• Die roboterassistierte Gangtherapie sowie die roboterassistierte Armtherapie haben sich zu einem festen Bestandteil der neurologischen Rehabilitation etabliert.

     

Therapie mit elektromechanisch-assistierten Geräten

Die roboterassistierte Gangtherapie sowie die roboterassistierte Armtherapie haben sich zu einem festen Bestandteil der neurologischen Rehabilitation etabliert. Sie sind für die Therapeuten entlastende und für Patienten sichere Therapieformen. Darüber hinaus handelt es sich um effektive Methoden in der Physiotherapie, um das Gehen nach einem Schlaganfall wiederzuerlernen und die Armfunktionen zu verbessern. Das Erfolgsrezept dafür liegt vermutlich in der hohen Wiederholungszahl und der intensiven und aktiven physischen Beanspruchung des Patienten.

Beim Thema aktive Beanspruchung gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden gängigen Systemen zur roboterassistierten Gangtherapie (RAGT), dem Endeffektor und dem Exoskelett. Während das Exoskelett z. B. die Kniestreckung innerhalb der Standbeinphase vollständig übernimmt, muss der Patient bei einem Endeffektorsystem die Bewegung aktiv selbst durchführen. Vor allem ein Training mit Endeffektorsystemen erscheint, laut einem aktuellen Cochrane-Review von 2017, im Vergleich zu Exoskeletten, zumindest in Bezug auf Gehgeschwindigkeit und Gangausdauer, effektiver.

Eine höhere Eigenaktivität des Patienten innerhalb einer RAGT kann daher durchaus sinnvoll sein. Näher erläutert hat der Roboter die Aufgabe, das Gehen zu simulieren, während der Patient versucht, diesen Prozess aktiv zu übernehmen. Jedoch ist es teilweise eine Herausforderung, die Konzentration des Patienten während der RAGT stets auf das aktive Gehen zu lenken. Hier können Vorstellungsbilder wie Wandern oder auch Musik während des Trainings die Freude am Üben erhalten, was sich förderlich auf das motorische Lernen auswirkt. Weiterhin unterstützt ein externer Fokus innerhalb der Aufgabenstellung die Bewegungsoptimierung und die Konzentration. Denn je intensiver die Gehbewegung aktiv wiederholt wird, desto eher ist es wahrscheinlich, dass der Patient gehen lernt.

Wer profitiert von der roboterassistierten Gangtherapie?

Schlaganfall: Das Training mittels Roboter ist vor allem für Patienten nach einem Schlaganfall geeignet. Bei keinem anderen neurologischen Krankheitsbild wurden die Effekte der RAGT so deutlich und häufig durch klinische Studien untersucht und belegt. Effektiv ist das Training jedoch vor allem, wenn der Patient nach einem Schlaganfall noch nicht selbstständig gehen kann (Functional Ambulation Categories 0–2) und wenn innerhalb der ersten drei Monate nach dem Akutereignis geübt wird.

Multiple Sklerose: Weiterhin konnte eine kleine Pilotstudie, in der Patienten mit Multipler Sklerose (Expanded Disability Status Scale 6–7,5) mittels RAGT trainierten, positive Effekte auf die Gehgeschwindigkeit, die Ausdauer und die Kniestreckung ermitteln.

Parkinson-Erkrankung: Zur Verbesserung der Gehgeschwindigkeit und Balance kann auch bei Patienten mit Morbus Parkinson (Hoehn-und-Yahr-Skala 1–4) der Gangroboter mit hoher Gehgeschwindigkeit zum Einsatz kommen. Jedoch ist die schnelle Laufbandtherapie für die Optimierung des Ganges bei Morbus Parkinson vorzuziehen [8]. Der Fokus in der Gangtherapie von Patienten mit Parkinson liegt nicht auf dem Lernen einer Bewegung durch eine hohe Wiederholungszahl, sondern eher auf dem Üben mit hoher Geschwindigkeit und vergrößerter Bewegungsamplitude. Die Laufbandtherapie bietet für Patienten mit Morbus Parkinson ein Training mit höherer Gehgeschwindigkeit und mit einer vergrößerten Schrittlänge. Zwei wesentliche Therapiefaktoren, die innerhalb der RAGT stark begrenzt sind.

Infantile Zerebralparese: Weiterhin können auch Kinder mit Zerebralparese (Gross Motor Function Level 1–4) von der RAGT profitieren. In den dazu durchgeführten kleineren Studien konnten deutliche Effekte auf Gehgeschwindigkeit und Ausdauer ermittelt werden. Interessanterweise scheint hier ein erschwerendes Gehtraining (Gehen gegen Widerstände mittels Roboter) effektiver zu sein als ein assistierendes RAGT, um eine Verbesserung des Gehens zu erreichen.

Querschnittläsion: Im Gegensatz dazu profitieren Patienten mit Querschnittläsion nicht unbedingt von der RAGT. Es ist bislang noch relativ unklar, ob eine rein konventionelle Gangtherapie nicht mindestens genauso bedeutende Effekte auf das Gehen erzielt wie RAGT.

Es kann also geschlussfolgert werden, dass eine RAGT v. a. bei Patienten, die akut oder subakut vom Schlaganfall betroffen sind und nicht selbstständig gehen können, angewandt werden sollte. Kleinere Studien zeigen ebenfalls Effekte bei Patienten mit Multipler Sklerose und Kindern mit Infantiler Zerebralparese, die leichte bis deutliche Geheinschränkungen aufweisen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Therapie mit elektromechanisch-assistierten Geräten: Tipps und Tricks für die praktische Umsetzung

Aus der Zeitschrift neuroreha 04/2017

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