• Lars

    In „Larses lyrischer Lebensberatung“ gibt Lars Ruppel Tipps für den Einsatz von Gedichten im Pflegealltag.

     
  • Wecker

    Wenn der Wecker morgens klingelt...

     

Wie wache ich auf?

Sie kennen das sicher: Der Wecker weckt, der Regen regnet, die Augenlider liegen, das Bett bettet und der Morgen früht. Obwohl man mehrere Stunden geschlafen hat, ist man doch noch sehr müde. Den eigenen Körper ins Badezimmer zu schleppen, scheint mit größeren Anstrengungen verbunden zu sein als eine Ladung Eulen nach Athen zu tragen und von irgendwo verhöhnt uns ein früher Vogel. Statt sich auf den Tag zu freuen, denkt man leider mit Schrecken an den nächsten Morgen, wenn wieder der Wecker weckt, der Regen regnet,... Sie kennen das sicher.

Müdigkeit begleitet uns unser Leben lang. Mal übermannt sie uns, mal schleicht sie sich heimlich an uns heran und umarmt uns zärtlich. Sie wartet auf Momente der Schwäche: In der Schule während der Klassenarbeit, während einer spannenden Fortbildung, während der täglichen Arbeit oder beim Essen. Das Schlimme ist, dass meist weder die gesellschaftliche Akzeptanz noch ein gemütlicher Rückzugsraum für einen kleinen Zwischenschlaf zur Verfügung stehen.

Und so muss man mit ihr leben. Niemand kann sich ihr ganz entziehen, sogar ihr ärgsterWidersacher, der Kaffee, und sein getreuer Helfer, die frische Luft, müssen oft genug vor ihr kapitulieren. Ihre ganze Boshaftigkeit wird deutlich, wenn man abends im Bett liegt und nicht einschlafen kann.

Überhaupt ist Müdigkeit nicht mehr das, was sie einmal war. Ich werde neidisch,wenn ich sehe, wie kleine Kinder am helllichten Tage im Kinderwagen oder in den Armen eines Elternteils schlummern.Wenn ich mich tagsüber in den Park auf eine Wiese lege und versuche zu schlafen, kreisen meine Gedanken um noch zu erledigende Aufgaben und um die Angst, während ich schlafe, könnten meine Sachen geklaut werden. Resultat: Ich liege müde wach und höre dem frühen Vogel zu, der mich immer noch verhöhnt.

Wenn ich mit meinem Projekt „Weckworte“eine Fortbildung gebe und mit Pflegekräften klassische Gedichte speziell für Menschen mit Demenz vortrage, begegnet mir eine Form der Müdigkeit, die ich nicht ganz verstehe. Es gibt Senioren, die ganz aktiv an den Vorträgen teilnehmen und sich über die Gedichte freuen und im nächstenMoment sind sie, so wie sie sitzen, eingeschlafen. Andere werden schlafend in den Raum gebracht und verlassen ihn nach einer Stunde, immer noch schlafend. Ich wünsche mir sehr, dass dies ein Zeichen von Entspannung und eines Gefühls der Sicherheit ist. Sicher bin ich mir jedoch nicht.

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