• Osteopathie ist in Deutschland ein umstrittenes Feld und sorgt immer wieder für Gesprächsstoff.

     
  • Physiopraxis hat Statements von der IFK, der DGGM, der VOD und BAO sowie der Osteopathie Schule Deutschland eingeholt.

     

Tauziehen um Osteopathie

AUF VERORDNUNG DES ARZTES UND EINE KASSENLEISTUNG?: Die Verbände IFK und DGMM fordern in einer gemeinsamen Pressemitteilung, dass die Osteopathie in den Leistungsbe-reich der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wird und eine verordnungsfähige Leistung werden soll. Gleichzeitig sind beide für eine bundesweit einheitliche Re-gelung, wer osteopathisch behandeln darf. Sie plädieren dafür, die Osteopathie-Weiterbildung auf die Zertifikatswei-terbildung in Manueller Therapie aufzubauen. Beides zusam-men soll mindestens 700 Stunden dauern. physiopraxis hat dazu an unterschiedlichen Stellen Statements eingeholt.

Position: osteopathische Physiotherapie
Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e.V. geht davon aus, dass Physiotherapeuten selbstverständlich prä-destiniert sind, osteopathisch tätig zu sein. Weltweit gibt es keine einheitliche Lösung für die Leistungsabgabe, und in Deutschland besteht keine Lücke in der Patientenversorgung, die einen neuen Beruf Osteopath rechtfertigt. Es gibt allerdings einen Bedarf der Patienten für eine bessere Versorgung mit osteopathischer Thera-pie. Um national ein hohes Weiterbildungsniveau garantieren zu können, sollte die Weiterbildung zum osteopathischen Physiothe-rapeuten auf der Basis eines eigenständigen Curriculums nach WHO-Standards erfolgen. Außerdem sollte die Abgabe osteopathi-scher Techniken für osteopathische Physiotherapeuten im Rahmen des Direct Access möglich sein. So liegen die Vorteile in der Ga-rantie höchster Versorgungsqualität, wenn es eine bundesweit koordinierte, gesetzliche Weiterbildungsstruktur gibt und mittel-fristig eine eigenständige Leistungsposition für osteopathische Physiotherapie. Das sichert die Leistung und einen adäquaten Behandlungsumfang zum Wohl der Patienten ab.

Ute Repschläger,
Vorstandsvorsitzende des IFK

Osteopath – ein eigenständiger Beruf
Eine bundesweite Regelung für die Osteopathie ist sinnvoll. Sie wird bereits seit langem von osteopathischen Verbänden gefor-dert. Die Initiative von DGMM und IFK ist aus vielerlei Sicht kri-tisch anzusehen: Osteopathie ist nicht eine Ansammlung von Techniken oder erweiterte Physiotherapie, sondern ein eigenstän-diger Beruf mit einer eigenen Tradition, eigenen Werten und philo-sophischen Konzepten. Kenntnisse dafür werden in grundlegenden Studiengängen oder bei medizinischer Vorbildung in Teilzeitstudi-engängen gelehrt. Der vorgeschlagene Weiterbildungsumfang von 700 Stunden ist weit davon entfernt, die diagnostischen und therapeutischen Grundlagen angemessen lehren zu können. Es handelt sich bei der Osteopathie nicht primär um eine Behandlung von Krankheitsbildern wie in der Manuellen Therapie, sondern sie geht weit darüber hinaus und ist auf die Wiederherstellung von Heilungspotenzial im Organismus ausge-richtet. Osteopathie sollte kein Heilhilfsberuf, sondern ein eigenständiger Beruf mit Primärkon-takt sein wie in Frankreich, England, Schweden etc. Dies ist auf Basis von 350 h Manueller Therapie plus 350 h Weiterbildung weder qualitativ möglich noch wäre dadurch die Patientensicher-heit gewährleistet.

Cristian Ciranna-Raab, MSc Osteopath,
Co-Direktor der Osteopathie Schule Deutschland

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