• Beim Untersuchungsprozess kommt häufig der SLR zum Einsatz. Er ist einer der meistverwendeten Tests zur Beurteilung lumbosakraler Nervenwurzelirritationen, wie sie unter anderem durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden können.

     

Straight-Leg-Raise-Test

Beschwerden des unteren Rückens haben eine Lebenszeitprävalenz von 75 – 85 %. Damit handelt es sich um die am häufigsten auftretenden Beschwerden bei Patienten unter 45 Jahren. Neben einer Vielzahl anderer Assessments kommt beim Untersuchungsprozess häufig der SLR zum Einsatz. Er ist einer der meistverwendeten Tests zur Beurteilung lumbosakraler Nervenwurzelirritationen, wie sie unter anderem durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden können.

Nach Nee und Butler deutet ein positiver Test auf eine Steigerung der Mechanosensitivität hin, lässt aber keine Rückschlüsse auf den Ort der Läsion im Nervensystem zu. Die Validität des SLR wurde oft mittels des Goldstandard Magnetresonanztomografie (MRT) auf Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls überprüft. Dabei schwanken die angegebenen Werte zur Validität sehr stark. Für die Sensitivität liegen Werte zwischen 0,15 und 0,95 und für die Spezifität zwischen 0,14 und 0,95 vor. Es ist zu berücksichtigen, dass Studien zur Validität des SLR im physiotherapeutischen Setting fehlen und lediglich ärztliche Diagnosen (Bandscheibenvorfall) verwendet wurden.

Neben der Validität stellt die Fähigkeit von Messinstrumenten, eine Veränderung über die Zeit feststellen zu können (Änderungssensitivität), ein wichtiges Gütekriterium dar. Da der SLR häufig zum Wiederbefund oder als Endpunkt der physiotherapeutischen Intervention benutzt wird, sollte nach Meinung der Autoren dessen Änderungssensitivität und MCIC bekannt sein.

Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, ob Veränderungen des SLR mit Veränderungen anderer, krankheitsbezogener Merkmale einhergehen. Dies soll Aufschluss über die Diskriminationsfähigkeit des SLR geben. Weiterhin sollte festgestellt werden, wie groß eine Veränderung sein muss, um von den Patienten als wichtige Veränderung im individuellen Beschwerdebild wahrgenommen zu werden (Patient-reported outcome measures, PRO).

Studiendesign und methodisches Vorgehen

Zur Bestimmung der Änderungssensitivität wurde ein longitudinales Prä-post-Design mit 2 Messzeitpunkten (t1, t2) und Außenkriterium gewählt. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, die errechnete Probandenzahl von N = 34 (ausgehend von einem 2-seitigen t-Test, einem Mittelwert der Differenz zwischen den Gruppen von 10 ± 10, beruhend auf der Annahme der Autoren, dass diese Differenz in einem klinischen Setting sicher zu messen sei und einem Alpha von 0,05 bzw. einem Beta von 0,8) zu erreichen, entschieden sich die Autoren für ein multizentrisches Vorgehen. Für die beiden Messzeitpunkte wurde basierend auf den klinischen Erfahrungen der Autoren über die mittlere Verweildauer von Patienten mit subakuten/akuten LBP in einer Praxis und zur Minimierung der Drop-out-Rate ein Abstand von 4 – 5 Wochen bestimmt. Dabei fanden folgende Messungen statt: SLR, visuelle Analogskala (VAS) und Roland Morris Disability Questionnaire (RMDQ). In der Zwischenzeit wurden die Probanden physiotherapeutisch behandelt.

Zum Messzeitpunkt t2 wurde zusätzlich der Global-Rating-of-Change-Wert (GROC) erhoben. Dieser dient neben VAS und RMDQ als primäres Außenkriterium, d. h. als SLR-unabhängiges Messinstrument, um eine klinisch relevante Veränderung der subjektiv empfundenen Gesundheit festzustellen. Bei Probanden mit einem GROC größer 2 wurde von einer klinisch relevanten Verbesserung des empfundenen Gesundheitszustands ausgegangen, während ein GROC zwischen + 2 und –2 keine Veränderung bedeutete. GROC-Werte kleiner als –2 deuten auf eine klinisch relevante Verschlechterung hin. Diese Außenkriterien dienten dazu, die Probanden in Subgruppen mit und ohne klinisch relevante Veränderung einzuteilen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Können Physiotherapeuten klinisch relevante Veränderungen des Straight-Leg-Raise-Tests bei Probanden mit subakuten/akuten Beschwerden feststellen?

Aus der Zeitschrift physioscience 04/2017

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