• Zervikogener Kopfschmerz: Wo geht es lang? Was stimmt, was stimmt nicht?

     

Zervikogene Kopfschmerzen: Diagnosekriterien im „Praxistest“

QUERDENKER: Der Australier Dean Watson arbeitet seit fast 25 Jahren mit Kopfschmerzpatienten. Seine Beobachtungen und klinischen Erfahrungen mit diesen Patienten machten ihn stutzig und ließen ihn an den gängigen Diagnosekriterien zweifeln. Er wagte alternative Wege, kritisierte und führte schließlich eigene Studien durch. Follow him…

Aktuelle Situation
Ein Review der aktuellen Fachliteratur bestätigt: Das Thema zervikogene Kopfschmerzen polarisiert noch immer. Verschiedene Erklärungsmodelle werden nach wie vor kontrovers diskutiert [6, 16, 59]. Selbst diejenigen, die zervikogene Kopfschmerzen als „echte“, eigene Kopfschmerzkategorie anerkennen, sind sich in puncto Krankheitshäufigkeit uneinig: Die Einschätzungen reichen von „unter ein Prozent“ [33, 52] bis zu „extrem weit verbreitet“ [49]. Die Unterschiede beruhen auf unterschiedlichen Studiendesigns und -populationen [33], unterschiedlichen Klassifikationssystemen [27, 54, 55] oder dem gleichzeitigen Auftreten mit primären Kopfschmerzsyndromen [18, 53] Durch die Annahme, dass zervikale Afferenzen keine kausale Rolle bei primären Kopfschmerzen spielen, entsteht Uneinigkeit [21]. Außerdem sollen zervikogene Kopfschmerzen per Definition ein muskuloskeletaler Zustand sein. Die (nicht spezifischen) Diagnosekriterien stellten mit muskuloskeletalen Erkrankungen unerfahrene Personen auf. Ebenso häufig stellen Personen die Diagnose, die keine Experten für die Untersuchung der oberen HWS sind [6]. Die für zervikogene Kopfschmerzen maßgeblichen Diagnosekriterien stammen von der Cervicogenic Headache International Study Group (CHISG) [27] und der International Headache Society [55]. Ein klinisches Diagnosekriterium ist die Präzipitation des bekannten Kopfschmerzes durch Nackenbewegungen oder ständige ungünstige Nackenhaltungen oder durch äußeren Druck auf die ipsilaterale obere zervikale oder okzipitale Region, unilateral ohne seitliche Verschiebung. Dieses Diagnosekriterium scheint am einflussreichsten zu sein. Weitere Kriterien sind verminderte zervikale Bewegung, ipsilaterale Nacken-, Schulter- oder Armschmerzen und verzögertes Einsetzen der Kopfschmerzen. Nichtdestotrotz basiert der Nachweis, dass Kopfschmerzen ihren Ursprung in einer relevanten nachgewiesenen Nackenstörung mit entsprechenden klinischen Zeichen haben, ausschließlich auf der Reaktion auf lokale anästhetische Blockaden [6, 27]. Der Zweck dieses Artikels ist es, die Diagnosekriterien aus klinisch manualtherapeutischer Perspektive zu kritisieren (unter Einbeziehung eigener Forschungsarbeiten). Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass die unmittelbare Quelle zervikogener Kopfschmerzen im C0–C3-Komplex zu finden ist [5, 7, 8].

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