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    Mythos Kryotherapie – Väterchen Frost kann in Rente gehen

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Mythos Kryotherapie

Manchmal lohnt es sich, Altbekanntes zu überdenken. Schaut man genau hin, ist etwa die Wirkung von Kryotherapie nicht nachgewiesen. Weder scheint sie bei Schwellungen zu helfen noch bei Schmerzen. Im Gegenteil: Kälteanwendungen während der Wundheilung können sogar schaden, sagt Physiotherapeut Nils E. Bringeland.

Seit jeher gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, wie sinnvoll Eisanwendungen nach Verletzungen sind. Während Patienten nach operativen Eingriffen oder bei Schmerzen wie selbstverständlich nach etwas „zum Kühlen“ fragen, wissen Fachleute, dass es streng genommen keine Evidenz gibt, dass Kälte bei Schwellungen oder Schmerzen hilft. Um die Zusammenhänge zu verstehen, bietet es sich an, die Kryotherapie im Hinblick auf die Wundheilungsphasen zu betrachten.

Regeln wie das PECH-Schema empfehlen immer noch Eis als Erstintervention.

Übermäßige Schwellung als Folge der Kälte
Unmittelbar nach einer Verletzung beginnt die Entzündungsphase, in der zunächst die Gerinnungskaskade ausgelöst wird. Bereits hier kommt häufig, beispielsweise auf dem Sportplatz, Eis als Erstintervention zum Einsatz – so sieht es das PECH-Schema vor. Ziel ist es, unter anderem die Schwellung und gegebenenfalls eine Einblutung möglichst gering zu halten [1]. Es ist jedoch fraglich, ob man das damit tatsächlich erreicht. Der Körper reagiert auf die Kälte unmittelbar mit einer Vasokonstriktion. Sobald man die Kälte entfernt, ist der Körper bestrebt, das heruntergekühlte Gewebe wieder mit Nährstoffen zu versorgen. Somit leitet er eine reaktive Hyperämie, eine Vasodilatation, ein [2]. Es gelangt folglich mehr Blut ins verletzte Areal, als ursprünglich vorgesehen war. Und in der kurzen Zeit der Kryotherapie ist der Körper kaum in der Lage, eine entsprechende Stabilisation aufzubauen. Es ist also denkbar, dass die Schwellung sogar als Folge der Kryotherapie zunimmt.

Vasokonstriktion schafft der Körper alleine
Und für den positiven Effekt der Vasokonstriktion braucht es die Kälte auch nicht. Damit nicht zu viel Blut verloren geht, kommt es unter physiologischen Bedingungen ohnehin innerhalb weniger Minuten um die Schädigung herum zu einer Vasokonstriktion. Diese wird durch vasoaktive Substanzen aus den geschädigten Zellen, Hormonen und durch das vegetative Nervensystem initiiert. Um das umliegende Gewebe allerdings weiter ausreichend zu versorgen, kommt es in benachbarten Strukturen zu einer Vasodilatation. Außerdem steigern die intakten Gefäße ihre Permeabilität, wodurch mehr Blutplasma und Nährstoffe in das Interstitium übergehen können [3]. Dadurch entstehen die Symptome Rötung, Wärme und Schwellung. Diesen Prozess verursachen Prostaglandine, vasoaktive Substanzen aus den nun aktivierten Thrombozyten und Histamin aus den Stammzellen. Er dauert etwa drei bis sieben Tage und beseitigt Erreger und Blutgerinnsel. In dieser Zeit setzen sich auch Thrombozyten an den Wänden der geschädigten Zellen an und bilden größere Aggregate, um die Wunde zu verschließen, während sich darin ein dreidimensionales Netzwerk aus Thrombospondin, Fibronektin und Fibrinmolekülen bildet. Dieses Gerüst ist im Verlauf der Wundheilung eine Art Leitsystem für die an der Proliferation beteiligten Zellen – insbesondere für die Fibroblasten.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Mythos Kryotherapie – Väterchen Frost kann in Rente gehen

Aus der Zeitschrift physiopraxis 1/2018

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