Rauchstopp per SMS

fzm, Stuttgart, November 2013 – Auch wer fest entschlossen ist, mit dem Rauchen aufzuhören, tut sich damit nicht immer leicht. Jugendliche von der Zigarette abzubringen ist noch deutlich schwieriger - denn häufig spielen sie noch nicht einmal mit dem Gedanken, das Rauchen aufzugeben. Eine norddeutsche Studie deutet nun darauf hin, dass das Handy als ständiger Begleiter der Jugendlichen womöglich dazu beitragen kann, den Weg in die Rauchabstinenz zu ebnen. In der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) stellen Wissenschaftler um Severin Haug vom Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universität Greifswald ihre Untersuchung vor, bei der die Probanden per SMS angeleitet und betreut wurden.

An der Studie nahmen insgesamt 210 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren teil, die Haug und seine Kollegen an verschiedenen Berufsschulen in Bremen rekrutiert hatten. Teilnehmen konnten nur Auszubildende, die angaben, täglich Zigaretten zu konsumieren. Außerdem mussten sie ein Handy besitzen und regelmäßig dessen SMS-Funktion nutzen - denn das von den Forschern entwickelte Programm "MyWay" nutzt den Kurznachrichtendienst, um die Probanden mindestens einmal pro Woche auf das Thema Rauchen anzusprechen und mit Tipps zu versorgen. So werden die Jugendlichen etwa nach ihrem aktuellen Tabakkonsum gefragt, aber auch danach, ob sie über einen Rauchstopp nachdenken. Als Antwort müssen die Probanden meist nur einen Buchstaben oder eine Zahl eingeben. "Diese Angaben nutzt "MyWay", um aus einer Vielzahl von SMS-Nachrichten eine möglichst auf die individuelle Situation des Probanden zugeschnittene Nachricht auszuwählen und zu verschicken", erläutert Severin Haug. Darunter sind Nachrichten, die eine Reduktion der täglichen Zigarettenzahl loben, aber auch solche mit praktischen Tipps - etwa wie man sich bei plötzlich aufkommendem Verlangen nach einer Zigarette ablenken kann.

Ein Anliegen der Forscher war es zunächst, die Akzeptanz von "MyWay" zu testen. Hier war die Bilanz nach Abschluss des 14-wöchigen Programms ambivalent: Positiv war, dass 51 Prozent der Rauchenden am Programm teilnahmen, was im Vergleich zu anderen Rauchausstiegs-Interventionen in dieser Zielgruppe hoch ist. Für die Nachbefragung drei Monate nach Programmende konnten 60 Prozent der Teilnehmer erreicht werden. Von diesen würde die Hälfte das Programm weiterempfehlen. "Bei der Akzeptanz gibt es noch Verbesserungspotenzial", räumt Studienleiter Haug ein. Vor dem Hintergrund, dass rund zwei Drittel der Probanden zu Studienbeginn keine Absicht hatten, mit dem Rauchen aufzuhören, seien die erzielten Teilnahmeraten jedoch hoch.

Mit der Effizienz des Programms zeigen sich die Forscher zufrieden. Während zu Beginn der Intervention sämtliche Teilnehmer täglich geraucht hatten, taten dies bei der Nachbefragung nur noch 77 Prozent. Zehn Prozent gaben an, nicht mehr jeden Tag zur Zigarette zu greifen, und immerhin 14 Prozent hatten nach eigenen Angaben ganz mit dem Rauchen aufgehört. Auch die Zahl derer, die über einen Rauchstopp nachdachten, hatte sich deutlich erhöht.

Insgesamt bewerten Haug und seine Kollegen das Programm als erfolgversprechend. "Durch die Nutzung von SMS ist es eng an die Lebenswelt der Zielgruppe angepasst", so Haug. Außerdem sei die Kommunikation auf diese Weise zeitlich und örtlich unabhängig. Einen weiteren Vorteil sehen die Forscher in der weitgehenden Automatisierung - denn sie erlaubt es, auch große Teilnehmerzahlen kostengünstig und dennoch individuell zu betreuen.

S. Haug et al.:
Kurzintervention zur Förderung der Tabakabstinenz via Short Message Service (SMS) bei Auszubildenden an beruflichen Schulen: Longitudinale Interventionsstudie zur Ergebnis- und Prozessevaluation
Das Gesundheitswesen 2013; 75 (10); S. 627-633