Herzklappenersatz bei hochbetagten Patienten auch ohne Operation möglich

fzm – Der Ersatz einer Herzklappe erforderte früher immer eine Operation am offenen Herzen. Seit einiger Zeit kann die neue Herzklappe auch über einen Katheter eingesetzt werden. Die Methode wird bereits von mehreren Herzzentren in Deutschland angeboten. Ein Experte erläutert in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) warum der Eingriff vorerst auf wenige Fälle begrenzt bleibt.

Die Aortenklappe ist eines von vier Ventilen im menschlichen Herzen. Sie verhindert, dass das Blut in der Erholungsphase zwischen zwei Herzschlägen aus der Hauptschlagader Aorta wieder in die linke Herzkammer zurückfließt. Aufgrund von Erkrankungen kann insbesondere im Alter eine Verengung im Bereich der Aortenklappe auftreten - in der Fachsprache Stenose genannt. Um eine Überlastung des Herzens zu vermeiden, muss die Aortenklappe ausgetauscht werden. Doch etwa ein Drittel der Menschen sind dann bereits zu schwach für eine Operation am offenen Herzen, bei der der Brustkorb geöffnet und der Kreislauf zeitweise an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss. Andere würden die Operation nicht überleben, weil sie schwere Begleiterkrankungen an Lunge, Leber oder anderen Organen haben.

Für diese Hochrisikopatienten besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, die künstliche Klappe über einen Katheter einzusetzen. Am Herzzentrum Ludwigshafen wurden bis Ende 2009 insgesamt 60 Patienten operiert. Sie waren im Durchschnitt 82 Jahre alt, und Herzchirurgen hatten eine Operation wegen zu hoher Risiken abgelehnt. Die Kardiologen entschlossen sich deshalb zu der Behandlung via Katheter, die auch als perkutane Aortenklappenimplantation bezeichnet wird. Dabei wird von der Leistenarterie aus ein Führungsdraht bis zur verengten Aortenklappe vorgeschoben. Über den Führungsdraht wird ein kleines Röhrchen, ein sogenannter Stent, an der Engstelle platziert. Dieser drückt beim Entfalten die alte Herzklappe auseinander. Innerhalb des Stents öffnet sich eine neue Herzklappe. Die Mediziner in Ludwigshafen verwenden eine Bioklappe, die aus dem Herzbeutel von Schweinen geformt wird.

Für die Patienten kann die Aortenklappenimplantation lebensrettend sein. Wenn der Herzmuskel versagt, sind die Aussichten bei einer medikamentösen Behandlung sehr schlecht, berichtet Professor Ralf Zahn, Chefarzt am Ludwigshafener Herzzentrum. Zwei Drittel seiner Patienten befanden sich vor dem Eingriff in einer lebensgefährlichen Lage. Doch auch die Aortenklappenimplantation ist nicht ohne Risiken. Die Liste der möglichen Komplikationen ist lang und reicht von Schlaganfällen, Herzbeutelergüssen, einer Funktionsstörung der eingesetzten Klappe bis hin zu Rissen im Herzmuskel oder der Aorta, erläutert der Kardiologe. Auch in Ludwigshafen starben acht Patienten in der Klinik, davon zwei Patienten an den direkten Folgen des Eingriffs. Andere Zentren haben laut Professor Zahn ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Aortenklappenimplantation komme deshalb vorerst nur für Patienten infrage, bei denen eine Operation nicht mehr möglich oder zu riskant ist. Wenn die Behandlung aber gelingt, erholen sich die Patienten schnell von den Folgen der Aortenstenose. In Ludwigshafen konnten sie schon nach durchschnittlich 15 Tagen die Klinik verlassen.

R. Zahn et al.:
Perkutane Aortenklappenimplantation (TAVI): Neue Therapieoption für inoperable oder operative Hochrisiko-Patienten mit symptomatischer Aortenklappenstenose.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (33):
S. 1589-1595

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