner Gonarthrose ist. Sie suchten in den Datenbanken MEDLINE, EMBASE und Cochrane nach Literatur und schlossen 5 RCTs ein. 4 Studien verglichen die Resultate mit Physiotherapie, eine Studie mit einer Scheinoperation. Die Wissenschaftler kamen nach Auswertung der qualitativ hochwertigen Evidenz zu dem Schluss, dass die arthroskopisch partielle Meniskektomie konservativen Behandlung oder der Scheinoperation bei Patienten mit leichter oder keiner Gonarthrose weder in Bezug auf die funktionelle Aktivität noch hinsichtlich einer Verringerung der Schmerzen einer konservativen Behandlung überlegen war.

    Revisiting Arthroscopic Partial Meniscectomy for Degenerative Tears in Knees With Mild or No Osteoarthritis
    Clin J Sport Med 2020; 30: 195-202

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  • Lumbale Bandscheibendegeneration: Langfristige negative Folgen von körperlicher Inaktivität

    Ergebnis: Ein Forschungsteam untersuchte in einer Querschnitts-Fall-Kontroll-Studie, wie kurz- und langfristige körperliche Inaktivität mit degenerativen Veränderungen der Brust- und Lendenwirbelsäule zusammenhängen. Die Kohorte bestand aus 385 Personen aus der süddeutschen Bevölkerung. Das Follow-up betrug 14 Jahre. Die Bandscheibendegeneration war bei denjenigen mit unregelmäßiger Aktivität < 1 Stunde im Vergleich zu denjenigen mit regelmäßiger Aktivität von ≥1 Stunde und mehr pro Woche und bei denjenigen ohne Aktivität im Vergleich zu denjenigen mit regelmäßiger Aktivität von ≥2 deutlich ausgeprägter. Eine geringere körperliche Aktivität über einen Zeitraum von 14 Jahren korrelierte mit einer Zunahme der Bandscheibendegeneration in der Brust- und Lendenwirbelsäule. Es gab keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen körperlicher Arbeit, Geh- oder Radaktivität und Bandscheibendegeneration. Zudem fanden die Forscher auch keine signifikanten Korrelationen zwischen dem Grad der Bandscheibendegeneration, dem Grad der körperlichen Inaktivität und den Rückenschmerzen. Die Autoren fassen zusammen, dass der Grad der körperlichen Inaktivität, gemessen über einen Zeitraum von 14 Jahren, eine starke Korrelation mit der Bandscheibendegeneration der Brust- und Lendenwirbelsäule aufzeigt.

    Long-term effect of Physical Inactivity on Thoracic and Lumbar Disc Degeneration – a MRI Based Analysis of 385 individuals from the general population
    Spine J 2020; doi: 10.1016/j.spinee.2020.04.016

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Studienergebnisse Mai 2020

  • Koxarthrose: Übungsprogramm beeinflusst nicht die Gangparameter

    Ergebnis: Forscher untersuchten, wie sich ein 12-wöchiges Übungsprogramm auf die kinematischen Gangvariablen bei Probanden mit Koxarthrose auswirkt. Sie teilten 210 Teilnehmer zufällig in eine Übungs-, unbehandelte Kontroll- oder Placebo-Ultraschallgruppe ein. Die 12-wöchige Übungsintervention kombinierte eine wöchentliche Gruppeneinheit (1x/Woche) mit Übungen zu Hause (2x/Woche) und Übungen für motorisches Lernen, Flexibilität, Kräftigung und Gleichgewicht. Der Placebo-Ultraschall wurde einmal pro Woche durchgeführt. Obwohl die Hüftmuskelkraft und die Gangqualität zusammenhängen, kann ein Krafttraining der hüftumgebenden Muskulatur ohne spezifische Elemente der Gangschule bei Probanden mit leichter bis mittelschwerer Koxarthrose die Gangparameter oder die Hüft- und Kniegelenkswinkel nicht verbessern. Wenn der Gang explizit durch Übungen verbessert werden soll, sollten Therapeuten ihre Übungen auch dementsprechend auswählen.

