Herzinfarkt-Behandlung in Deutschland auf hohem Niveau

Die meisten Menschen, die in Deutschland einen schweren Herzinfarkt erleiden, erhalten eine Behandlung nach dem Stand der derzeitigen medizinischen Möglichkeiten. Dies geht aus einer Auswertung des Deutschen Herzinfarkt-Registers in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) hervor.

Zum Herzinfarkt kommt es, wenn ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß, Koronarie, verengt und Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Ein erstes Zeichen ist eine Veränderung in der Herzstromkurve (EKG), nach der schwere Herzinfarkte auch als ST-Streckenhebungs-Myokardinfarkte oder STEMI bezeichnet werden. In diesem Fall besteht die beste Therapie derzeit in der sogenannten perkutanen koronaren Intervention oder PCI: Ein Kardiologe versucht, die Gefäßblockade mit einem Katheter zu beseitigen, der über die Leistenarterie bis in die Koronarie vorgeschoben wird. Dies gelingt heute in den meisten Fällen, und die PCI hat die frühere Standardbehandlung, die sogenannte Fibrinolyse, abgelöst. Bei dieser wird dem Patienten ein Enzym in eine Vene gespritzt, das das Blutgerinnsel medikamentös auflösen soll. Beide Therapien sind um so erfolgreicher, je früher sie begonnen werden. Als Zeitlimit gilt zwölf Stunden nach Schmerzbeginn.

Um den derzeitigen Stand der STEMI-Behandlung zu untersuchen, hat das Institut für Herzinfarktforschung in Ludwigshafen ein Deutsches Herzinfarkt-Register eingerichtet. Dorthin meldeten ab September 2007 über ein Jahr lang ein Viertel aller 1076 Kliniken, die in Deutschland Herzinfarkte behandeln, ihre Ergebnisse. Wie Professor Uwe Zeymer vom Klinikum Ludwigshafen in der „DMW“ berichtet, verfügten drei von vier Kliniken über ein spezielles Herzkatheterlabor für die PCI. Hier erhielten etwa 91 Prozent der STEMI-Patienten eine PCI-Therapie. Eine Fibrinolyse wird an diesen Kliniken nur noch selten durchgeführt. Doch auch an den anderen Kliniken, die selbst keine PCI durchführen können, nimmt die medikamentöse Behandlung ab. Der Anteil betrug laut Professor Zeymer nur knapp sechseinhalb Prozent. Die meisten anderen Patienten, nämlich rund 81 Prozent, wurden für eine PCI in die nächste Klinik mit einem Herzkatheterlabor überwiesen. Dank der schnellen Krankentransporte ist der Zeitverlust heute gering. Aus den von Professor Zeymer vorgelegten Daten geht hervor, dass auch Patienten, die zunächst von einer Klinik ohne Herzkatheterlabor aufgenommen werden, in den meisten Fällen rechtzeitig eine PCI erhalten. Bei ihnen vergingen im Durchschnitt 105 Minuten vom Schmerzbeginn bis zum medizinischen Erstkontakt und dann noch einmal 175 Minuten bis zur PCI. Sie lagen damit deutlich unter dem Limit von 760 Minuten oder zwölf Stunden.

Professor Zeymer ist mit den Ergebnissen zufrieden. Insgesamt erhielten fast 90 Prozent aller STEMI-Patienten die in den medizinischen Leitlinien vorgesehen Therapien, schreibt er in der „DMW“. Das sei im europäischen Vergleich eine sehr gute Versorgung. In anderen europäischen Ländern liege der Anteil zwischen 50 und 90 Prozent. Professor Zeymer lobt die enge Kooperation von Rettungsdiensten, Krankenhäusern ohne Herzkatheter und Zentren mit 24-Stunden-PCI-Bereitschaft, die die exzellente Versorgung von Herzinfarktpatienten in Deutschland erst möglich machen.

U. Zeymer et al.:
Therapie des akuten ST-Streckenhebungs-Myokardinfarkts in Krankenhäusern mit und ohne Herzkatheterlabor Ergebnisse des Deutschen Herzinfarkt-Registers (DHR)
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (39);
S. 1935-1940