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Rehabilitation am Lebensende

Physiotherapeuten, die mit Patienten mit neurologischen Erkrankungen arbeiten, finden sich immer wieder in Situationen, in denen auch das Sterben von Patienten möglich oder absehbar ist. Da Sterben nicht nur ein rein körperlicher Prozess ist, sondern auch mit vielen psychosozialen und auch spirituell-existenziellen Themen einhergeht, ein soziales Thema ist, An- und Zugehörige mit involviert sind und der Therapeut automatisch mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert wird, ist Grundlagenwissen zu Palliative Care für die klinische Entscheidungsfindung relevant. In diesem Artikel erhalten Leser einen Einblick in die Palliative Care, und anhand von ausgewählten Situationen und Symptomen wird die Umsetzung in der neurologischen Rehabilitation skizziert.

Palliative Care im Kontext neurologischer Rehabilitation

Die WHO definiert Palliative Care folgendermaßen:

„Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von PatientInnen und deren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen: durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, genaue Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“.

Aus dieser Definition lassen sich mehrere Aspekte ableiten, die auch in der neurologischen Rehabilitation bekannt sind: Es geht um die Verbesserung der Lebensqualität, sehr oft um das Miteinbeziehen des sozialen Systems und schließlich auch um die Berücksichtigung von vielen Dimensionen einer Erkrankung – und nicht nur rein um die körperliche Thematik. Genauso wie die Palliative Care bedient sich auch die Neurologie oftmals eines interdisziplinären Teams.

Diese Definition besagt auch, dass es generell um lebensbedrohliche Erkrankungen geht, oder, wie Radbruch  feststellen, um Patienten mit fortgeschrittenen und progredienten Erkrankungen, die eine begrenzte Lebenserwartung haben. Fälschlicherweise wird Palliative Care noch immer hauptsächlich mit Tumorerkrankungen assoziiert. Kardiorespiratorische Erkrankungen, Multimorbidität, chronische Krankheitsverläufe durch die zunehmende Lebenserwartung benötigen ebenso Palliativversorgung wie viele Patienten mit progredienten neurodegenerativen Erkrankungen (Morbus Parkinson, ALS, Multiple Sklerose, Demenz) oder Menschen mit schweren erworbenen Hirnschäden (Unresponsive Wakefulness Syndrome, Minimally Conscious State).

Die WHO-Definition geht auch auf den zeitlichen Aspekt des Einsatzes von Palliative Care ein. Es ist nicht möglich und wäre auch nicht sinnvoll, in absoluten Zahlen zu beschreiben, wie lange vor dem Tod Palliative Care beginnen soll. Erstens könnte eine genaue Zeitangabe immer nur retrospektiv, also wenn der Zeitpunkt des Todes bekannt ist, gestellt werden, und zum anderen sind Palliative Care und Kurativmedizin keine „Kontrahenten“, sondern im Prozess von schweren Erkrankungen Partner, bei denen einmal der eine Ansatz überwiegt, dann der andere, bis in der Regel am Ende des Lebens die Palliative Care im Vordergrund steht. Eine palliative Begleitung kann über Jahre dauern. Genau deswegen beschreibt die WHO auch den wichtigen Ansatz der Vorbeugung.

Das Einbeziehen von Palliativexperten in einer früheren Phase von Erkrankungen, die aber dennoch mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod führen werden, ist in der Therapieplanung wichtig. Gerade weil Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen in späteren Phasen des Lebens oft nicht mehr zu ihrer eigenen Situation und zum bevorstehenden Lebensende kommunizieren können, kommt diesem frühen Einsatz eine besondere Bedeutung zu.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Rehabilitation am Lebensende – Neurophysiotherapie meets Palliative Care 
aus der Zeitschrift neuroreha 04/2020

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