Theodor-Axenfeld-Preis für Münchner Augenärzte: Neue Wirkstoffe zur Behandlung neovaskulärer AMD

Stuttgart, September 2013 – Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der bestimmte Sehzellen in der Netzhautmitte absterben, ist die Hauptursache für das Erblinden von über 60-jährigen Patienten in den westlichen Industrienationen. Etwa zehn Prozent der Betroffenen entwickeln die schwerwiegendere neovaskuläre Form. Für sie könnten in Zukunft sogenannte Multikinase-Inhibitoren (MKI) den Therapieerfolg erhöhen. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München haben die Medikamente in Bezug auf ihre Verträglichkeit im Auge getestet und positive Ergebnisse erzielt. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) zeichnet Sarah Thiele und Privat-Dozent Dr. Marcus Kernt für ihre in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag) veröffentlichte Studie jetzt mit dem Theodor-Axenfeld-Preis aus. Die Verleihung fand am 21. September 2013 im Rahmen des 111. Kongresses der DOG in Berlin statt.

Gerade Linien erscheinen verbogen, das Sehen ist verzerrt: Die neovaskuläre, auch als „feuchte“ AMD bezeichnete Augenerkrankung behindert die Betroffenen erheblich. Verantwortlich dafür ist eine krankhafte Gefäßeinsprossung im Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, der sogenannten Makula, in deren Folge Sehzellen absterben. „Unbehandelt würde ein großer Teil dieser Patienten erblinden“erläutert Sarah Thiele, Erstautorin der ausgezeichneten Studie. Die Behandlung mit sogenannten Multikinase-Inhibitoren (MKI) könnte die Therapie in Zukunft verbessern. Die Medikamente hemmen das Zellwachstum und werden daher vor allem in der Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt. Neueste Studien zeigen, dass einige dieser MKI auch bei der Behandlung neovaskulärer Netzhauterkrankungen helfen können. Hier unterbinden sie die netzhautschädigende Gefäßbildung.

Da die Wirkstoffe beim Einbringen ins Auge mit einer Reihe sensibler Augenstrukturen in Kontakt kommen, untersuchten Sarah Thiele und ihre Kollegen drei ausgewählte Substanzen hinsichtlich ihrer toxologischen Sicherheit. Dafür brachten sie sie mit verschiedenen Zellkulturen und Spenderhornhäute des Auges in Kontakt. „Für Axitinib, Pazopanib sowie Sorafenib ergaben sich bis zu einer Konzentration von 7,5 µg/ml keine toxischen Effekte“, fasst der Leiter der Arbeitsgruppe Zellbiologische Forschung der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Koordinator der Studie Privat-Dozent Dr. Marcus Kernt zusammen. Eine spezifische Wirkung der Substanzen stellten die Wissenschaftler bereits ab einer Konzentration von 1 µg/ml und weniger fest. So kann von einer guten Verträglichkeit der Medikamente ausgegangen werden.

Für die DOG ist die ausgezeichnete Studie ein wichtiger Beitrag, die Therapie schwerwiegender Augenerkrankungen, die unbehandelt zur Erblindung führen können, weiter zu verbessern. Die Ergebnisse tragen dazu bei, dass die Wirkstoffgruppe der MKI zukünftig das Spektrum der wirksamen Therapeutika erweitern kann, so die Jury. Diese setzt sich aus der Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“ und Vertretern der DOG sowie der ophthalmologischen Fachgesellschaften der Schweiz und Österreich zusammen.

Erstmals 1938 verliehen, feiert der Theodor-Axenfeld-Preis in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. Seit 1964 wird die Auszeichnung regelmäßig alle zwei Jahre für eine herausragende Veröffentlichung in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ vergeben. Das Preisgeld von 1500 Euro stiftet der Georg Thieme Verlag. Der Preis ist benannt nach Theodor Axenfeld, dem ehemaligen Herausgeber der Zeitschrift. Bis 1930 prägte er deren Inhalte wesentlich und baute sie zu einem wichtigen Publikations- und Weiterbildungsorgan aus. Die „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“ feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Damit ist das offizielle Publikationsorgan der DOG die älteste, kontinuierlich publizierte ophthalmologische Fachzeitschrift der Welt.

S. Thiele et al.:
„Multikinase-Inhibitoren als therapeutischer Ansatz bei neovaskulärer AMD: Invitro-Evaluation der Sicherheit von Axitinib, Pazopanib und Sorafenib zur intraokularen Anwendung“
Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2013; 230 (3);
S. 247-254