Demenzprävention in der Küche

Eine Demenzerkrankung kann jeden treffen, gerade im höheren Lebensalter scheint niemand vor ihr gefeit. "Lange Zeit glaubte man deshalb, das Demenzrisiko werde hauptsächlich durch genetische Faktoren bestimmt und sei quasi schicksalhaft festgelegt", sagt Peter Ballmer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Kantonsspital Winterthur. Tatsächlich aber spielen beeinflussbare Faktoren wie Ernährung und Lebensstil eine wesentliche Rolle - und eröffnen den Weg zu möglichen Präventionsstrategien. In der Fachzeitschrift "Aktuelle Ernährungsmedizin" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) gibt Ernährungsexperte Ballmer nun einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung zum Thema Ernährung und Demenz.

Bereits seit längerem ist bekannt, dass zu den anerkannten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz auch solche zählen , die sich durch die Ernährung beeinflussen lassen - ein gestörter Fettsäurehaushalt etwa, oxidative Schädigungen, Bluthochdruck oder ein Typ 2-Diabetes. Eine Vielzahl von Studien hat sich daher mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Vitaminen, Antioxidanzien oder ungesättigten Fettsäuren das Demenzrisiko beeinflussen kann.

"Dabei zeigte sich, dass die isolierten Nahrungskomponenten nur einen geringen oder gar keinen Effekt auf das Demenzrisiko oder den Verlauf der Erkrankung hatten", sagt Peter Ballmer. Für B-Vitamine etwa erbrachten verschiedene Studien teils widersprüchliche Ergebnisse, und eine Metaanalyse ergab weder für gesunde Menschen, noch für Menschen mit beginnender Demenz einen eindeutig schützenden Effekt. Ähnlich wenig überzeugend ist die Datenlage für die antioxidativ wirkenden Vitamine Betakarotin, Vitamin C und E, für Flavonoide oder Omega-3-Fettsäuren.

Als vielversprechender bewertet Ballmer dagegen einen ganzheitlichen Ansatz, der sich an der mediterranen Ernährungsweise orientiert. Olivenöl, das reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und polyphenolischen Substanzen ist, sowie Gemüse, Früchte, Salate und komplexe Kohlenhydrate bilden die Hauptbestandteile dieser Ernährung; Fleisch und Milchprodukte werden dagegen in geringerem Maße konsumiert. "Die Mittelmeerkost enthält alle als potenziell gesund angesehenen Nahrungsbestandteile", erläutert der Experte und verweist unter anderem auf eine New Yorker Studie aus dem Jahr 2006. Diese hatte den Zusammenhang zwischen den Ernährungsgewohnheiten anfänglich gesunder New Yorker Bürger und der Häufigkeit einer neu auftretenden Alzheimerdemenz untersucht. Dabei zeigte sich, dass diejenigen Studienteilnehmer, die sich am konsequentesten mediterran ernährten, ein um ein Drittel reduziertes Demenzrisiko hatten.

"Der Nutzen der mediterranen Ernährung scheint auf der natürlichen Kombination nützlicher Wirkstoffe zu beruhen", resümiert Peter Ballmer. Allerdings müsse eine Demenzprävention durch Ernährung frühzeitig erfolgen, um wirksam zu sein. Denn der günstigste Effekt zeigte sich in den verschiedenen Studien immer dann, wenn die Einnahme bereits in einem sehr frühen Stadium einer Demenzerkrankung begonnen hatte. Doch ist Ernährung nicht alles - auch das betont der Schweizer Mediziner: Ein weiterer wichtiger Faktor für die Prävention einer Demenz ist etwa die konsequente Vermeidung von Bluthochdruck. Wer sich außerdem durch geistiges und körperliches Training fit hält, die ebenfalls als präventiv gelten, kann dem "Schicksal" Demenz womöglich doch ein Schnippchen schlagen.

A. Uster et al.:
Brain Food
Bedeutung der Ernährung bei der Prävention und Behandlung von Demenz
Aktuelle Ernährungsmedizin 2013; 38 (4); S. 290-295