• Knowledge Translation

    Inzwischen wird viel geforscht in der Physiotherapie. Damit die wissenschaftlichen Ergebnisse auch beim Patienten ankommen, braucht es einen, der die unterschiedlichen Zugpferde in die richtige Richtung lenkt.

     

Wissenschaft braucht Kutscher

DAMIT FORSCHUNG BEIM PATIENTEN ANKOMMT: Wissen-schaft, die nicht in der Praxis umgesetzt wird, bringt nichts. Die deutsche Physiotherapie steht vor der Aufgabe, feste Strukturen aufzubauen, die evidenzbasierte Methoden in der Praxis gewährleisten. Dafür müssen alle Beteiligten des Systems zusammenarbeiten.

Viele physiotherapeutische Einrichtungen versichern, dass sie sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Das dürfen Patienten auch zu Recht erwarten. Forscher tragen ihren Teil dazu bei: Jährlich steigt die Zahl an wissenschaftlichen Publi-kationen. In der Datenbank PEDro kamen im Jahr 2011 über 1.100 neue Artikel, Guidelines und Studien hinzu. Etwa 20.000 Studien sind dort aktuell gelistet.

Setzen die Praktiker die neuen Erkenntnisse tatsächlich in der Praxis um? Nicht immer. Zum Beispiel in der Therapie nach Schlag-anfall: Mehrere hochwertige Forschungsarbeiten haben das Fazit gezogen, dass es machbar und sicher ist, Patienten nach einem Schlaganfall frühzeitig zu mobilisieren. Sie vermuten zudem, dass eine früh beginnende Therapie weitreichende positive Effekte auf den Funktionsrückgewinn sowie die psychische Situation der Patienten hat. In Deutschland halten sich Therapeuten aktuell jedoch an die Richtlinie, Patienten in der Frühphase eher vorsich-tig und zurückhaltend zu behandeln - verheerend, denn dadurch verstreicht möglicherweise wertvolle Zeit.

Viele Akteure, keine Zusammenarbeit
Konsequenterweise befassen sich Wissenschaftler auch mit der Frage, wie man das Problem des ungenutzten Wissens lösen könnte. Im Jahr 2007 veröffentlichte zum Beispiel Pimjai Sudsawad vom amerikanischen Bildungsministerium einen großen Bericht. In ihm analysierte sie die Komplexität des Wissenstransfers, um die Mechanismen zu verstehen und effektive Strategien ableiten zu können. Diese Weiterentwicklung der evidenzbasierten Medizin nennt sich „Knowledge Translation“, kurz KT. Vereinfacht ausge-drückt ist damit „die Interaktion zwischen Forschern und Wissens-anwendern und der damit verbundene Prozess des Austauschs und der praktischen Anwendung von Wissen“ gemeint.

Der Prozess ist deswegen komplex und schwer zu steuern, weil an ihm viele Akteure an verschiedenen Schnittstellen beteiligt sind. In der Physiotherapie sind dies Forscher, Ausbildende in Schulen, Lehre und Weiterbildung, Wissensanwender in der Praxis, Arbeit-geber, Verbände, Gesundheitspolitiker sowie Kostenträger. Nur wenn alle Akteure multidirektional miteinander kommunizieren und an den Schnittstellen eng zusammenarbeiten, ist gewährleistet, dass neues Wissen am Patienten ankommt. Dafür muss sich jedoch noch vieles ändern.

 

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