Nach Polio-Ausbruch in Syrien und Verdachtsfällen in Israel: CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt Polio-Impfauffrischung vor Reisen in den Nahen Osten

Düsseldorf, Oktober 2013 – In Syrien ist nach Angaben der Weltgesundheits-organisation (WHO) erstmals seit 1999 Poliomyelitis ausgebrochen: Von 22 Verdachtsfällen der sogenannten Kinderlähmung bestätigten sich zehn. Auch Israel registrierte in den vergangenen Monaten Verdachtsfälle, nachdem in verschiedenen Teilen des Landes im Abwassersystem Polio-Erreger entdeckt worden waren. Vor Aufenthalten in Syrien, Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten oder in einem der angrenzenden Länder Jordanien, Libanon, Türkei und Irak sollten Reisende ihren Impfschutz überprüfen, empfiehlt das CRM Centrum für Reisemedizin. Liege die Polio-Impfung mehr als zehn Jahre zurück, sollte sie aufgefrischt werden.

Der Polio-Erreger wird durch Schmierinfektion durch Fäkalien übertragen. Etwa 95 Prozent der Polio-Infektionen bleiben symptomlos, bei rund fünf Prozent entwickelt sich eine Poliomyelitis, also Kinderlähmung. Neben Fieber, Hals- und Kopfschmerzen kann es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur, schlimmstenfalls auch der Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur kommen.

„Vor Reisen in Länder, in denen Polio verbreitet ist, sollte der Impfschutz unbedingt geprüft und aufgefrischt werden, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt“, empfiehlt Privatdozent Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Wegen der Flüchtlingsströme aus Syrien in die angrenzenden Länder, schätzt die WHO das Risiko einer weiteren Verbreitung der Kinderlähmung in der Region als hoch ein. „Wegen der aktuellen Gefahr, ist eine Impfauffrischung auch bei Reisen in die angrenzende Länder Syriens und Israels – also bei Aufenthalten in Jordanien, Libanon, Türkei oder im Irak – sinnvoll.“

In Syrien wurde das Polio-Virus in der an den Irak grenzenden Provinz Region Deir Al Zour bei zehn Personen nachgewiesen. In Israel wurden Poliowildviren (WPV) des Serotyps 1 bereits im April 2013 zuerst in der Stadt Rahat im Abwasser gefunden. Seither wiesen Experten die Erreger anhand von 91 Abwasserproben an 27 verschiedenen Stellen in Israel nach, darunter Mitte September 2013 auch in Jerusalem. Dabei identifizierten sie 42 sogenannte asymptomatische Virusträger, also Menschen, die den Erreger in sich tragen, aber aufgrund ihrer Immunität nicht an Kinderlähmung erkranken. Bei vier Menschen im Süden Israels besteht darüber hinaus der Verdacht einer Polio-Erkrankung.

In Deutschland werden Kinder in der Regel im ersten und zweiten Lebensjahr in mehreren Dosen gegen Polio geimpft. Eine Auffrischimpfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut für Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr. Eine weitergehende Immunisierung ist der STIKO zufolge nicht nötig. Diese Empfehlung ist jedoch nicht unumstritten: So empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO) die Auffrischung der Impfung alle zehn Jahre. Vor Reisen in Länder, in denen Polio verbreitet ist, raten Experten in jedem Fall zu einer Auffrischung des Impfschutzes.