• Praxiszulassung 1

    Babyphone statt Fahrradhupe – wie fandest Du das?

     
  • Praxiszulassung 3

    Wie hast du die Praxiszulassung erlebt?

     
  • Praxiszulassung 2

    Deine Reaktion, als du merktest, dass Hocker und Keulen fehlen?

     
  • Praxiszulassung 4

    Jetzt darfst du Ikea danken.

     

Wenn der Kassenprüfer klingelt

PRAXISZULASSUNG: Geschichten von Praxiszulassungen durch die gesetzlichen Krankenkassen sind die „running gags“ in der Physiotherapie. Lustig für Außenstehende, befremdlich, wenn man selbst davon betroffen ist. Sebastian Klien hatte neulich einen Prüfer im Haus …

Eine physiotherapeutische Praxis zu eröffnen ist - im Vergleich zu den Regularien der Ärzte durch die Kassenärztliche Vereinigung - scheinbar recht einfach: Man braucht keine Berufserfahrung mehr, sondern nur ein paar Gerätschaften und Praxisräume, die die Vorgaben der gesetzlichen Kassen erfüllen. Unterm Strich eigentlich kein Hexenwerk. Vor allem, wenn man sich, so wie ich, nicht mit den Minimalanforderungen zufrieden gibt, sondern mit seiner Praxis neue Maßstäbe setzen will: Schlicht und elegant soll sie sein, eine edle Note haben und sich dadurch optisch von der beachtlichen Konkurrenz abheben. Dazu brauchte ich einen ordentlichen Kredit, einen Architekten, einen Innenraumdesigner und schlichtschickes Mobiliar. Was ich nicht auf meiner Mögliche-Probleme-Liste hatte, war der letzte Akt: die Abnahme durch den Vertreter der Krankenkassen.

Kreuze und Haken
Als der Kassenprüfer die Praxistür öffnete, hätte ich mir normaler-weise gesagt: Wird nicht so schlimm werden. Herr Weber, der eigentlich anders heißt, war ein etwas dicklicher, mittelalter Herr, seine Kleidung so auffällig wie die eines Zivilfahnders, sein Gesichtsausdruck ebenso. Doch bereits bei der Terminverein-barung hatte er sich als arbeitsintensiver Zeitgenosse geoutet, mit dem ich bis zum fixen Datum mehr E-Mails schreiben musste als damals bei der Kündigung meines Telekom-Anschlusses. Mit einem lockeren „Dann wollen wir mal loslegen“ zückte Herr Weber seinen Zollstock und entfaltete eine Abhakliste, die den gleichen Umfang hatte wie das Alte Testament. Zunächst erfasste er die Deckenhöhe - erstes Kreuz. Dann Waschbecken, Toiletten, Behandlungsräume - Kreuz, Kreuz, Kreuz.

Nun kam der 1. Haken: Im Ruheraum fehlte die vorgeschriebene elektrische Notfallklingel. Ich wies Herrn Weber darauf hin, dass die neben der Bank stehende massive Fahrradhupe wohl aus-reichen sollte, um bei drohendem Fangotod auf sich aufmerksam zu machen - zumal wir ein trainingsorientiertes Studio und keine physikalische Einrichtung sein wollen. Doch Vorschrift ist Vorschrift. Sichtlich nach einem guten Grund für sein Veto suchend behauptete der Prüfer schließlich, die Hupe werde sicher als Fahrzeughupe eines vor der Praxis vorbeifahrenden Autos fehlinterpretiert werden. Dass ihm diese fadenscheinige Argumentation offenbar sogar selbst peinlich war, beruhigte mich zwar, änderte jedoch nichts am eigentlichen Problem. Nun war ich froh wie selten, dass mein Nachwuchs dem Kleinkindalter entwachsen ist: Das ausrangierte Babyphone mit 100 Luftlinien-metern Reichweite akzeptierte der Prüfer stillschweigend als Alternative.

 

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