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Thieme Teaching Award für Reanimationstraining an Schulen: Fit für den Notfall – Schüler werden Lebensretter

Stuttgart, April 2013 – Laut einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes und des ADAC können 80 Prozent der deutschen Autofahrer keine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Dabei sind schon Kinder und Jugendliche dazu in der Lage, wenn sie entsprechend ausgebildet sind. Das zeigt das Projekt „Schüler werden Lebensretter“, das die Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster (UKM) unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken ins Leben gerufen hat. Geschulte Lehrer und Notärzte bilden Schüler zu Ersthelfern aus. Eine projektbegleitende Studie beschreibt, wie erfolgreich diese Ausbildung ist und wann Kinder damit beginnen können. Für ihre Arbeit erhalten der Erstautor Dr. med. Andreas Bohn und die Co-Autoren jetzt den „Thieme Teaching Award“. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vergibt den Preis im Rahmen des Deutschen Anästhesiecongresses (DAC) am 20. April 2013 in Nürnberg. Die Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart, stiftet die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Die meisten Deutschen werden spät und meist einmalig im Rahmen des „Erste-Hilfe-Kurses“ zur Führerscheinprüfung auf Wiederbelebungsmaßnahmen im Notfall vorbereitet. Schon kurze Zeit später wissen sie nicht mehr, was zu tun ist, oder haben Angst, etwas falsch zu machen. „Unser Ziel ist es deshalb, bereits Kinder und Jugendliche als Ersthelfer auszubilden“, erklärt Dr. med. Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Münster, Beauftragter für präklinische Notfallmedizin am UKM und Preisträger des Thieme Teaching Awards 2013.

Vor diesem Hintergrund entstand 2006 das ausgezeichnete Projekt „Schüler werden Lebensretter“. In Kooperation mit einem Münsteraner und einem Aachener Gymnasium erhielten seitdem mehr als 430 Schüler der sechsten und neunten Klasse eine theoretische und praktische Ausbildung in Wiederbelebung. Möglich war dies nur durch eine enge Kooperation zwischen dem UKM, dem Aachener Marienhospital sowie den Berufsfeuerwehren in Münster und Aachen.

Neben dem geeigneten Schulungsalter untersuchte das Team um Dr. Bohn, inwieweit die Häufigkeit des Unterrichts sich auf die Fertigkeiten der Schüler auswirkt. Ein Teil der Schüler wurde daher jährlich, ein anderer halbjährlich unterrichtet. Zudem schulten Notärzte einen Teil der Schüler, der andere Teil wurde von ausgebildeten Lehrern betreut. Den 433 Teilnehmern stellten die Wissenschaftler eine Kontrollgruppe mit 182 Schülern gegenüber, die keinen Unterricht erhielt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits Kinder ab zehn Jahren Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen können“, erklärt Bohn. Hinsichtlich der praktischen Fertigkeiten unterschieden sich die zehnjährigen Schüler nicht von den 13-Jährigen. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass weder häufigeres Training noch der Unterricht durch Notärzte zu einer Verbesserung von Wissen und Fertigkeiten der Schüler führt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe führten die geübten Teilnehmer die Wiederbelebungsmaßnahmen, gemessen an der Intensität der Beatmung und Herzdruckmassage, effektiver durch.

„Die Studie zeigt, wie sinnvoll die feste Einbindung von Erste Hilfe in den Schulalltag wäre und dass geschulte Lehrer in der Lage sind, diese zu unterrichten. Die Schulung motiviert die Jugendlichen, im Notfall zu helfen, reduziert ihre Angst davor und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der Rettungskette“, begründet Holger Sorgatz, Geschäftsführer der DGAI, die Entscheidung der Jury.

Um den „Thieme Teaching Award“ bewerben sich Mitglieder der DGAI mit Arbeiten auf dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Die Thieme Verlagsgruppe stiftet den Preis in diesem Jahr zum zehnten Mal.