Chancen und Risiken von Biobanken

Deutschland und andere Länder erleben derzeit einen Boom von Biobanken. Um ihre Qualität und Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sind klare Regeln notwendig, fordert Dr. med. Esther Herpel vom Pathologischen Institut der Universität Heidelberg in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013).

In Biobanken sammeln Forscher biologische Materialien wie Blutseren, Tumorgewebe und auch Genproben, die zumeist von Kranken stammen. Die ersten Biobanken wurden im 19. Jahrhundert von Pathologen angelegt, die Präparate, die ihnen zur Untersuchung überlassen wurden, aufhoben und archivierten. Lange Zeit wurden sie wenig beachtet. Dies änderte sich in den letzten Jahrzehnten. Viele teils bahnbrechende Entdeckungen wären nicht gemacht worden, wenn den Forschern nicht qualitativ hochwertige Biomaterialien zur Verfügung gestanden hätten, schreibt Dr. med. Esther Herpel. Als Beispiel nennt die Expertin das Brustkrebsmedikament Trastuzumab, das nur bei Tumoren wirkt, deren Zellen bestimmte Merkmale aufweisen. Auch bei der Entwicklung des Leukämiemittels Imatinib hätten Forscher auf die Proben von Biobanken zurückgegriffen, berichtet Dr. Herpel. Ebenso sei die personalisierte Medizin, die nicht mehr Krankheiten behandelt, sondern für jeden einzelnen Patienten eine individuelle Behandlung anstrebt, auf Biobanken angewiesen.

Die Zahl der Biobanken ist deshalb stark angestiegen. Das Deutsche Biobankenregister (DBR) verzeichnet auf seiner Internetseite mittlerweile mehr als hundert Einrichtungen. Nicht überall werden die Biomaterialien in geeigneter Form aufbewahrt. Quantität und Qualität sind teilweise sehr unterschiedlich, schreibt Dr. Herpel, und nicht alle Biobanken entsprächen den Anforderungen der gegenwärtigen Grundlagenforschung und der translationalen Tumorforschung. Experten wie Dr. Herpel, machen sich deshalb Gedanken, wie eine gute Forschungsbiobank aufgebaut sein sollte, und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Die Forderungen, die Dr. Herpel in der DMW vorstellt, betreffen nicht nur die Wahl der Standorte, ihr Management und die nachhaltige Finanzierung – ohne öffentliche Förderung sind Biobanken nicht vor Pleiten geschützt. Biobanken gehen auch die Patienten etwas an, von denen die Biomaterialien stammen. Die Biobanken haben nämlich begonnen, neben Blut und Gewebe auch sehr persönliche Daten zu speichern. Viele Erkenntnisse ergeben sich erst aus der Verknüpfung von pathologischem Befund und der Kenntnis von Person und Krankengeschichte. Biobanken müssen deshalb die Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz berücksichtigen. Die Spender sind über die Ziele und Zwecke der Biobank einschließlich der möglichen Verwendung der Bioproben für verschiedene Forschungsprojekte aufzuklären, fordert Dr. Herpel. Die Ärzte müssen deshalb vor einer Speicherung die Einwilligung der Patienten einholen, bevor sie Daten zu Forschungszwecken verwenden. Darüber hinaus müssen die Biobanken sich mit lokalen Ethikkommissionen und Datenschutzbeauftragten abstimmen.

E. Herpel und M. Hummel:
Biobanken – Entwicklung und Struktur
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (20);
S. 1069-1072