Placebowirkung: Glaube und mehr
Was genau macht bei einem Kopfschmerzmedikament den Plazeboeffekt aus? Und wie groß ist er? Wissenschaftler der Harvard Medical School haben sich dieser Frage jetzt systematisch in einer prospektiven Studie genähert. Ergebnis: Die Beschriftung einer Tablette erklärt einiges, aber nicht alles.
Der Plazeboeffekt bei ärztlichen Therapien wird im Allgemeinen auf eine Reihe unterschiedlicher Faktoren zurückgeführt, die ineinandergreifen. Der Glaube an die Wirksamkeit einer Behandlung spielt natürlich eine Rolle, aber auch das Ritual der ärztlichen Beratung und der Übergabe einer Tablette. Nicht zuletzt hängt der Plazeboeffekt auch von der Art der Therapie ab: Bei invasiven Behandlungen ist der Effekt ausgeprägter als bei nicht invasiven Therapien.
Neurologen um Slavenka Kam-Hansen vom Beth Israel Deaconess Medical Center der Harvard Medical School haben den Plazeboeffekt jetzt bei 66 Patienten mit episodischer Migräne ungewöhnlich detailliert untersucht. Jeder Patient bekam über insgesamt 6 Migräneattacken hinweg entweder ein Plazebo oder eine Verumtablette mit 10 mg Rizatriptan. Eine 7., unbehandelte Attacke fungierte als Kontrolle. Bei den 6 behandelten Attacken war die Tablette entweder beschriftet mit „Plazebo“, „Maxalt“ oder „Maxalt oder Plazebo“ .
Jeder Patient nahm im Studienverlauf also in zufälliger Reihenfolge 3-mal Plazebo und 3-mal Verum ein. Beide waren 3-mal unterschiedlich beschriftet.
Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung der Schmerzintensität, erhoben mit einer numerischen Schmerzskala (0–10). Die Patienten sollten die Schmerzintensität 30 min nach Symptombeginn bewerten, dann die jeweilige Tablette nehmen und nach weiteren 2 h erneut den Schmerz-Score aufzeichnen. Dieses Studiendesign erlaubte eine sehr genaue Abschätzung des „schmerzstillenden Effekts“ der Tablettenbeschriftung und eine Abgrenzung dieses „Beschriftungseffekts“ vom tatsächlichen Substanzeffekt.
