Reisediarrhoe: Vorsicht bei anhaltenden Durchfällen

Auf Reisen in tropische Länder sind Durchfallerkrankungen häufig nicht vermeidbar. In der Regel ist nach zwei bis drei Tagen alles überstanden. Doch wehe, wenn die Reisediarrhoe anhält. Komplikationen und chronische Durchfälle erfordern einen Erregernachweis und eine gezielte Therapie, erläutert ein renommierter Tropenmediziner in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2013).

Eine Reisediarrhoe ist nicht immer harmlos, schreibt Professor Gerd-Dieter Burchard, der in Hamburg die Bernhard-Nocht-Ambulanz für Tropenmedizin leitet. Salmonellen könnten ins Blut übertreten und auf andere Organe wie Gallenblase, Herz, Hirnhäute, Lungen und Niere übergreifen. Nach einer Amöbenruhr, so der Experte, kann es zu einem Abszess in der Leber kommen. In seltenen Fällen, beispielsweise nach einer Shigellen-Infektion, können Gelenkbeschwerden auftreten. Campylobacter-Erreger können sogar ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen, eine Entzündung der Nerven, die mit vorübergehenden Lähmungen einhergeht. Die meisten Nachwehen eines Reisedurchfalls sind jedoch harmlos. Professor Burchard: Etwa fünf bis zehn Prozent aller Rückkehrer leiden nach überstandener Reisediarrhoe noch einige Zeit an einem Reizdarm-Syndrom, das mit gelegentlichen Durchfällen, Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen einhergeht. Mit der Zeit legen sich die Beschwerden.

Unkomplizierte wässrige Diarrhoen bedürfen laut Professor Burchard nicht zwingend einer weiteren medizinischen Abklärung. Eine diagnostische Klärung sollte aber immer bei blutigen oder schleimigen Durchfällen erfolgen oder wenn die Diarrhoe von Fieber begleitet wird. Bei Fieber besteht nach Tropenreisen immer der Verdacht auf eine Malaria. Blutige Durchfälle seien oft ein Hinweis auf eine Amöbenruhr. Bei anhaltenden wässrigen Durchfällen sucht der Tropenmediziner zunächst nach Giardia lamblia. Der Einzeller, der im Wasser lebt und vorwiegend durch ungekochte Speisen übertragen wird, ist der häufigste Erreger von Parasitenerkrankungen nach Tropenreisen. Eine Infektion ist nach Erfahrung von Professor Burchard oft schwer nachzuweisen. Häufig gelinge dies nur mit einer teuren Polymerase-Kettenreaktion, die Gene des Erregers im Stuhl nachweist. Zu den Tests bei chronischen Reisedurchfällen gehört auch eine Blutuntersuchung. Eine erhöhte Zahl von eosinophilen Granulozyten weist auf einen Wurmbefall hin. Nach Tropenreisen wird laut Professor Burchard am häufigsten der Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis) gefunden.

Durchfallerkrankungen durch Parasiten können heute mit dem Wirkstoff Metronidazol gut behandelt werden. Bei schweren Durchfällen geben die Mediziner zusätzlich ein Antibiotikum, da bei der Stuhluntersuchung häufig noch andere Bakterien nachgewiesen werden und die Testergebnisse erst nach mehreren Tagen vorliegen. Professor Burchard lässt dabei die Empfindlichkeit einzelner Antibiotika untersuchen. Bei bakteriellen Durchfallerregern sei zunehmend häufig mit Resistenzen zu rechnen, schreibt der Experte. In aller Regel finden die Tropenmediziner jedoch nach der Identifizierung ein passendes Gegenmittel.

G. D. Burchard et al.:
Reisediarrhoe
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138 (33);
S. 1673-1686