Per Biofeedback zur schönen Handschrift

fzm – Der Computer gilt üblicherweise als Feind der Handschrift: Wer nur noch tippt, wird im Umgang mit dem Füller nicht gerade geschickter. Bestimmte Computer können Kindern jedoch dabei helfen, zu einer guten Handschrift zu finden. Wie solche Biofeedback-Geräte funktionieren und wie sie in der Praxis gewinnbringend eingesetzt werden können, schildern die Ergotherapeutinnen Gudrun Zimmermann und Christin Weigelt in der Fachzeitschrift „ergopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010).

Als Beispiel schildern die beiden Therapeutinnen den Fall des siebenjährigen Max, der sich mit dem Schreibenlernen schwertut: Der Erstklässler verkrampft sich beim Schreiben, sein Arm tut nach kurzer Zeit weh, und mit dem Schriftbild ist er selbst unzufrieden. Auch wenn er schon oft gehört hat, dass er den Stift nicht zu stark aufs Papier pressen darf – mit der Umsetzung hapert es. Daher beschließt Christin Weigelt als behandelnde Therapeutin, Max auf seinem Weg zur schönen Schrift per Biofeedback zu unterstützen.

Zugrunde liegt die Erkenntnis, dass Kinder durch reines Erklären oft nicht lernen, den Druck auf Stift und Papier zu regulieren. „Sie können das Erklärte nicht nachvollziehen und von der rein verbalen Anleitung nicht darauf schließen, wie sich die richtige Handhabung anfühlt“, erläutern Zimmermann und Weigelt.

Mithilfe von Biofeedback-Geräten dagegen können unbewusste Körperprozesse bewusst gemacht werden; für den Klienten werden sie somit kontrollierbar. Im Fall von Max arbeitete Christin Weigelt mit psychophysiologischen Parametern wie dem Hautleitwert und dem Muskelpotential der Schreibhand am Arm und an der Schulter. Außerdem können die Geräte auch andere Parameter wie das Atemmuster oder die Handtemperatur messen. Wie der Name es andeutet, erfassen Biofeedback-Geräte diese Messwerte nicht nur; sobald voreingestellte Grenzen über- oder unterschritten werden, melden sie dies über den Bildschirm oder über Tonsignale zurück.

„Die prompte und bewusste Rückmeldung ermöglicht es dem Klienten, selbständig und gezielt zu üben“, schildert Christin Weigelt die Vorzüge der Methode. „Diese Eigenverantwortlichkeit erleben die Klienten meist als sehr positiv.“ Ein weiterer Vorteil: Das eigentliche Problem der Bewegungskoordination steht nicht im Vordergrund. Über die beinahe spielerische Korrektur der Kurven auf dem Bildschirm wird sie jedoch automatisch mit beeinflusst.

Zimmermann und Weigelt betonen, dass das Biofeedback nicht isoliert eingesetzt werden sollte, sondern als Baustein innerhalb einer umfassenderen Therapie. Die beiden Ergotherapeutinnen verweisen auf Studien, wonach sich die Therapiedauer durch den Einsatz des Biofeedback-Computers deutlich verkürzt: Besonders Kinder sind in der Regel hoch motiviert bei der Sache, und oft ist eine Besserung bereits nach rund zehn Therapieeinheiten erfolgt. Dann kann das Gelernte auch ohne technische Unterstützung in den Alltag übertragen werden. „Das Schöne an der Methode ist, dass die Klienten durch Ausprobieren und Rückmeldung letztlich selbst zu einer Lösung für ihr Problem finden“, so Zimmermann und Weigelt. Auf diese Weise hat auch Max seine Schreibprobleme überwunden.

G. Zimmermann, C. Weigelt:
Schneller schön schreiben.
ergopraxis 2010; 3 (9): S.24-27

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