• Tauziehen um Krankenkassengelder

     

Osteopathie - Stein des Anstoßes

TAUZIEHEN UM KRANKENKASSENGELDER: Gesetzliche Krankenkassen stehen in einem harten Wettbewerb. Über 50 von ihnen (mit mehr als 30 Millionen Versicherten) werben mit einer Kostenerstattung für Osteopathie. Sechs Behandlungen im Jahr à maximal 60 Euro sind sie bereit zu übernehmen. Was die Patienten freut, stößt auf harsche Kritik: bei Ärzten, Physiotherapeuten, aber auch den Osteopathen.

In einem offenen Brief wandte sich der Berufsverband der Rehabilitationsärzte Deutschlands und die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM) an die Techniker Krankenkasse und alle anderen Krankenkassen, die die Kosten für Osteopathie erstatten und erstatten wollen. „360 Euro entspricht in etwa der doppelten bis dreifachen Summe, die Vertragsärzte der Krankenkassen für 1 Jahr Behandlung des Bewegungssystems erhalten – einschließlich der qualitätsgesicherten Anwendung Manueller Medizin/Chirotherapie als Sachleistung der GKV“, ist zu lesen. „Dies geht zu Lasten der Basisversorgung und dient nur dem Marketing der Kassen zur Erzielung eines Wettbewerbsvorteils!“, lautet die Kritik. Zudem sei die Qualität nicht gesichert. „Die Fachgesellschaft DGMM entwickelt momentan mit dem Vorstand und dem Senat für ärztliche Fortbildung der Bundesärztekammer die Einführung einer umfassenden strukturierten curriculären ärztlichen Fortbildung ‚Osteopathische Verfahren‘. Damit sind die qualitativen und quantitativen Voraussetzungen für die ärztliche Abgabe osteopathischer Leistungen definiert. Das sollte durch die Kostenträger als Grundlage der Erstattungsfähigkeit osteopathischer Verfahren nicht nur für Ärzte herangezogen werden. Nur so können Kriterien der Qualitätssicherung für die Osteopathie als Ergänzung zur Manuellen Medizin entwickelt werden.“ Manche Kassen erstatten nur, wenn der osteopathischen Behandlung eine ärztliche Verordnung vorausgehe. Aus Sicht der beiden Verbände verstoße das gegen das SGBV, denn die Osteopathie sei als IGEL-Leistung zu werten. Die dürfe allerdings keine vertragsärztliche Verordnung erfordern. Am Ende des Briefes heißt es: „Der Bundesrechnungshof, das Bundesversicherungsamt, der G-BA und die Patientenbeauftragten werden aufgefordert, das Handeln der Kassen zu überprüfen und für die zweckmäßige und wirtschaftliche Verwendung der Gelder der Versichertengemeinschaft zu sorgen.“

Die Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie (ZVK), Ute Mattfeld, kommentiert die Erstattung der Osteopathie wie folgt: „Es ist ungerecht, dass diese Kassen beispielsweise für Manuelle Therapie nur zwischen 14 und 16 Euro bezahlen. Hier misst das System mit zweierlei Maß.“

Sechs von 17 Organisationen für Osteopathie äußerten sich in einem Positionspapier ebenfalls kritisch zur aktuellen Erstattungssituation. AFO, BAO, bvo, DVOM, ROD und VOD sehen die Patientensicherheit gefährdet. „Die Qualität der Osteopathiebehandlung sei nicht sichergestellt, wenn Krankenkassen von den behandelnden Osteopathen nur eine Verbandsmitgliedschaft oder die Erfüllung der Voraussetzung zur Mitgliedschaft fordern, da die Voraussetzungen der bis zu 17 von den gesetzlichen Kassen aufgelisteten Verbänden stark variieren. Viele Kassen verlangen zudem eine formlose Bescheinigung eines Arztes, bevor die Kosten erstattet werden. Damit wird die Osteopathie fälschlicherweise zu einem Heilmittel degradiert.“ Die Position der sechs Verbände lautet: „Wir sehen als einzige Lösung […] den Entwurf und die Etablierung eines Berufsgesetzes, welches die Ausbildung und Tätigkeit des Osteopathen im Sinne der Patientensicherheit regelt. Parallel dazu fordern wir die GKV auf, nur dann osteopathische Leistungen anteilig zu erstatten, wenn die Leistungserbringer über eine qualifizierte osteopathische Ausbildung verfügen. Um dies zu gewährleisten, bringen wir gerne unsere langjährige Erfahrung und Kompetenz in diesem Feld ein […].“ Vom VOD war zu hören, dass einige Krankenkassenvertreter den Vorschlag des Positionspapiers befürworten und eine Berufsanerkennung des Osteopathen als sinnvoll erachten. Aus der Politik kamen wenig Rückmeldungen.

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