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Veränderungen in der neurologischen (Früh-)Rehabilitation

„Panta rhei – alles fließt“, lautet der bekannte Aphorismus, der seit Jahrtausenden die fortwährenden Veränderungsprozesse unserer Welt in der kürzestmöglichen Formel komprimiert. Die Medizin, von den Grundlagenwissenschaften bis zur klinischen Behandlung, unterliegt diesem Wandel in Form kontinuierlicher Weiterentwicklung in besonderem Maße. Die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation (NNFR) ist dabei einer der Fachbereiche, der in jüngerer Zeit besonders fundamentalen Veränderungen unterworfen war.

Allein ein Blick auf die Bettenentwicklung verdeutlicht dies: Im Jahr 2000 existierten etwa 1100 Rehabilitationskliniken mit ca. 144 000 Betten. Davon waren weniger als 15 000 für die Neurologische Rehabilitation, weniger als 1000 Betten für die NNFR und weniger als 100 für beatmete Patienten vorgesehen. 2020 verfügen genauso viele Rehabilitationseinrichtungen über etwa 164 000 Betten, jetzt allerdings mit ca. 20 000 Betten in der Neurorehabilitation. 5000 Betten sind in der NNFR verortet, davon ca. 1000 Betten mit Patienten zur Beatmungsentwöhnung (Weaning) belegt. Die letzten 20 Jahre haben der NNFR also einen Zuwachs von 500 % an belegten Betten und ca. 1000 % Beatmungsbetten beschert. Ist das rechnerisches Kalkül oder tatsächlicher Bedarf? Und vor allem: Was hat sich darüber hinaus noch alles verändert?

Der folgende Artikel kann nicht alle Aspekte zurückliegender und kommender Veränderungen in der NNFR im Detail beleuchten, sondern muss sich aus Platzgründen auf die wichtigsten beschränken. Die vom Autor vorgenommene Auswahl ist zweifellos subjektiv, zeigt jedoch einerseits die großen Herausforderungen in der gegenwärtigen Zeit, andererseits aber auch Chancen für die Zukunft. Die wichtigsten Aspekte wurden nach Veränderungen der „Medizin“, der „Hygiene“ und der „Gesundheitspolitik und -ökonomie“ kategorisiert.

Veränderungen durch neurologisch fachspezifische Entwicklungen

Änderungen des Diagnosespektrums und der Fallschwere

Zur vergleichenden Analyse, wie sich in den zurückliegenden Jahren Rehabilitationsdiagnosen und/oder die Fallschwere verändert haben, eignen sich 2 multizentrische Langzeitverlaufsstudien aus deutschen NNFR-Kliniken: 2002 wurden 1280 Patienten eingeschlossen, 2014 insgesamt 784 Patienten. Zu den Top-5-Diagnosen in der NNFR zählen in beiden Erhebungen unverändert der ischämische Schlaganfall (30,2 % vs. 31,7 % aller Patienten), die intrakranielle Blutung (15,2 % vs. 14,9 %), das Schädel-Hirn-Trauma (16,1 % vs. 11,5 %) und die hypoxische Hirnschädigung (9,9 % vs. 6,2 %). Am zweithäufigsten ist 2014 jedoch mit 17,1 % die Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP), also ein Krankheitsbild, das 2002 noch nicht vertreten war.

Auch wenn dies in den Studien nicht explizit untersucht wurde, weisen diese meist von Intensivstationen verlegten Patienten eine ausgeprägte Multimorbidität auf, die Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten in der NNFR gleichermaßen die Rehabilitation erschweren. Die Case-Mix-Indizes (CMI) als Indikatoren der Multimorbidität sind in Frührehabilitationskliniken außergewöhnlich hoch, insbesondere wenn Patienten noch beatmet werden. Unter den Top-10-Kliniken mit der höchsten Fallschwere des Krankenhaus-Reports finden sich seit Jahren ausschließlich spezialisierte Zentren aus der Herzchirurgie und der NNFR.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Wegweisende Veränderungen in der neurologischen (Früh-)Rehabilitation
aus der Zeitschrift neuroreha 04/2020

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