• Brustkrebs © Fotolia – Sebastian Kaulitzki

    Der überwiegende Teil der befragten Brustkrebspatientinnen nimmt ihre Nachsorgetermine regelmäßig wahr. © Fotolia – Sebastian Kaulitzki

     

Brustkrebsnachsorge: Bei der Suche nach Rezidiven gerät die Genesung aus dem Blick

fzm, Stuttgart, Juni 2016 – Aktuell in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ publizierte Umfrageergebnisse (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) belegen eine hohe Akzeptanz der Brustkrebsnachsorge. Der überwiegende Teil der Patientinnen nimmt die Termine regelmäßig wahr. In erster Linie, um auszuschließen, dass der Krebs wiederkehrt. Gleichzeitig vermissen die Patientinnen jedoch psychosoziale Unterstützung und wünschen sich eine bessere Behandlung therapiebedingter körperlicher Beschwerden. Die befragten Ärzte wiederum veranlassen mehr diagnostische Untersuchungen als empfohlen, um ihre Patientinnen zu beruhigen.

Aktuelle Leitlinien raten Patientinnen nach einer Brustkrebstherapie in einem Abstand von drei bis zwölf Monaten einen Arzt für ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung aufzusuchen. Einmal im Jahr ist zudem eine Mammografie empfohlen. Bei symptomfreien Patientinnen sind darüber hinaus keine zusätzlichen bildgebenden Verfahren, routinemäßigen Bluttests oder die Bestimmung von Tumormarkern vorgesehen.

Um sich ein Bild von der Umsetzung der Vorgaben und der Qualität der Nachsorge zu machen, haben Wissenschaftler des Instituts für Versorgungsforschung in der Onkologie, Koblenz, eine Befragung unter Patientinnen und behandelnden Ärzten durchgeführt. Insgesamt konnten sie 920 standardisierte Fragebögen von Brustkrebspatientinnen auswerten. Die Frauen waren zwischen 2007 und 2013 in einem zertifizierten Brustzentrum operiert worden. Hinzu kamen 105 Antworten nachsorgender Mediziner.

99 Prozent der befragten Patientinnen gaben an, regelmäßig zur Nachsorge zu gehen. Dabei war es für sie von besonders großer Bedeutung im Rahmen der Untersuchung einen Rückfall auszuschließen. Das bewerteten sie auf einer Skala von null bis fünf mit einem Mittelwert von 4,5. Den Kontakt zum Arzt mit 4,4. Allerdings vermissten 70 Prozent der Patientinnen psychosoziale Unterstützung. 55 Prozent sahen ihre körperlichen Beschwerden nicht genügend wahrgenommen und behandelt.

Auf Arztseite kam die Befragung zu den folgenden Ergebnissen: Mit 92 Prozent führt die Anamnese die Liste der durchgeführten Untersuchungen an, gleich danach folgt mit 87 Prozent die körperliche Untersuchung der Patientinnen. Blutanalysen, die in den Leitlinien nicht vorgesehen sind, rangieren mit 63 Prozent noch vor der Mammografie mit 45 Prozent. 40 Prozent der Ärzte gaben zudem an, eine Tumormarkerbestimmung durchzuführen. Wie schon für die Patientinnen, steht auch für die behandelnden Ärzte, die frühzeitige Erkennung von Rezidiven und Zweittumoren im Vordergrund der Nachsorge. Hier ergab sich ein Mittelwert von 4,8. An zweiter Stelle, mit einem Wert von 4,7, steht der Wunsch, die Patientin zu beruhigen.

Die Behandlung von Nebenwirkungen der Therapie sowie die Hilfe bei Problemen im privaten und beruflichen Umfeld der Patientinnen bewerteten die Ärzte mit 4,5 Punkten. Darüber hinaus stimmten die meisten Ärzte der Aussage „die Nachsorge sollte individueller und risikoadaptiert sein“ zu. Das Gespräch mit der Patientin ist für die Mehrheit der Befragten der wichtigste Aspekt.

Nach Ansicht von Stefan Feiten, Geschäftsführer des Instituts für Versorgungsforschung, und Mitautor der Umfrage zeigen die Ergebnisse, dass Patientinnen glauben, eine bessere Überlebenschance zu haben je mehr Tests durchgeführt und je früher Metastasen oder Rezidive erkannt werden. „Das steht jedoch im Widerspruch zur verfügbaren Evidenz hinsichtlich der Effektivität von Nachsorgeuntersuchungen“, so Feiten. Nachsorge sollte deshalb mehr sein als eine reine Rezidiv-Erkennung. Das müssten Ärzte ihren Patientinnen zum einen vermitteln, zum anderen müssten sie selbst den Fokus mehr auf die Behandlung von therapiebedingten Beschwerden und die psychische Gesundheit der Betroffenen legen. Aber gerade für den letzten Punkt benötigten jedoch Ärzte ausreichend Zeit, die aktuell jedoch nicht entsprechend honoriert wird.

S. Feiten et al.: Nachsorgerealität von Brustkrebspatientinnen – standardisierte Befragung von Patientinnen und Ärzten sowie Analyse der Behandlungsdaten, Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2016; 76 (5); S. 557–563

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