• Multiple Sklerose

     

Multiple Sklerose 2019 – Update zu Diagnostik und Therapie

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche und neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), deren Pathogenese in einer fehlgeleiteten Immunreaktion autoreaktiver Zellen gegenüber Myelin und Axonen gesehen wird. Nach dem derzeitigen Wissensstand wird diese autoimmune Reaktion sowohl durch genetische als auch durch Umweltfaktoren modifiziert, was schließlich zur Markscheidenschädigung (Demyelinisierung) und axonalen Degeneration führt. Zwar sind die zugrunde liegenden Ursachen weiterhin unbekannt. Die umfangreichen Forschungsbemühungen der letzten Jahre haben aber zu wichtigen Erkenntnissen im Hinblick auf Epidemiologie und Diagnostik geführt und neue (immunologische) Therapieansätze ergeben.

Lange Zeit ging man davon aus, dass in Deutschland etwa 120 000–140 000 Menschen von einer MS betroffen sind, das entspricht einer Prävalenz von 0,15 % (oder 150 pro 100 000). Diese Häufigkeit wurde erstmals 2014 infrage gestellt, als Petersen et al. auf der Grundlage von Daten des Bundesversicherungsamtes eine Zahl von 199 505 allein für den GKV-Bereich ermittelten. Unter Berücksichtigung der Gesamtpopulation errechnen sich damit 237 800 MS-Betroffene in Deutschland (0,29 %). Nachfolgende Auswertungen kommen sogar zu noch höheren Fallzahlen: So lassen GKV-Abrechnungsdaten eine Prävalenz von 0,30–0,31 % vermuten, sodass wahrscheinlich mehr als 250 000 Menschen in Deutschland an einer MS leiden dürften. Die Gründe für diesen rasanten Anstieg sind nicht klar, hier spielen wohl mehrere Faktoren eine Rolle. Neben einer tatsächlichen Erhöhung der Prävalenz scheinen auch die im zeitlichen Verlauf gestiegene Lebenserwartung und vor allem die frühzeitigere Diagnosestellung (siehe unten) verantwortlich zu sein.

Diagnose der MS

Das Grundprinzip der Diagnose „MS“ beruht auf der Dissemination in Ort und Zeit, das heißt, es muss nachgewiesen werden, dass neurologische Symptome und Befunde zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an verschiedenen Stellen des ZNS aufgetreten sind.

Poser-Kriterien Demzufolge forderten die lange Zeit gebräuchlichen „Poser-Kriterien“ für eine „klinisch sichere MS“ zwei Schübe mit Symptomen, die sich zwei unterschiedlichen Orten des ZNS zuordnen lassen. Die Ergebnisse der Zusatzuntersuchungen konnten zwar als sog. „paraklinische“ Befunde hinzugezogen werden, die Rolle der MRT war jedoch nicht klar definiert.

McDonald-Kriterien Mit steigender Erkenntnis über den prädiktiven Wert der MRT wurden 2001 neue Kriterien erstellt, die der MRT (zu Recht) stärkere Bedeutung zumaßen. Diese „McDonald“-Kriterien hielten rasch Einzug in den klinischen Alltag und erlaubten eine wesentlich frühere Diagnosestellung als die bisherigen Kriterien. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden die Kriterien mittlerweile zweimal revidiert, zuletzt 2017. Insbesondere die letzte Revision hat die Diagnosestellung vereinfacht, da die Unterscheidung zwischen symptomatischen und asymptomatischen Läsionen entfallen ist. Zudem können nun auch kortikale Herde für das Kriterium der räumlichen Dissemination gewertet werden, und der Liquorbefund hat mit dem Nachweis oligoklonaler Banden wieder an Bedeutung gewonnen, auch für die Diagnose der schubförmigen MS. Nach wie vor gültig bleibt aber der Hinweis (der oftmals übersehen wird), dass „keine andere, bessere Diagnose als MS“ bestehen sollte, die MS also eine Ausschlussdiagnose darstellt.

Neben der Möglichkeit einer raschen und verlässlichen Diagnosestellung mithilfe der neuen Diagnosekriterien (und damit der Möglichkeit eines frühen Therapiebeginns) soll ein weiterer Aspekt bei deren Entwicklung nicht unerwähnt bleiben: Während in den 18 Jahren von 1983–2001 die Poser-Kriterien unverändert in Gebrauch waren, sind die McDonald-Kriterien seit 2001 in dem nachfolgenden, gleichen Zeitraum bereits dreimal revidiert worden. Da die Revisionen auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhten, unterstreicht dies eindrucksvoll den Zuwachs unseres Wissens über die MS in den letzten Jahren.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Multiple Sklerose 2019 – Update zu Diagnostik und Therapie

Aus der Zeitschrift: neuroreha 04/2019

Call to Action Icon
neuroreha kostenlos testen ... und ausführlich kennenlernen!

Newsletter Physiotherapie

Quelle

neuroreha
neuroreha

verbindet Forschung und Therapie

EUR [D] 80,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Neuroreha bei Multipler Sklerose
Sabine Lamprecht, Hans LamprechtNeuroreha bei Multipler Sklerose

Therapie - Sport - Selbsthilfe

EUR [D] 69,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Muskuloskelettale Physiotherapie
Martin Verra, Peter OeschMuskuloskelettale Physiotherapie

23 Fälle aus der evidenzbasierten Praxis

EUR [D] 89,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Biomechanik in Osteopathischer und Manueller Medizin
Edgar Hinkelthein, Arndt WeitendorffBiomechanik in Osteopathischer und Manueller Medizin

Physiologie - Dysfunktion - Behandlung

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.