Nicht nur wegen der Bikinifigur....

Wunschgewicht, Diät und Traumfigur - seit Jahrzehnten kommt kaum eine Frauenzeitschrift ohne diese Lockbegriffe aus. Und doch steigt der Anteil übergewichtiger Frauen in Deutschland stetig an. Adipositas-Prävention sei daher dringend notwendig, mahnt Professor Ulrike Korsten-Reck, Oberärztin in der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin der Universitätsklinik Freiburg. In der Fachzeitschrift "Aktuelle Ernährungsmedizin" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) zeigt die Freiburger Ärztin auf, in welchen Lebensphasen Mädchen und Frauen besonders anfällig für die Entwicklung von Übergewicht sind und daher besonders über Präventionsprogramme angesprochen werden sollten.

"Die wichtigste Zielgruppe sind die Frauen im gebärfähigen Alter", sagt Ulrike Korsten-Reck. Denn sie bestimmen nicht nur über ihr eigenes Gewicht, sondern - im Falle einer Schwangerschaft - auch über das zukünftige Adipositas-Risiko ihres Kindes. In Deutschland sind immerhin 35 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter übergewichtig, jede fünfte ist sogar adipös. "Je stärker das Übergewicht, desto größer ist das Komplikationsrisiko während einer Schwangerschaft", betont Korsten-Reck. Schwangerschaftsdiabetes und Präeklampsie etwa treten umso häufiger auf, je höher das mütterliche Gewicht ist.

Auch auf lange Sicht haben die betroffenen Kinder eine echte Bürde zu tragen. Weil sie über den erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter einer regelrechten "Glukosemast" ausgesetzt sind, kommen sie bereits mit einer Fehlprogrammierung des Stoffwechsels zur Welt. "Diese Kinder haben zeitlebens ein erhöhtes Risiko, an Adipositas und Diabetes zu erkranken", erläutert Ulrike Korsten-Reck, die bereits vor 25 Jahren das Therapieprogramm „FITOC“ für übergewichtige Kinder und Jugendliche entwickelt hat.

Weitere Lebensphasen, in denen die Neigung zum Übergewicht sich besonders häufig manifestiert, sind der Freiburger Ärztin zufolge die Pubertät und die Zeit um die Menopause. Während der Pubertät führt der Anstieg der weiblichen Geschlechtshormone zu einem höheren Fettgewebsanteil. Außerdem pflegen viele Mädchen in dieser Zeit einen eher sitzenden, inaktiven Lebensstil. Das Einsetzen der Regelblutung dient häufig als Vorwand, nicht am Schulsport teilzunehmen. "Hierfür gibt es jedoch keinen medizinischen Grund", so Korsten-Reck, die angesichts von fast zwei Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen dringend zu mehr Bewegung in diesen Altersgruppen mahnt.

Neben genetischen Faktoren und der vorgeburtlichen Prägung sind in jedem Alter Ernährung und körperliche Aktivität entscheidend für das Körpergewicht und den Körperfettanteil. Auch der Teufelskreis aus Unwohlsein und Inaktivität, in dem sich postmenopausale Frauen manchmal gefangen sehen, könne mit gesunder Ernährung und sportlicher Betätigung durchbrochen werden, sagt die Freiburger Sportmedizinerin. Regelmäßige Bewegung erhalte nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern senke auch das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Nicht zuletzt gilt das Gebot, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, auch für die besonders wichtige Zielgruppe der Schwangeren. So empfiehlt die „Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention“ Sportarten wie Wandern, Joggen, Radfahren oder Schwimmen während der gesamten Schwangerschaft. Sogar intensive körperliche Aktivität im Intervalltraining, kombiniert mit Krafttraining, sei möglich, sagt Ulrike Korsten-Reck und wünscht sich, dass diese Tatsache von allen beteiligten Ärzten, Gynäkologen und Hebammen verstärkt an die Schwangeren weitergegeben werde.

U. Korsten-Reck:
Adipositasprävention bei Frauen in allen Lebensphasen
Aktuelle Ernährungsmedizin 2013; 38 (3); S. 195-200