• Blutkonserve

    4,5 Millionen Blutkonserven wurden 2011 in Deutschland transfundiert.

     

Blutarmut vor einer Operation bleibt oft unbehandelt – Neues Konzept verbessert Krankheitsverlauf und beugt Versorgungsengpässen bei Bluttransfusionen vor

Stuttgart, April 2013 – In Deutschland transfundierten Ärzte ihren Patienten nach Aussage des Paul-Ehrlich-Instituts im Jahr 2011 etwa 4,5 Millionen Blutkonserven. Das ist viel mehr als nötig, so die Autoren eines jetzt neu erschienenen Fachbuches „Patient Blood Management“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013). Das Konzept des sogenannten Patient Blood Managements (PBM) greift ein, bevor Komplikationen auftreten. Es vermeidet Blutverlust und Blutmangel und kann so den Bedarf an Transfusionen deutlich reduzieren. In der Monografie stellen die Autoren das PBM-Konzept erstmals in deutscher Sprache umfassend vor.

Bluttransfusionen sind häufig mit Komplikationen wie etwa allergischen Reaktionen oder Infektionen verbunden. Gleichzeitig gehören sie zu den teuersten Therapieformen. „Ein Hauptrisikofaktor, der im Vorfeld einer Operation auftretende Mangel an roten Blutkörperchen, die sogenannte Anämie, wird bei 90 Prozent nicht behandelt“, kritisiert der Autor Herr Professor Dr. med. Hans Gombotz, Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz, Österreich. Die Folge ist eine drei bis vierfache Transfusionsrate bei diesen Patienten. „Gleichzeitig befürchten wir Engpässe in der Fremdblutversorgung“, so der Autor. Denn das Blutspende-Aufkommen in Deutschland könne den momentanen Bedarf nicht decken. „Auch die EU-Initiative ‚Optimal Blood Use Project‘, die gewährleisten soll, dass das richtige Blutprodukt dem passenden Patienten zur richtigen Zeit verabreicht wird, kann dieses Problem nicht lösen. Daher haben wir das Patient Blood Management (PBM) entwickelt.“

Das PBM-Konzept geht weit über das von der EU initiierte Projekt hinaus: „PBM ist ein evidenzbasiertes Behandlungskonzept, das vorsorglich eingreift, indem es Risikofaktoren, die zu einer Transfusion führen könnten, erfasst und korrigiert,“ erklärt Gombotz. Ein Anästhesist sollte den Patienten beispielsweise mindestens drei bis vier Wochen vor der Operation untersuchen, um etwa eine Anämie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zudem können Ärzte den niedrigsten akzeptablen Hämoglobin-Wert anpassen, anhand dessen entschieden wird, ob eine Transfusion überhaupt nötig ist. „Denn unser Körper toleriert auch Hämoglobin-Konzentrationen, die unter den Normwerten liegen, ohne dass Organe zu Schaden kommen“, so der Autor. Erst nachdem alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, wird nach dem PBM-Konzept eine Transfusion in Betracht gezogen.

PBM kommt besonders Patienten zugute, die ein erhöhtes Anämie- und Transfusionsrisiko haben. Es steigert aber nicht nur die Patientensicherheit. Weniger Bluttransfusionen helfen auch Versorgungsengpässe zu beheben und stark steigende Kosten einzusparen. „Das moderne PBM unterliegt derzeit einer rasanten Entwicklung, deren Ende noch längst nicht abzusehen ist“, prophezeit der Autor.

Quellen:

Gombotz H, Hofmann A, Rehak P, Kurz J. Patient Blood Management (Teil 2) – Praktisches Vorgehen: die 3 Säulen. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46: 466–474  

Paul-Ehrlich-Institut, Berichte nach § 21 Transfusionsgesetz (TFG)

 

 

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