•  

Rehabilitation nach sportbedingten Gehirnerschütterungen

Sportbedingte Gehirnerschütterungen (Sport-Related Concussions, SRC) gehören zu den häufigsten Sportverletzungen, besonders bei Kontaktsportarten. Inzidenzdaten zu leichten Schädelhirntraumata (SHTs) sind nicht eindeutig feststellbar, da nicht alle leichten SHTs in Krankenhäusern behandelt werden.

In den USA wird jährlich etwa eine Million Patienten aufgrund von Hirnverletzungen in einer Notaufnahme behandelt. In über 80 Prozent dieser Fälle handelt es sich um leichte Verletzungen, z. B. eine Gehirnerschütterung. Prävalenzschätzungen für Gehirnerschütterungen, die in Notaufnahmen in Deutschland behandelt werden, liegen zwischen 40 000 und 120 000 jährlich. In Österreich wird laut der Österreichischen Gesellschaft für Schädelhirntraumata von etwa 800 SHTs pro 100 000 Personen ausgegangen. Das entspricht einer jährlichen Inzidenz von etwa 64 000 SHTs – etwa die Hälfte davon wird als leichtes SHT klassifiziert.

Eine SRC wird definiert als eine Verletzung, die durch einen direkten Schlag oder eine auf den Kopf übertragene Kraft verursacht wird, einem akuten Symptombeginn und einer Beeinträchtigung, die von kurzer Dauer ist und spontan abklingt. Typischerweise werden funktionelle, jedoch keine strukturellen Veränderungen beobachtet und eine Reihe von Symptomen, die sich in der Regel selbstständig und spontan auflösen. Eine Gehirnerschütterung führt in der Regel zu einem raschen Auftreten neurologischer Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel und Schläfrigkeit, die bei den meisten Patienten innerhalb von 10 bis 14 Tagen spontan abklingen. Dennoch erholen sich etwa 15 bis 35 Prozent innerhalb dieser Zeit nicht spontan. Halten die Symptome über diesen Zeitraum hinaus an und umfassen emotionale Störungen, Schlafstörungen sowie somatische und kognitive Symptome, handelt es sich um ein sogenanntes Post-concussion syndrome (Postkommotionelles Syndrom). Nach einer Gehirnerschütterung wird gemäß dem Protokoll für abgestufte Belastungssteigerung eine kognitive und körperliche Ruhephase empfohlen, bis die akuten Symptome abgeklungen sind, gefolgt von einer schrittweisen Rückkehr zur Aktivität. Die Symptome nach einer Gehirnerschütterung können jedoch erheblich variieren, es kann zusätzlich zu Verletzungen, beispielsweise der Halswirbelsäule (HWS) oder des peripheren Vestibularsystems kommen.

Bei Personen mit anhaltenden Symptomen von Schwindel, Nackenschmerzen und/oder Kopfschmerzen nach einer Gehirnerschütterung konnten in Studien Veränderungen des Gleichgewichts und der Funktionalität der HWS klinisch nachgewiesen werden. Die richtige Orientierung im Raum erfordert konsistente visuelle, vestibuläre und propriozeptive Reize. Eine Fehlfunktion der sensorischen Eingaben aus einem dieser Systeme kann zu Schwindel und/oder Gleichgewichtsdefiziten führen. Wenn die propriozeptiven Signale der oberen HWS verändert werden, kann die Orientierung im Raum verlangsamt oder unvollständig erfolgen. Die Behandlung der Funktionsstörung der HWS ist somit ein wichtiger Faktor zur positiven Beeinflussung von anhaltendem Schwindel und/oder Kopf- und Nackenschmerzen. Somit ist ein umfassender Therapieansatz notwendig, um die Symptome eines Post-concussion syndrome adäquat behandeln zu können. Der bislang empfohlene Ansatz der vollständigen Ruhe bis zur Symptomfreiheit wird inzwischen neu bewertet. Aufgrund der biomechanischen und neurophysiologischen Gewebebeeinflussung wird angenommen, dass manualtherapeutische Techniken bei Patienten mit persistierenden Symptomen nach SRC schmerzlindernd und funktionssteigernd wirken. Darunter werden gezielte Handgriffe von Physiotherapeuten verstanden, durch die Reize am muskuloskelettalen System des Patienten gesetzt werden, um Funktionsstörungen zu verbessern und positiv auf Schmerzmechanismen einzuwirken. Dazu zählen Mobilisationen der Wirbel-, Facetten- und Rippengelenke, Manipulationen, Traktionen, Weichteiltechniken wie Massage oder Dehnungen der umliegenden Muskulatur sowie Triggerpunktbehandlungen. Vestibuläre Behandlungsansätze haben bei Personen mit peripheren vestibulären Störungen nach SRC bereits positive Behandlungseffekte gezeigt.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Wirksamkeit manualtherapeutischer Techniken in Kombination mit vestibulärer Rehabilitation nach sportbedingten Gehirnerschütterungen – Eine systematische Übersichtsarbeit randomisiert kontrollierter Studien
aus der Zeitschrift physiosciene 04/2020

Newsletter Physiotherapie

  • Jetzt zum Newsletter anmelden und Paper sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und Sie erhalten als Dankeschön ein Paper zum Download.

Quelle

physioscience
physioscience

Wissenschaft & Forschung in der Physiotherapie

EUR [D] 83,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Rehabilitation von Sportverletzungen
Arjen van Duijn, Johannes Ariaan OverbergRehabilitation von Sportverletzungen

Sportreha-Fälle aus der evidenzbasierten Praxis

EUR [D] 89,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Physiotherapie bei Kopfschmerzen und Migräne
Kerstin Lüdtke, Benjamin SchäferPhysiotherapie bei Kopfschmerzen und Migräne

EUR [D] 51,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Screening in der Physiotherapie
Kerstin LüdtkeScreening in der Physiotherapie

Das Flaggen-System - Warnsignale erkennen

EUR [D] 64,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen