• Gruppenbild

    Motivierte Helfer:Cornelia Barth (5. von rechts, stehend), umringt von ihrem einheimischen Team.

     
  • Rollstuhlfahrer machen Pause

    Reha mit Spaßfaktor: Innerhalb von drei Monaten ...

     
  • Rollstuhlfahrer beim Klatschen

    ... konnten die Patienten ihren Rollstuhl perfekt beherrschen.

     
  • Rollstuhlfahrer beim Basketballspiel

    Ein wichtiges Element dabei: der Sport.

     
  • Rollstuhlfaherin mit Kind

    Die Männer lieferten sich beim Sport einen Wettkampf. Die Frauen schauten lieber zu.

     
  • Rollstuhlfaher beim Spiel

    Lehrreicher Slalom: Beim Hindernisparcours meisterten die Patienten unebene Untergründe.

     
  • Rollstuehle werden repariert

    Marke Eigenbau: Spezialisten fertigten maßgeschneiderte Rollstühle.

     

Paralympics im Krisengebiet

QUERSCHNITTZENTRUM AUF SRI LANKA: Mehr als 25 Jahre herrschte ein Bürgerkrieg auf Sri Lanka, der zahlreiche Insulaner zu Opfern machte. Kurz nach Kriegsende führte eine Hilfsorganisation ein ungewöhnliches Projekt durch: Sie errichtete ein Querschnittzentrum. Zum Team gehörte Physiotherapeutin Cornelia Barth – ohne Vorkenntnisse im Querschnittbereich, aber mit einer großen Portion Motivation.

Als ich im August 2009 nach Sri Lanka kam, war der langjährige Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Sinalesen gerade mal drei Monate beendet. Die vielen Jahre des Aufstands hatten in der Bevölkerung tiefe Spuren hinterlassen. Viele Einheimische wurden vertrieben, obdachlos und verletzt. Bei meiner Ankunft lebten rund 280.000 tamilische Flüchtlinge im Camp vor den Toren der Stadt. Verschiedene Hilfsorganisationen waren während der Krisenzeit in Vavuniya vor Ort, der Stadt kurz unterhalb der Verteidigungslinie. Auch die Organisation, für die ich angereist war. Um der Patientenflut gerecht zu werden, hatte sie proviso-rische Stationen im Hinterhof des Pampaimadu Ayurvedic Hospitals errichtet.

Medizinische Behandlungen erhielten die Flüchtlinge im Allgemein-krankenhaus von Vavuniya, mit dem wir eng zusammenarbeiteten. War eine weitergehende Betreuung aufgrund von Komplikationen oder komplexer Krankheitsbilder notwendig, wurden sie in das Pampaimadu-Krankenhaus verlegt. Wir stellten fest, dass immer mehr Patienten mit Rückenmarkverletzungen eintrafen. Insgesamt benötigten rund 60 Querschnittgelähmte eine intensive Behand-lung, darunter zwei Schwangere und fünf Kinder. Es mangelte an fachkundiger Versorgung, Aufklärung und Hilfsmitteln.

Für die meisten war ein Schusswechsel, in den sie während des Bürgerkriegs geraten waren, der Grund ihrer Verletzung. Zu diesem Zeitpunkt bestand ihre einzige Perspektive nach dem Krankenhausaufenthalt darin, in ihre Zelte im Flüchtlingslager zurückzukehren und zu hoffen, die Regenzeit zu überstehen. Aufgrund der Tatsache, dass Querschnittgelähmte ohne adäquate Therapie kaum eine Chance hatten, in solch einer Region zu über-leben, beschlossen wir im Rahmen der Hilfsorganisation, eine multiprofessionelle Querschnittrehabilitation zu errichten. Wir wussten von Studien, dass Menschen mit einer Querschnitt-verletzung ohne ausreichende Therapie eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren haben. Dies ist auf lebensbedrohliche Komp-likationen wie Druckgeschwüre, Atemwegsinfektionen und Depressionen zurückzuführen. Mit einer Rehabilitation ist die Lebenserwartung jedoch nahezu gleich wie die von nichtbehinderten Menschen.

Der Kern unseres Teams bestand anfangs aus einer examinierten kongolesischen Krankenschwester, einem Psychologen und mir als Entsandte der Hilfsorganisation sowie einheimischen Kräften: sechs diplomierte Pfleger und fünf ungelernte Assistenten. Für drei Monate unterstützte uns auch eine Ärztin. Keiner von uns hatte zuvor Erfahrungen mit Querschnittverletzungen. Auch wenn ich als Neurophysiotherapeutin mit Hirnverletzten gearbeitet hatte, waren meine vorherigen Kenntnisse über Querschnitt-verletzungen kaum mehr als theoretisch.

Wir wussten nicht, welche Art von Hilfe wir anbieten konnten. Aber wir wussten, dass es keine Alternative gab. Würden wir die Flüchtlinge so in die Camps zurückschicken, würden sie das kaum überleben.

 

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