    A 12-week exercise program for patients with hip osteoarthritis has no influence on gait parameters: a secondary analysis of a randomized controlled trial
    Gait Posture; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.03.001

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  • Distaler Bicepssehnenabriss: Rückkehr zur Arbeit nach OP nach ca. 3 Monaten

    Ergebnis: Der Zweck dieser Studie bestand darin, eine systematische Übersicht über die Literatur zu erstellen, um eine Orientierung für die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer distalen Bicepssehnenreparatur zu geben. Die Autoren schlossen 40 Artikel mit insgesamt 1.270 Patienten ein. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 45 Jahre und 97% waren männlich. Nach der operativen Refixierung der distalen Bicepssehne konnten 89% der Patienten ohne jegliche Tätigkeitsveränderung wieder uneingeschränkt arbeiten. Die Zeit bis zur Rückkehr an den Arbeitsplatz lag durchschnittlich bei 14,4 Wochen. Die Wissenschaftler empfehlen, den Patienten und Arbeitgebern eine Spanne zwischen 3 und 4 Monaten einzuräumen, wobei die exakte Zeitspanne von den spezifischen Arbeitsanforderungen abhängt.

    Return to work following a distal biceps repair: a systematic review of the literature
    J Shoulder Elbow Surg 2020; doi: 10.1016/j.jse.2019.12.00

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  • Gonarthrose: Aquacycling verbessert Schmerzen und körperliche Funktion

    Ergebnis: Wissenschaftler beurteilten, wie effektiv ein 12-wöchiges Aquacyclingprogramm zur Verbesserung der Knieschmerzen und der körperlichen Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Kniearthrose ist. Das RCT schloss 111 Teilnehmer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren mit unilateraler, mäßiger Gonarthrose ein. Die Interventionsgruppe erhielt zweimal die Woche 45 Minuten Aquacycling. Die Kontrollgruppe verhielt sich normal. Die durchschnittliche Teilnahmequote in der Interventionsgruppe lag bei 80%. Die Teilnehmer verbesserten sich signifikant im Follow-up hinsichtlich Knieschmerzen und körperlicher Funktion.

    Aquatic cycling improves knee pain and physical functioning in patients with knee osteoarthritis: a randomised controlled trial
    Arch Phys Med Rehabil 2020; doi: 10.1016/j.apmr.2019.12.023

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  • Sturzrisiko: Kombination dreier Tests am sinnvollsten

    Ergebnis: Die Autoren untersuchten, welcher Test am besten geeignet ist, um Erwachsene im Alter von ≥80 Jahren mit einem höheren Sturzrisiko zu identifizieren, und um den klinischen Nutzen der Kombination solcher Tests zur Vorhersage des Sturzrisikos zu ermitteln. An der longitudinal prospektiven Studie nahmen 98 Erwachsene im Alter von 80–102 Jahren teil. Die Kombination aus Timed-Up-and-Go-Test, Gehgeschwindigkeit und Mini-Balance-Evaluation-Systems-Test lieferte den besten Ansatz. Wenn alle drei Tests positiv ausfallen, besteht eine 89%ige Chance, eine ältere, sturzgefährdete Person zu identifizieren. Wenn alle drei Tests negativ sind, besteht nur eine 3%ige Chance, ein falsch-negatives Ergebnis zu erhalten.

    What is the best clinical assessment tool for identification of adults aged ≥80 years at high risk of falls?
    Physiotherapy 2020; doi: 10.1016/j.physio.2020.03.002

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  • Rückenschmerz: Risikofaktor Psyche

    Ergebnis: Forscher fassten Hinweise auf chronische körperliche Erkrankungen, psychische Gesundheitsstörungen und psychologische Merkmale als potenzielle Risikofaktoren für Rückenschmerzen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammen. Sie schlossen 19 Studien in ihr Review und 12 Artikel, die sie in MEDLINE, Embase, CINAHL, und Scopus recherchierten, in die Metaanalyse ein. Die Evidenz aus den Studien zeigte, dass psychologischer Stress, emotionale Bewältigungsprobleme und somatosensorische Beeinträchtigungen wahrscheinliche Risikofaktoren für Rückenschmerzen sind. Die Autoren identifizierten weitere Faktoren, die mit Rückenschmerzen in Verbindung stehen: Asthma, Kopf- und Bauchschmerzen, Depressionen, Angstzustände, Verhaltensprobleme, Somatisierung und Anspannungsgefühle sind potenzielle Risikofaktoren oder Auslöser für Rückenschmerzen. Die Ergebnisse der Metaanalysen deuten darauf hin, dass die wahrscheinlichsten Risikofaktoren für Rückenschmerzen bei jungen Menschen psychische Belastung und emotionale Bewältigungsprobleme sind.

