• Drei Affen

    Wie sehen nichts, wir hören nichts, wir sagen nichts – so kamen Physiotherapeuten den beiden Ärzten vor.

     

Peinliches Ergebnis

EIN KOMMENTAR ZUR ARZT-THERAPEUTEN-KOMMUNIKATION-STUDIE: Zwei Ärzte haben Physiotherapieverordnungen überprüft. Ergebnis: schlecht ausgefüllte Therapieberichte, keine Übungsanleitung für Patienten, hohe Forderung von Folgeverordnungen. Ein verheerendes Bild, findet Georg S.

Es ist bekannt, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Physio-therapeut oft nicht optimal und manchmal sogar katastrophal ist. Nun sind einige solcher Fälle publik geworden: Zwei Ärzte nahmen 264 Physiotherapieverordnungen unter die Lupe, die sie selbst ausgestellt hatten. Ihr Ergebnis: Kaum ein verwertbarer Therapie-bericht kam zurück, Aufforderungen zur Übungsanleitung kamen die Therapeuten nicht nach, und es gab enorm viele Forderungen nach Folgeverordnungen. Dietmar Göbel und Wolfgang Schultz veröffentlichten diese Daten in der „Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie“. Auflage: rund 2.000 Exemplare. Die Leser: Orthopäden und Unfallchirurgen.

Tiefschlag für moderne Physiotherapie
Ein solches Ergebnis ist katastrophal und mehr als peinlich für die involvierten Physiotherapeuten. Immerhin haben sie in nicht weniger als 87,5 % der Fälle gegen die Rahmenverträge mit den gesetzlichen Kassen verstoßen. Zudem verhindern sie den so wichtigen fachlichen Austausch mit dem Arzt, indem sie die erwünschte Rückmeldung schlichtweg ignorieren. Damit riskieren sie, dass Patienten durch widersprüchliche Aussagen von Arzt und Physiotherapeut verunsichert werden.

Leider machen Göbel und Schultz keinerlei Angaben darüber, ob sich bei den befragten Patienten eine Verbesserung eingestellt hat oder nicht. Anhand dieser Information ließe sich die fast 100% Nachforderungsquote besser interpretieren. Jede mögliche Interpretation wirft allerdings erneut ein schlechtes Licht auf die Therapeuten: Ginge es den Patienten besser, wäre die beschriebene „Nachforderungsseuche“ völlig widersinnig. Hätte sich deren Zustand nicht verändert, wäre es noch weniger zu verstehen, dass die Physiotherapeuten keine Rückmeldung gegeben haben, um die Behandlung eventuell mit dem Arzt abzusprechen und wenn möglich zu optimieren. Verantwortlicher Umgang mit Patienten sieht anders aus. Dass noch dazu nicht einmal ein einziger von 193 Patienten aktive Eigenübungen demonstrieren konnte, ist ein Tiefschlag für die moderne Physio-therapie. Denn damit treten die betroffenen Physiotherapeuten die Grundsätze effektiven Patienten-managements mit Füßen. Entweder herrscht in diesem Punkt mangelnde Einsicht in den unbestreitbaren Wert aktiver Übungsprogramme – oder den involvierten Therapeuten fehlt es schlicht an pädagogischem Know-how.

Doch nicht nur die Therapeutenseite muss man kritisieren. Denn der Ansatz der beiden Ärzte ist zwar richtig und lobenswert, doch sie schütten leider das Kind mit dem Bade aus.

 

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