Angeborene Blutungen der Netzhaut schwer behandelbar: Wachstumshemmer gegen Exsudative Retinopathien

Stuttgart/Berlin, September 2013 – Angeborene Netzhauterkrankungen, bei denen Blutbestandteile aus den Gefäßen des Auges austreten, sind zwar äußerst selten. Doch die betroffenen Kinder können durch diese „exsudativen Retinopathien“ schwerste Sehstörungen erleiden und erblinden. Deshalb testen Forscher derzeit eine neue Behandlungsmethode, die eine Lasertherapie verbessern soll, mit der Netzhauterkrankungen wie Morbus Coats heute behandelt werden. In der Jubiläumsausgabe der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde (Thieme, Stuttgart. 2013) beschreiben Experten, warum eine frühe Diagnose wichtig ist und wie Augenärzte den Patienten bestmöglich helfen können. Die „KliMo“ feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Damit ist sie eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Zum Jubiläum veranstaltet der Verlag ein Symposium auf dem 111. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin.

Häufig werden Exsudative Retinopathien zufällig entdeckt: „Manchmal fällt Eltern auf einem Foto auf, dass nur eines der beiden Augen ihres Kindes das Blitzlicht rot reflektiert, während das andere weiß oder gelblich leuchtet“, erläutert Professor Dr. med. Gerhard Lang, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Ulm und Schriftleiter der KliMo. „Ursache für die einseitig weiß erscheinende Pupille sind Cholesterinablagerungen in der Netzhaut. Sie deuten auf eine Form von Retinopathie hin, genannt Morbus Coats“, erklärt er. Die Blutfette sickern aus undichten Blutgefäßen im Auge. Morbus Coats betrifft in neun von zehn Fällen nur ein Auge.

Auch bei der sogenannten familiären exsudativen Vitreoretinopathie (FEVR) treten Blutsubstanzen in die Netzhaut des Auges aus. Diese Erkrankung befällt meist beide Augen. „Durch austretende Flüssigkeit und gelegentliche Blutungen vergrößert sich der Glaskörper und zieht an der Netzhaut, wodurch sich diese ablöst“, sagt Lang. Dann können die Betroffenen schwere Sehstörungen erleiden und im schlimmsten Fall erblinden.

Beide Krankheiten sind nicht heilbar, lassen sich aber bedingt aufhalten: Mittels Laserlicht veröden Ärzte die undichten Blutgefäße. Bei Morbus Coats stehen zwar die Ablagerungen im Vordergrund, aber auch hier hat sich diese Lasertherapie bewährt. Um die Behandlung zu verbessern, erproben Forscher derzeit Wirkstoffe, die schon bei ähnlichen Erkrankungen zum Einsatz kommen, so genannte VEGF-Hemmer: In den Augapfel des Patienten gespritzt, sollen sie das Wachstum neuer Blutgefäße unterdrücken.

In der Jubiläumsausgabe der KliMo berichten Wissenschaftler der Charité Universitätsmedizin Berlin über erste Erfahrungen mit der neuen Therapie: Die Injektionen würden die Exsudation zwar verringern und damit eine Laserbehandlung verbessern, schreibt Professor Dr. med. Antonia Joussen. Die Schäden an den Blutgefäßen selbst bilden sich jedoch nicht vollständig und dauerhaft zurück. Der endgültige Stellenwert der neuen Therapie lasse sich nur in internationalen Studien klären, so die Experten. Denn beide Erkrankungen sind äußerst selten: Bei Morbus Coats kommen auf 10 Millionen Einwohner neun Erkrankungen. Auch FEVR gehört zu den seltenen Krankheiten, den „orphan diseases“.

Quelle:
A. M. Joussen, R. S. Gordes, F. A. Heußen, B. Müller
Retinal exsudative Gefäßerkrankungen im Kindesalter: Morbus Coats und familiär exsudative Vitreoretinopathie (FEVR); Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2013; 230: 902–913

 

Die Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde (KliMo) sind vor 150 Jahren zum ersten Mal erschienen. Gegründet 1863 von Karl Wilhelm v. Zehender, unterstützt von Theodor Sämisch und Albrecht von Graefe, dienten sie schon damals dem Augenarzt in Klinik und Praxis. Die Monatsblätter informieren die Leser seitdem fortlaufend über Erkenntnisse der klinischen Forschung in der Ophthalmologie. Die KliMo sind das offizielle Organ der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und erscheinen im Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

  • Pressetermin

    Terminhinweis:
    Symposium: 150 Jahre Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde: „Immer einen Blick voraus“
    Samstag, 21. September 2013, 14.30 bis 16.00 Uhr
    Ort: Estrel Convention Center, Saal C, Sonnenallee 225, 12057 Berlin

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