    Chronic physical illnesses, mental health disorders, and psychological features as potential risk factors for back pain from childhood to young adulthood: a systematic review with meta-analysis
    Eur Spine J 2020; 29: 480-496

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  • Verletzungen im Fußball: Realistische Einordnung der Ausfallzeit

    Ergebnis: Ziel dieser Studie war es, die durchschnittliche Ausfallzeit nach den häufigsten Verletzungen im Profifußball zu beschreiben. Die Wissenschaftler inkludierten die Daten von insgesamt 22.942 Verletzungen, die während 494 Team-Saisons registriert wurden. Die 31 häufigsten Diagnosen machten 78 % aller gemeldeten Verletzungen aus. Die meisten dieser Verletzungen waren entweder leicht (was zu einer durchschnittlichen Abwesenheit von 7 Tagen oder weniger führte, 42% der Fälle) oder mäßig (durchschnittliche Abwesenheit: 7–28 Tage, 56% der Fälle), während nur wenige (2% der Fälle) schwerwiegend waren (durchschnittliche Abwesenheit von >28 Tagen). Die durchschnittliche Ausfalldauer beim Training und im Wettkampf unterschied sich in 6 Diagnosen (Achillessehnenschmerzen, Wadenmuskelverletzung, Leistenadduktorenschmerzen, Verletzungen der Oberschenkelmuskulatur und Verletzung des M. quadrizeps) signifikant zwischen Erstverletzung und Re-Verletzungen. Die Studie liefert Therapeuten für die häufigsten Verletzungsarten Richtlinien für die zu erwartende Abwesenheit vom Training und vom Wettkampf sowie für die realistische Einordnung.

    Time before return to play for the most common injuries in professional football: a 16-year follow-up of the UEFA Elite Club Injury Study
    Br J Sports Med: 2020; 54: 421-426


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  • Rückkehr zum Sport nach verletzungsbedingter Abwesenheit: Vor erstem Einsatz mehr Trainingseinheiten absolvieren

    Ergebnis: Forscher untersuchten, ob die Anzahl der absolvierten Trainingseinheiten zwischen dem Return to Play und dem ersten Spieleinsatz mit den Verletzungschancen im Profifußball der Männer in Zusammenhang steht. Sie analysierten die Daten aus einer Kohortenstudie, welche 16 Saisons mit 303.637 Einzelspielen und daraus 4.805 Erstspielteilnahmen nach dem Return to Play nach mäßigen bis schweren Verletzungen (≥8 Abwesenheitstage) erfasste. Die Verletzungsrate im ersten Spiel nach dem Return to Play war um 87% höher als die durchschnittliche Verletzungsrate in einem Saisonspiel (46,9 gegenüber 25/1000 Stunden). Die Verletzungsquote sank mit jeder Trainingseinheit mehr vor dem ersten Spiel um 7%. Die Autoren fassen zusammen, dass die Verletzungswahrscheinlichkeit der Spieler verringert wird, wenn sie vor ihrem ersten Spiel mehr Trainingseinheiten absolvieren.

