Herzrhythmusstörungen: Magnesiummangel kann tödlich sein

Stuttgart, Juni 2013 – Magnesium gehört zu den Spurenelementen, die für den Menschen lebenswichtig sind. Ein Mangel kann vor allem für Menschen mit vorgeschädigtem Herzen gefährlich werden. Bei ihnen kann die rechtzeitige Behandlung mit Magnesium tödliche Herzrhythmusstörungen verhindern, berichten Vertreter der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V., die in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) Therapieempfehlungen geben.

Mehr als 300 biochemische Reaktionen sind auf Magnesium angewiesen, dem vierthäufigsten Mineral im menschlichen Körper. Magnesium wird in Muskeln und Nervenzellen benötigt. Die wichtigste Aufgabe hat der Mineralstoff jedoch im Herzen. Magnesium ist dort ein Aktivator von zahlreichen Enzymen und Pumpen auf der Zellmembran, die die Herzaktion beeinflussen. „Es ist seit langem bekannt, dass Magnesiummangel zu Herzrhythmusstörungen führen kann“, schreibt Professor Klaus Kisters vom St. Anna Hospital in Herne: „Umgekehrt können durch die Verabreichung von Magnesium Herzrhythmusstörungen verhindert oder beseitigt werden.“

Vor allem bei Menschen mit Herzkrankheiten sollten die Ärzte deshalb auf eine ausreichende Versorgung mit Magnesium achten. Professor Kisters nennt hier in erster Linie Menschen mit Bluthochdruck und solche, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden. Wenn das Herz durch Verengungen der Herzkranzgefäße, einen früheren Herzinfarkt oder eine Pumpschwäche vorgeschädigt ist, kann es zu chaotischen Bewegungen des Herzmuskels kommen, die Mediziner als „Torsade-de-pointes“ bezeichnen. Gefährdet sind auch Menschen mit einer Auffälligkeit im EKG, den sogenannten QT-Intervall-Verlängerungen. „Diese Störung kann genetisch bedingt sein oder durch verschiedene Pharmaka ausgelöst werden“, erläutert Professor Kisters. Dazu gehören nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch Allergiemittel mit den Wirkstoffen Diphenhydramin und Clemastin, die Patienten ohne Rezept in der Apotheke erhalten können. Der Experte vermisst hier einen Hinweis in der Packungsbeilage, dass eine ausreichende Magnesiumzufuhr eine schützende Wirkung haben kann.

Magnesium ist vor allem in Blattgemüse wie Spinat enthalten, aber auch Bohnen und Erbsen, Nüsse und Samen oder Vollkornbrot sind eine gute Nahrungsquelle. Die meisten Menschen nehmen genügend Magnesium zu sich. Zu einem Mangel kann es kommen, wenn bei Darmkrankheiten – oder einem zu hohen Alkoholkonsum - nicht genügend Magnesium aufgenommen oder über die Niere zu viel Magnesium verloren geht. Dies kann bei harntreibenden Mitteln der Fall sein, die zur Behandlung von Bluthochdruck oder Herzkrankheiten eingesetzt werden. Zu einem Mangel kann es nach Angabe von Professor Kisters aber auch durch das Herzmittel Digitalis kommen sowie nach der Einnahme von bestimmten Antibiotika, Pilzmitteln, Immunsuppressiva, Zytostatika und Medikamenten zur Vorbeugung der Osteoporose. Zu den Symptomen, die auf einen Magnesiummangel hinweisen, gehören Muskelkrämpfe, motorische Unruhe, erhöhte Erregbarkeit, schnelle Ermüdung, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmung und Schlafstörungen.

Mithilfe einer gesunden Ernährung allein lässt sich ein Magnesiummangel, der durch eine verminderte Aufnahme im Darm oder eine erhöhte Ausscheidung über die Niere verursacht wurde, nicht ausgleichen. Die Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. gibt deshalb in der DMW Empfehlungen, wann die Einnahme von Magnesium-Tabletten sinnvoll und wann eine intravenöse Therapie bei diesen Personen notwendig ist.

W. Vierling et al.:
Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (22);
S. 1165-1171