Krebs in der Leber mit Viren bekämpfen

fzm – Deutsche Krebsforscher wollen Patienten mit Viren behandeln, die Krebszellen abtöten. Nach dem erfolgreichen Abschluss von Tierversuchen, ist eine klinische Studie bei Patienten mit Krebserkrankungen in der Leber geplant, teilt ein Forscher in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) mit.

Seit einigen Jahren experimentiert die Arbeitsgruppe um Dr. med. Oliver Ebert vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München mit dem Vesikulären Stomatitisvirus (VSV). Es verursacht bei Tieren eine der Maul- und Klauenseuche ähnliche Erkrankung, für den Menschen ist es jedoch harmlos. VSV ist laut Dr. Ebert äußerst "Interferon-sensitiv". Interferone sind ein zelleigener Abwehrmechanismus gegen Virusinfektionen. Sie verhindern, dass sich VSV in gesunden Zellen vermehren können. Bei vielen Krebszellen ist der Interferonschutz jedoch defekt. Sie werden deshalb von VSV infiziert und auch zerstört, was Dr. Ebert zunächst in Zellkulturen und später auch an Versuchstieren mit Leberkrebs zeigen konnte. Um eine hohe Konzentration der Viren im Tumor zu erreichen, wurden sie den Tieren direkt in eine Leberarterie gespritzt. Auch Krebserkrankungen mit mehreren Tumorherden konnten zerstört werden, ohne dass es zu "Kollateralschäden" des umgebenden gesunden Lebergewebes kam, berichtet der Gastroenterologe.

Die Experimente zeigten aber auch, dass die Ausbreitung der Viren in vielen Tumoren durch Narben oder abgestorbene Tumorareale, in der Fachsprache Leberzirrhose und Nekrosen genannt, abgeschwächt wird. Die Münchner Forscher haben die VS-Viren deshalb auf gentechnischem Weg mit einem Protein ausgestattet, das die Fähigkeit zur Ausbreitung der Viren im Tumor deutlich verbesserte. Dr. Ebert: Die Behandlung hat die Überlebenszeit der Versuchstiere verlängert. Bei jedem fünften Tier verschwand der Krebs, der beim Menschen derzeit nicht heilbar ist, sogar vollständig.

Aufgrund der guten Ergebnisse ist jetzt eine erste Anwendung bei Patienten mit Leberkrebs geplant. Eine sogenannte Phase-I/II-Studie wird die Sicherheit der Therapie prüfen. Sie lässt aber in der Regel auch erste Rückschlüsse auf eine Wirkung zu. Teilnehmen werden sowohl Patienten mit Krebserkrankungen, die in der Leber entstanden sind, als auch Patienten mit Tochtergeschwulsten eines Darmkrebsleidens. Wie in den Tierversuchen sollen die Viren den Patienten über einen Katheter direkt in die Leberarterie gespritzt werden. Mit onkolytischen Viren, so der Fachausdruck, experimentieren Krebsforscher auch in anderen Ländern. In China wurde laut Dr. Ebert bereits 2005 ein Virus zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren zugelassen. Es ist allerdings nicht mit dem jetzigen Virus identisch.

O. Ebert:
Onkolytische Virotherapie mit Vesikulären Stomatitisviren.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (44): S. 2236-2238

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!