• Studienergebnisse

     

Neuroreha

Studienergebnisse Mai 2020

  • Multiple Sklerose (MS): Training der Dorsalextensoren erhöht Gehgeschwindigkeit

    Ergebnis: Forscher verglichen, ob sich kontra- oder ipsilaterales Krafttraining auf kinematische und kinetische Parameter des Gangs bei Patienten mit rezidivierend-remittierender MS auswirkt. Sie wiesen 28 Personen mit MS (EDSS 2,0-5,5), mit einem Unterschied der Dorsalextensoren  ≥ 20% im Vergleich zur kontralateralen Seite und einer mäßigen Gangbeeinträchtigung (Gehgeschwindigkeit 0,70–0,94 m/s), zufällig einer von zwei Trainingsgruppen zu. Beide Gruppen trainierten über einen Zeitraum von 6 Wochen ihre Dorsalextensoren – die eine Gruppe ipsi-, die andere kontralateral. Die 3 Einheiten dauerten je 25 Minuten. Nach der Trainingsphase stieg die Muskelkraft in beiden Gruppen signifikant an (kontralateral + 29,5%; ipsilateral + 15,7%), ohne dass es einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Interventionen gab. Die Wissenschaftler fanden jedoch signifikante Veränderungen der Gehgeschwindigkeit (+16,5%) und der Schrittlänge (+6,0%) nach dem ipsilateralen Training. Auch wenn das kontralaterale Training die Asymmetrie nicht verschlechtert hat, legen die Ergebnisse nahe, dass Therapeuten kontralaterale Ansätze nicht sofort in Betracht ziehen sollten, wenn das Trainingsziel darin besteht, andere Ergebnisse wie Kraft und insbesondere die Gehgeschwindigkeit zu verbessern.

    Gait changes following direct versus contralateral strength training: a randomized controlled pilot study in individuals with multiple sclerosis
    Gait Posture 2020; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.02.017

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  • Schlaganfall: Vegetarische Ernährung in Taiwan senkt Risiko

    Ergebnis: Forscher untersuchten, wie eine vegetarische Ernährung die Schlaganfallinzidenz in 2 prospektiven Kohorten beeinflusst. Kohorte 1 aus der Tzu Chi Health Studie umfasste 5.050 Probanden, Kohorte 2 aus der Tzu Chi Vegetarian Studie 8.302. Vegetarier hatten weniger Vitamin B12 und mehr Folsäure und Homocystein als Nicht-Vegetarier. Die Vegetarier hatten damit im Vergleich  ein geringeres Risiko für einen allgemeinen, ischämischen und einen hämorrhagischen Schlaganfall. Die Wissenschaftler fassen zusammen, dass die vegetarische Ernährung in Taiwan mit einem geringeren Risiko für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle verbunden ist.

    Vegetarian diet and incidence of total, ischemic, and hemorrhagic stroke in 2 cohorts in Taiwan
    Neurology 2020 Mar; 94: e1112-e1121

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  • Multiple Sklerose (MS): Becken- und Rumpfabweichungen beim Gehen

    Ergebnis: Forscher stellten sich die Frage, ob die Becken- und Rumpfkinematik bei Patienten mit MS in Zusammenhang mit der Muskelfunktion und der Gehleistung steht. 20 Patienten mit MS (EDSS 1,5–5,5) und 10 Kontrollprobanden unterzogen sich einer dreidimensionalen Ganganalyse, Muskelfunktionstests (Hüft- und Rumpfkraft und -ausdauer) und Gehtests. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatte die MS-Gruppe sowohl für die stärkere als auch für die schwächere Seite eine signifikant größere Auslenkung des Rumpfes und des Beckens in der Sagittal- und eine geringere Auslenkung in der Frontalebene sowohl für die stärkere als auch für die schwächere Seite. Die Wissenschaftler empfehlen Therapeuten, die Kompensationen der Beckenbewegung zu analysieren, um die raum-zeitlichen Parameter und die Gehleistung bei Patienten mit MS zu verbessern.

    Trunk and pelvis movement compensation in people with multiple sclerosis: relationships to muscle function and gait performance outcomes
    Gait Posture 2020; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.03.006

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  • Schlaganfall: Zusammenhang zwischen Schultersubluxation und Prognose

    Ergebnis: Forscher untersuchten, ob eine Schultersubluxation mit anderen klinischen Merkmalen bei Patienten mit Hemiplegie nach Schlaganfall zusammenhängen. Sie rekrutierten 105 Patienten, deren Schlaganfall durchschnittlich 5,6 Wochen her war. 62% der Patienten wiesen eine Schultersubluxation auf. Es bestand eine negative Korrelation zwischen der Schulterabduktion und der Muskelkraft, der Motor-Assessment-Skala, der Flexion, Abduktion und Außenrotation, aber nicht zum Muskeltonus und Schmerz. Dieser Zusammenhang lässt die Autoren vermuten, dass Patienten mit Schultersubluxation eine eher schlechte motorische Rehabilitationsprognose aufweisen.

