Hausärztemangel entgegenwirken: Mehr Allgemeinmedizin im Studium

fzm, Stuttgart, November 2013 – Politiker und Ärztekammern suchen derzeit verzweifelt Ersatz für ausscheidende Hausärzte. Der medizinische Nachwuchs scheint sich jedoch eher für eine Tätigkeit als Facharzt oder im Krankenhaus zu interessieren. Die Ergebnisse einer in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) erschienenen Umfrage zeigen, dass viele Medizinstudenten sich für den Hausarztberuf begeistern könnten, wenn die Allgemeinmedizin im Studium stärker berücksichtigt würde.

Insgesamt 1299 Medizinstudenten aus den fünf Medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg, Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm, haben den Online-Fragebogen ausgefüllt, den das Team um Dr. med. Jost Steinhäuser vom Universitätsklinikum Heidelberg entworfen hat. Die Studenten wurden dort nach ihren Sichtweisen auf das Gebiet Allgemeinmedizin befragt. Immerhin die Hälfte der Studenten hielt den Hausarztberuf für attraktiv oder zumindest teilweise für attraktiv. Als Gründe wurden vor allem die abwechslungsreiche Tätigkeit und gute Verdienstmöglichkeiten genannt. Aber auch ein sicherer Arbeitsplatz, die geringere Belastung durch entfallende Nachtdienste, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die öffentliche Anerkennung machen den Hausarztberuf für viele Medizinstudenten interessant.

Die Einschätzung war umso positiver, je mehr die Studenten die Tätigkeit des Hausarztes bereits aus eigener Erfahrung kannten, sei es als Praktikant oder auch als Patient. Im Studium hatten aber weniger als die Hälfte der Studenten Kontakt zur Allgemeinmedizin. Der Versorgungsforscher Dr. Steinhäuser bedauert dies. Seiner Ansicht nach könnten mehr Studenten für das Fach begeistert werden, wenn es im Studium stärker berücksichtigt würde. Die vorgesehene Einführung eines zweiwöchigen Blockpraktikums für alle Studenten betrachtet er daher als Schritt in die richtige Richtung.

Die Umfrage ermittelte aber auch Gründe, die Studenten schließlich davon abhalten könnten, sich für den Beruf des Hausarztes zu entscheiden. Dazu gehört laut Dr. Steinhäuser vor allem das schlechte Image des Hausarztberufs unter Kollegen. Weniger als ein Fünftel der Studenten waren der Ansicht, dass der Beruf in den Medien positiv dargestellt werde. Dass Fach- und Krankenhausärzte eine gute Meinung von ihren Hausarztkollegen haben, glaubten ebenfalls weniger als ein Fünftel des Nachwuchses. Dr. Steinhäuser kann dies bestätigen. Unter Fachärzten gebe es häufig ein Schlechtreden der Hausärzte, die oft als unwissenschaftlich abqualifiziert würden. Eine Ursache hierfür sieht der Versorgungsforscher wiederum in der fehlenden „akademischen Verankerung“ der Allgemeinmedizin, die im Studium nur ein Nebenfach ist. Auch dies spreche dafür, die Allgemeinmedizin im Stundenplan der Studenten stärker als bisher zu berücksichtigen.

J. Steinhäuser et al.:
Wie sehen Medizinstudierende die Allgemeinmedizin?
Ergebnisse einer onlinebasierten Querschnittstudie in Baden-Württemberg
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (42); S. 2137-2142