• besprechung

Zielsetzungsprozess in der Physiotherapie

Oft gehen Patienten- und Therapeutenziele in der Neuroreha weit auseinander, und Therapeuten sind mit unrealistischen Erwartungen konfrontiert. Studien zeigen, dass eine systematische Zielsetzung hilft, dem entgegenzuwirken. Claudia Pott stellt wichtige Ergebnisse vor und überträgt sie in die Praxis.

Wie wichtig der Zielsetzungsprozess in der Reha ist, zeigt folgendes Beispiel: Die Physiotherapeutin Katie Campion berichtet von einem Patienten mit Schlaganfall, der als Ziel „seine Mitte finden“ nennt, nachdem sie in der Therapie den Fokus auf das symmetrische Sitzen gelegt hat. Als sie ihn aber nach seinen Hoffnungen für die Zukunft fragt, antwortet er „in die Arbeit“ gehen. Das veranschaulicht, wie sehr Therapeuten den Zielsetzungsprozess beeinflussen können, je nachdem, wie sie die Frage formulieren oder was sie mit dem Patienten üben.

Wenig erforscht: Zielsetzungsprozesse in der Physiotherapie

Wie wichtig eine Zielvereinbarung ist, untersuchte 2013 auch eine Arbeitsgruppe um Thavapriya Sugavanam von der Universität Edinburgh. In dem Review belegen die Forscherinnen die positiven Effekte von Zielvereinbarungen im Hinblick auf funktionelle Verbesserungen, Performanz, den positiven Einfluss auf die Selbstwirksamkeit und das Gefühl des Eingebundenseins in den Rehaprozess.

Um die Effekte zu transparent zu machen, hatte sich das Team zwei Fragen gestellt:

1. Was sind die Effekte hinsichtlich der physischen Aktivität und auf die Psyche, wenn man mit Patienten nach Schlaganfall in der Reha Ziele setzt?

2. Welche Erfahrungen machen Patienten und ihre Therapeuten mit der Zielsetzung?

Die Forscherinnen durchsuchten unter anderem die Datenbanken Cochrane, Pubmed, Medline und PEDro. Sie fanden 17 Untersuchungen, die insgesamt 614 Patienten nach Schlaganfall, 43 Therapeuten und 38 pflegende Bezugspersonen zum Thema Zielsetzung rekrutiert hatten. Das Review liefert wichtige, therapierelevante Aspekte:

→ Setzen Patient und Therapeut in der Reha gemeinsam Ziele, können sie Funktionen schneller und besser wiederherstellen, die Leistung steigern und die subjektive Patientenzufriedenheit bei der Selbstversorgung positiv beeinflussen. Zudem fühlt sich der Patient besser in den Rehaprozess eingebunden.

→ Therapeuten beurteilen die Zusammenarbeit mit dem Patienten häufig besser als die Patienten selbst. Zudem ist den Patienten oft nicht bewusst, welche große Bedeutung sie beim Definieren der Ziele haben.

→ Zielsetzung und -erreichung beurteilen Patient und Therapeut unterschiedlich: Patienten formulieren eher Wünsche als Ziele – diese sind in der Regel global („Der Arm soll wieder werden wie früher“) und weniger spezifisch („Ich möchte wieder mit Messer und Gabel essen und mich gleichzeitig unterhalten können“).

→ Therapeuten formulieren zwar spezifische Ziele, diese sind jedoch selten professions- und settingübergreifend (Rehaklinik-Situation versus Pflegeheim, zu Hause mit Unterstützung lebend etc.).

→ Patienten setzen sich deutlich höhere Ziele als ihre Therapeuten, damit sinkt die Chance der Zielerreichung. Beim Definieren von Zielen und Prüfen des Erfolgs vergleichen sich Patienten mehrheitlich mit dem Zustand vor dem Schlaganfall, Therapeuten dagegen setzen den Rehaerfolg in Bezug zum Rehabeginn und schaffen es, den „Optimalzustand“ auszublenden. Daraus ergeben sich unweigerlich unterschiedliche Ebenen bei der Zielformulierung.

→ Hemmend auf die Zielsetzungsprozesse wirken sich sprachliche und kognitive Defizite der Patienten aus. Die befragten Therapeuten nannten aber auch strukturelle Barrieren als negative Einflussfaktoren, zum Beispiel nicht vorhandene Ressourcen für interdisziplinäres Arbeiten.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Das Ziel zeigt den Weg – Zielsetzungsprozess

Aus der Zeitschrift physiopraxis 5/2016

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physiokongress physiokongress 2017: Neuroreha-Tag

Vom 27. bis 29. Januar 2017 finden in Stuttgart der 11. physiokongress statt. Die Autorin dieses Artikels, Claudia Pott, hält am Neuroreha-Tag (28.1.) einen Vortrag zum Thema "Zielfindung in der Neurorehabilitation zur Verbesserung der Teilhabe".

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