     

    Association between ultrasound assessment of glenohumeral subluxation and shoulder pain, muscle strength, active range of movement and upper limb function in people with stroke
    Eur J Physiother 2020; 22: 79-85


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  • Rückenmarksverletzung: Reorganisation des ZNS und Schmerzen – mögliche Ansatzpunkte für Physiotherapeuten

    Ergebnis: Schmerzen sind eines der Hauptsymptome im Zusammenhang mit einer Rückenmarkverletzung und können mit Veränderungen des ZNS verbunden sein. Deshalb führten die Autoren ein systematisches Review durch, um einen Überblick über dieses Thema zu geben. Es gibt moderate Hinweise auf eine beeinträchtigte elektroenzephalographische Funktion und Stoffwechselanomalien im Gyrus cinguli, Pars anterior, bei Patienten mit Schmerzen. Die Autoren fanden vorläufige Hinweise darauf, dass Patienten mit Schmerzen morphologische und funktionelle Veränderungen des somatosensorischen Kortex und Veränderungen des Metabolismus im Thalamus haben. Es gibt widersprüchliche Daten bezüglich der Beziehungen zwischen Läsionsmerkmalen und Schmerzen. Im Gegensatz dazu weisen Patienten ohne Schmerzen möglicherweise eine protektive Neuroplastizität auf. Weitere Studien sind erforderlich, um die Zusammenhänge zwischen Schmerz und Neuroplastizität bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen vollständig zu klären. Die aktuelle Evidenz könnte jedoch den Einsatz von Behandlungen durch Physiotherapeuten unterstützen, die auf die Plastizität des ZNS bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen abzielen.

     

    Central Nervous System Reorganization and Pain After Spinal Cord Injury: Possible Targets for Physical Therapy—A Systematic Review of Neuroimaging Studies
    Phys Ther 2020; doi: 10.1093/ptj/pzaa043

     

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Studienergebnisse April 2020

  • Demenz: Therapeutische Auswirkungen des Trainings bei älteren Patienten

    Ergebnis: Forscher untersuchten, ob Kraft- oder Ausdauertraining wesentlich mehr Vorteile im Hinblick auf die Aktivitäten des täglichen Lebens älterer Patienten mit Demenz bieten kann und bestimmten die Auswirkungen von Bewegung auf Kognition, Depression und biochemische Marker. In diesem RCT nahmen 80 Probanden teil, die Werte im Mini-Mental State-Test zwischen 15 und 26 hatten. Die Probanden führten zufällig ausgewählt 4 Wochen lang entweder ein Kraft- oder ein Ausdauertraining durch. Nach dem Trainingsprogramm verbesserten sich in den einzelnen Gruppen signifikant der Barthel-Index, der Mini-Mental-Test, das Montreal-Cognitive-Assessment und zwei biochemische Marker. Der Verbesserunggrad erreichte jedoch keinen signifikanten statistischen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die Forscher fassen zusammen, dass ein intensives vierwöchiges Übungsprogramm, sei es nun Kraft- oder Ausdauertraining, für ältere Patienten mit Demenz erhebliche Vorteile bringt.


    The Therapeutic Effects of Exercise Training on Elderly Patients with Dementia: A Randomized Controlled Trial
    Arch Phys Med Rehabil 2020; doi: 10.1016/j.apmr.2020.01.012

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  • Multiple Sklerose (MS): Todesursachen potenziell modifizierbar

    Ergebnis: Kanadische Wissenschaftler untersuchten die komplexen Ursachen, die zum Tod durch MS beitragen. Wenn MS auf der Sterbeurkunde erwähnt wurde (im Gegensatz zu nicht erwähnt), bestand eine größere Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Erkrankungen zum Tod beitrugen: Atemwegsinfektionen, Aspirationspneumonien, Harnwegsinfektionen, andere Infektionen einschließlich Sepsis und Hauterkrankungen. Todesfälle, die auf MS zurückführten, sind häufig durch Erkrankungen im Zusammenhang mit fortgeschrittener Behinderung und Immobilität verursacht. Interventionen, die die Häufigkeit oder den Schweregrad dieser Komplikationen verringern, könnten die Überlebenschancen bei MS verbessern.


    Multiple cause of death analysis in multiple sclerosis. A population-based study
    Neurology 2020; 94 (8): e820-e829

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  • Rollstuhlfahrer: Messung der körperlichen Aktivität mit Fragebögen und Aktivitätsuhren

    Ergebnis: Wissenschaftler suchten in ihrer systematischen Übersichtsarbeit nach Evidenz, um die Validität und Reliabilität von selbstberichteten und gerätegestützten Instrumenten zu bewerten, die die körperliche Aktivität von Rollstuhlfahrern nutzen. Sie fanden inPubMed, Embase und CINAHL 21 Studien. Der „Physical Activity Scale for Individuals with Disabilities (PASIPD)“ und der „Physical Activity Recall Assessment for People with Spinal Cord Injury (PARA-SCI)“ scheinen die vielversprechendsten selbstberichteten Tools zu sein, um die Intensität der körperlichen Aktivität zu messen. Gerätebasierte Instrumente, die sich sowohl für die Messung der Intensität als auch der Art der körperlichen Aktivität eignen, sind das GENEActiv (Beschleunigungsmesser als Armbanduhr), Actigraph GT3X+ (Aktivuhr), Actiheart (EKG- und Aktivitätsaufzeichnung) oder das Physical Activity Monitor System (PAMS -erfasst Bewegung). Sie alle zeigen eine mäßige Evidenz bei der Kriteriumsvalidität.


    Instruments Measuring Physical Activity in Individuals Who Use a Wheelchair: A Systematic Review of Measurement Properties
    Arch Phys Med Rehabil 2019; 19: 31122-0
     

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