Fieber unbekannter Ursache

In den meisten Fällen geht Fieber mit einer Infektion oder einer anderen akuten Erkrankung einher. Manchmal erkranken Menschen jedoch ohne erkennbaren Grund immer wieder an Fieberschüben. In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) erläutert ein Experte das ärztliche Vorgehen bei einem „Fieber ungeklärter Ursache“, kurz FUO.

Von einem FUO, „fever of unknown origin“, sprechen Mediziner wie Professor Martin Fleck vom Uniklinikum Regensburg, wenn die Körpertemperatur über mehr als drei Wochen immer wieder auf über 38,3 Grad steigt und auch nach einwöchiger stationärer Untersuchung keine Diagnose gestellt werden kann. Der Begriff wurde bereits 1961 geprägt, bis heute lässt sich diese Verlegenheitsdiagnose nicht gänzlich vermeiden. Im Gegenteil: FUO ist häufiger geworden. Neben dem klassischen FUO bei einem ansonsten gesunden Menschen gibt es drei weitere Formen. Das nosokomiale FUO tritt im Krankenhaus auf. Das neutropene FUO wird bei Patienten beobachtet, bei denen infolge einer Krankheit oder Behandlung Abwehrzellen im Blut knapp geworden sind und so eine sogenannte Neutropenie entwickelt haben. Schließlich kommt es auch bei HIV-Infizierten gelegentlich zu einem längeren Fieber, dessen genaue Ursache im Dunkeln bleibt.

Früher, so berichtet Professor Fleck, lag dem FUO häufig eine Krebserkrankung zugrunde, die oft erst mit mehreren Monaten Verzögerung erkannt wurde. Heute gelinge es meist, den Tumor früher zu finden. Auch Infektionen würden dank besserer Labortests heute seltener übersehen. In den entwickelten Ländern geht der Trend beim FUO zu den entzündlichen nicht-infektiösen Erkrankungen, schreibt Professor Fleck. Dazu gehören Rheuma und andere Autoimmunerkrankungen, bei denen das Abwehrsystem körpereigene Strukturen angreift. Fieber ist hier oft das erste Zeichen. Und solange typische Krankheitszeichen, etwa Gelenkbeschwerden, fehlen, werde die Erkrankung oft erst spät erkannt. Als Beispiel nennt der Experte den Morbus Still, eine rheumatische Gelenkerkrankung, die vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Bei Erwachsenen werde die Erkrankung übersehen, weil die sonst bei Autoimmunerkrankungen im Blut nachweisbaren Antikörper fehlen. Auch beim Lupus erythematodes, gelegentlich als Schmetterlingsflechte bezeichnet, verzögert sich die Diagnose häufig, weil Fieber das einzige Zeichen ist. Hier können Antikörpertests die Diagnose erleichtern, die deshalb bei FUO-Patienten durchgeführt werden sollten, wie Professor Fleck fordert. Bei Magendarmbeschwerden könne dagegen eine Darmspiegelung frühzeitig zur Diagnose führen. Nicht selten kündigt FUO einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa an.

Allgemeingültige Regeln für das diagnostische Vorgehen beim FUO gibt es laut Professor Fleck jedoch nicht. Der Experte rät den Kollegen zu einer genauen Befragung und peniblen körperlichen Untersuchung der Kranken. Danach sollten zunächst häufige Erkrankungen in Betracht gezogen werden, bevor umfangreiche Untersuchungen veranlasst werden. Professor Fleck veröffentlicht eine lange Liste von Labortests und Erregernachweisen, die beim FUO notwendig werden können. Auch die bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computer- und Kernspintomografie sollten genutzt werden.

Das Fieber allein schadet den Patienten in der Regel nicht. Ohne Diagnose sollten die Patienten nicht behandelt werden. Die Gabe von Antibiotika oder Kortison könne spätere Symptome maskieren und damit die Einleitung einer gezielten Therapie verzögern, so der Experte. Eine Ausnahme bilden der Verdacht auf eine schwere Tuberkulose oder Veränderungen der Herzklappen, da hier eine rechtzeitige Therapie lebensrettend ist. Auch bei abwehrgeschwächten Patienten, darunter HIV-Infizierte und Patienten mit Neutropenie, könnte eine Behandlung ohne Kenntnis der Fieberursache notwendig werden.

M. Fleck:
Fieber ungeklärter Ursache – Differenzialdiagnosen und Abklärung
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (37);
S. 1828-1832