Meningokokken-Infektionen: Umfassender Impfschutz in Verbreitungsgebieten sinnvoll

Düsseldorf, Dezember 2013 – Meningokokken-Bakterien sind weltweit verbreitet und können innerhalb weniger Stunden nach Ansteckung zu einer lebensbedrohlichen Entzündung der Hirnhäute oder einer Blutvergiftungen führen. Rund zehn Prozent der Erkrankten sterben. Weitere zehn bis 20 Prozent tragen unheilbare Spätfolgen davon. Bislang konnte nur gegen die Meningokokken-Serotypen A, C, W135 und Y geimpft werden. Seit Dezember 2013 ist in Europa nun auch ein Impfstoff gegen Meningokokken B erhältlich. Dieser Serotyp kommt vor allem in Mitteleuropa und Nordamerika vor, in Deutschland machen Meningokokken B über 70 Prozent der Infektionen aus. Zwei Altersgruppen sind besonders betroffen: Kleinkinder im 1. und 2. Lebensjahr und Teenager. Reisende, die Regionen mit erhöhtem Meningokokken-Risiko oder aktuellen Ausbrüchen besuchen oder in Verbreitungsgebieten engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben – etwa Austauschschüler und –studenten – ist ein möglichst umfassender Meningokokken-Impfschutz empfohlen, so das CRM Centrum für Reisemedizin.

Meningokokken-Erkrankungen werden durch ein Bakterium (Neisseria-meningitidis) verursacht, das im Nasen-Rachen-Raum vorkommt. Zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung tragen die Keime in sich, ohne zu erkranken. Von den insgesamt zwölf Serotypen sind die Serotypen A, B, C, W135 und Y weltweit für die Mehrzahl der Erkrankungen verantwortlich. Übertragen werden Meningokokken-Bakterien über Schleimhautkontakt und Tröpfcheninfektion, also Küssen, Anhusten oder -niesen. Enger Kontakt wie in Kitas und Gemeinschaftsunterkünften für Schüler und Studenten, können die Verbreitung von Meningokken begünstigen.

An zwei US-amerikanischen Universitäten kam es kürzlich zu einen Ausbruch von Meningokokken B-Erkrankungen: An der Princeton University in New Jersey und an der University of California in Santa Barbara sind bislang insgesamt zehn Personen erkrankt. Die Impfung gegen Meningokokken Typ B ist derzeit in den USA noch nicht im Handel. Um den Ausbruch einzudämmen, ist eine Impfkampagne mit dem importierten Impfstoff geplant, wie die US-Seuchenschutzbehörde CDC mitteilte.

In Europa und Nordamerika kommen vor allem die Meningokokken-Serotypen B und C vor. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 306 Erkrankungen registriert. Weitaus mehr Fälle gibt es in Asien und Afrika: Als Risikogebiete gelten die Sahel-Zone, auch „Meningitis-Gürtel“ genannt, sowie Teile Ost- und Nordafrikas. Auch im Nahen Osten und in Saudi-Arabien ist die Erkrankung verbreitet, ebenso sind Ausbrüche in Nepal und Nordindien bekannt.

„Wer in eine Regionen mit erhöhtem Meningokokken-Risiko oder einem aktuellen Ausbruch reist, oder aber einen längeren Aufenthalt in Verbreitungsgebieten plant und engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung hat, sollte einen möglichst umfassenden Meningokokken-Impfschutz haben – also gegen alle derzeit impfpräventablen Serotypen A, B, C, W135 und Y geimpft sein“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Hierzu sollten sich Reisende von einem Reisemediziner beraten lassen.

Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts derzeit nur die Meningokokken C-Impfung. Die Sächsische Impfkommission wird die neue Meningokokken B-Impfung ab 1. Januar 2014 in ihre Impfempfehlungen für das Bundesland Sachsen aufnehmen.