    Few training sessions between return to play and first match appearance are associated with an increased propensity for injury: a prospective cohort study of male professional football players during 16 consecutive seasons
    Br J Sports Med 2019; doi: 10.1136/bjsports-2019-100655

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  • Rückenschmerzen: Abweichung von den Leitlinien – zu viel Bildgebung und zu wenig Aufklärung

    Ergebnis: Die internationalen klinischen Praxisleitlinien für Schmerzen im unteren Rückenbereich (LBP) enthalten konsistente Empfehlungen: allgemeine Bereitstellung von Informationen und Empfehlungen aktiv zu bleiben, keine routinemäßige Überweisung zur Bildgebung und eine begrenzte Verschreibung von Opioiden. Dieses systematische Review beschreibt die übliche Versorgung von Patienten mit LBP durch Erstkontaktärzte. Die australischen und kanadischen Autoren bezogen 26 Studien bzw. die Daten von fast 195.000 Patienten ein: 18 aus der Hausarztpraxis und 8 aus der Notaufnahme. Weniger als 20% der Patienten mit LBP erhielten evidenzbasierte Informationen und Empfehlungen von ihrem Hausarzt. Etwa einer von 4 Patienten mit LBP erhielt eine Überweisung für die Bildgebung in der Hausarztpraxis und einer von 3 in der Notaufnahme. Bis zu 30% der Patienten mit LBP erhielten in der Hausarztpraxis und bis zu 60% in der Notaufnahme ein Rezept für Opiate. Eine große Anzahl von Patienten, die wegen LBP einen Arzt aufsuchten, erhielt eine Behandlung, die nicht mit den evidenzbasierten Richtlinien der klinischen Praxis übereinstimmt. Die übliche Versorgung umfasste eine Überversorgung mit bildgebenden Verfahren und Opioidverschreibungen, sowie eine Unterversorgung mit Empfehlungen und Informationen. Diese suboptimale Versorgung kann zu einer massiven Belastung von LBP weltweit beitragen.

    What is usual care for low back pain? A systematic review of health care provided to patients with low back pain in family practice and emergency departments
    Pain 2020; 161: 694-702

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  • Rumpftrainingsprogramm: Balletttänzer profitieren

    Ergebnis: Forscher untersuchten, wie sich ein Core-Trainingsprogramm auf die Leistung von Ballett- und Modern-Tänzern auf Universitätsniveau auswirkt. 24 Tänzerinnen und Tänzer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren nahmen an der Studie teil. Das Core-Trainingsprogramm ging über einen Zeitraum von 8 Wochen: 3-mal pro Woche à 45–60 Minuten. 2 Einheiten begleitete ein erfahrener Physiotherapeut, die dritte Einheit beübte jeder Teilnehmer alleine. Die Bewertung der Parameter der körperlichen Fitness umfasste die vertikale Sprungleistung, Flexibilität, dynamisches Gleichgewicht, Koordination, Propriozeption und isokinetische Kraftmessungen der Muskulatur. Die Ergebnisse zeigen, dass das Trainingsprogramm von Therapeuten und Trainern zur Verbesserung verschiedener körperlicher Fitnessparameter wie Sprungkraft, Propriozeption, Koordination und dynamisches Gleichgewicht nutzbar ist. Solche Verbesserungen können bei der Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten für moderne Tänzer an der Universität helfen.

    Effect of a Core Stabilization Training Program on Performance of Ballet and Modern Dancers
    J Strength Cond Res 2020; 34: 1166-1175

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  • Genu varum: Hüftrotation beeinflusst Aktivität des M. gluteus medius

    Ergebnis: Diese Querschnittsstudie untersuchte verschiedene Hüftrotationspositionen auf die Muskelaktivität während einseitiger Belastungsübungen bei Personen mit und ohne Genu varum. Die Autoren teilten 46 körperlich aktive Männer in eine Kontroll- (n = 23) und eine Genu varum-Gruppe (n = 23) ein. Mittels Oberflächen-EMG maßen sie die Aktivität des M. gluteus medius und des M. tensor fascie latae während Übungen mit verschiedenen Hüftgelenkrotationen. Die Forscher fanden heraus, dass die Übung Wandpresse mit Außenrotation in der Kontrollgruppe bzw. die Übung „Pelvic Drop“ und Wandpresse mit Hüftgelenkinnenrotation bei Probanden mit Genu varum effektive Übungen sind, um die Aktivität des Gluteus medius- und des Tensor fascie latea zu optimieren.

    The influence of hip rotations on muscle activity during unilateral weight-bearing exercises in individuals with and without genu varum: A cross-sectional study
    Phys Ther Sport 2020; doi: 10.1016/j.ptsp.2020.03.009

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