Mangelnder Impfschutz: Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten in Europa noch immer weit verbreitet: Kinderkrankheiten treffen zunehmend Erwachsene

Düsseldorf, Oktober 2013 – Obgleich die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten in den meisten europäischen Ländern zu den empfohlenen Standardimpfungen gehören, sind die Infektionen in Europa noch immer weit verbreitet. So verzeichnete Deutschland bis September dieses Jahres 1570 Masern-Fälle. Im gleichen Zeitraum 2012 waren es nur 151. Wegen fehlenden Impfschutzes erkranken in Europa immer häufiger auch Erwachsene an vermeintlichen Kinderkrankheiten. Je älter Betroffene sind, desto eher verlaufen die Erkrankungen kompliziert. Erkrankte stellen zudem ein hohes Risiko für noch ungeimpfte Säuglinge dar. Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt, den eigenen Impfstatus beim Arzt überprüfen und Standardimpfungen, falls nötig, auffrischen zu lassen.

Gemäß dem Jahresreport 2012 des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) meldeten die Länder der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums im Jahr 2010 32480 Fälle von Masern, 13964 Fälle von Keuchhusten, 7103 Fälle von Mumps und 4729 Fälle von Röteln. „Hierbei handelt es sich allerdings nur um die bestätigten Erkrankungen – man kann davon ausgehen, dass die tatsächlichen Fallzahlen um ein Vielfaches höher liegen“, erläutert Privatdozent Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Denn längst nicht alle Erkrankungen werden ärztlich behandelt. Zudem besteht nicht in allen Ländern Europas eine Meldepflicht.“ In Deutschland etwa gehören Mumps, Pertussis – also Keuchhusten – und Röteln erst seit März 2013 zur Liste der meldepflichtigen Erkrankungen.

Seit einigen Jahren sind zunehmend Jugendliche und Erwachsene von den vermeintlichen Kinderkrankheiten betroffen: In Europa traten dem ECDC zufolge 2010 die meisten Mumps-Fälle bei den 15- bis 24-Jährigen auf. Bei Pertussis-Erkrankungen lag in Deutschland das Durchschnittsalter 1995 noch bei 15 Jahren, heute bei 42 Jahren. Ähnliche Entwicklungen sind bei den Masern- und Röteln-Infektionen zu beobachten. „Mangelnder Impfschutz in der Bevölkerung ist der Grund, weshalb diese Infektionserkrankungen nach wie vor weit verbreitet sind und die Fallzahlen teilweise sogar wieder zunehmen“, so Jelinek. Die meisten Betroffenen sind entweder gar nicht oder nur unvollständig geimpft - etwa wenn in der Kindheit nicht alle notwendigen Impfdosen verabreicht wurden oder die Impfung zu lange zurückliegt und nicht aufgefrischt wurde.

Zwar verlaufen die Erkrankungen oft harmlos. Doch je älter Betroffene sind, desto höher ist das Risiko komplizierter Verläufe. So kann eine Maserninfektion unter anderem Lungen- und Gehirnhauentzündungen zur Folge haben. Eine Mumps-Erkrankung geht bei rund einem Drittel der erwachsenen Männern mit einer Hoden-Entzündung einher. „Sehr problematisch ist zudem, dass von Erkrankten eine Gefahr für noch nicht geimpfte Säuglinge ausgeht, wenn sich diese bei ihnen anstecken“, erklärt Jelinek. Eine Infektion mit Pertussis-Erregern kann bei Babys zu lebensbedrohlichen Atemstillständen führen.

Die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten gehören in Deutschland zu den Standardimpfungen in der Kindheit. Wegen der Zunahme der Erkrankungsfälle bei Jugendlichen und Erwachsenen empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) eine Masernimpfung auch nach 1970 geborenen Personen, wenn sie in der Kindheit nicht oder nur einmal geimpft wurden. Der heutzutage verwendete Dreifach-Impfstoff bietet zusätzlich den Immunschutz gegen Mumps und Röteln. Bei Pertussis gilt: Auch wer im Kindesalter geimpft wurde, sollte sich als Erwachsener einmalig gegen Keuchhusten impfen lassen. Die nächste Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphterie, die alle zehn Jahre empfohlen ist, sollte als Kombinationsimpfung, die auch eine Keuchhustenkomponente enthält, verabreicht werden. Bei Reisen können, je nach Infektionsrisiko im Zielland, weitere Impfungen sinnvoll sein. Hierzu sollten Reisende sich von einem Reisemediziner beraten lassen.