Mit der Ampel gegen das Übergewicht

Der Anteil übergewichtiger und adipöser Menschen nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten zu. Bisherige Versuche, die breite Bevölkerung für ein gesundes Essverhalten zu sensibilisieren, sind offenbar gescheitert. In der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) plädiert ein deutsch-österreichisches Wissenschaftlerteam nun dafür, die Menschen über Cateringdienste zu erreichen.

"Immer mehr Menschen nehmen ein Mittagessen aus Gemeinschaftsverpflegung ein", erläutert Axel Bruder, Gesundheitswissenschaftler an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften in Hall/Tirol. Über eine Ernährungsampel und Kalorienangaben auf den Speiseplänen der Caterer könne man die Klienten womöglich zu einer gesünderen Ernährung bewegen, so die Wissenschaftler, die diese Frage in einer Studie untersucht haben.

Für ihre Untersuchung gewannen Axel Bruder und seine Kollegen insgesamt über 500 Teilnehmer, die an vier verschiedenen Orten mit dem Mittagessen ein und desselben Caterers beliefert wurden. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Einrichtungen des Gesundheitswesens, sodass eine gemischte, aus Patienten, Mitarbeitern und Gästen bestehende Klientel erreicht wurde.

In einer ersten, vierwöchigen Testphase wurde den Probanden ein Speiseplan ohne jede Nährwertangabe ausgeteilt. Während der zweiten, ebenfalls vierwöchigen Phase enthielt die Hälfte der Speisepläne Angaben über den Kaloriengehalt der zur Auswahl stehenden Menüs, die andere Hälfte war darüber hinaus mit so genannten Ernährungsampeln versehen. Dabei wird der Gehalt der Nährstoffe Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz anhand festgelegter Nährwertgrenzen in Farbbereiche eingeteilt: Die Ampelfarben von rot über gelb bis grün stehen dabei für einen zunehmend gesünderen Nährstoffgehalt.

Wie der Vergleich der ersten und der zweiten Versuchsphase ergab, ließ sich mit der Kennzeichnung zwar keine statistisch signifikante Verbesserung der Speisenauswahl erreichen; gleichwohl erkannten die Forscher einen leichten Trend in die gewünschte Richtung. Besonders ausgeprägt war dieser in der Gruppe der Mitarbeiter und Gäste. Diese hatten zu Beginn eher das Mittagsmenü mit schlechterer Ampelbewertung und höherer Kalorienzahl bevorzugt - wogegen Patienten bereits im ersten Durchlauf eher Menüs auswählten, die als empfehlenswert gelten konnten. "Dies spricht dafür, dass der Effekt durch die Ampel- und Kalorienangaben bei Menschen mit eher wenig gesundheitsbewusstem Ernährungsverhalten am deutlichsten ist", sagt Axel Bruder.
Insgesamt war der beobachtete Effekt nur in geringem Maße davon abhängig, ob die Kennzeichnung als reine Kalorienangabe oder zusätzlich als Ampel erfolgte. Der größte Unterschied in der Essensauswahl zeigte sich bei der gepoolten Auswertung aller Versuchsteilnehmer aus beiden Kennzeichnungsgruppen. Dies, so Bruder, lege den Schluss nahe, dass die beiden Kennzeichnungsarten sich gegenseitig unterstützten - die bekanntere Kalorienangabe diene als Orientierungsrahmen, während die optisch ansprechende Ampel die Entscheidung erleichtere.

Die Autoren der Studie lassen sich durch die zunächst nur geringen Effekte nicht entmutigen: "Selbst wenn man nur einen Teil der Klientel erfolgreich sensibilisiert, ist das aus medizinischer und volkswirtschaftlicher Sicht ein Schritt in die richtige Richtung", so ihr Resümee. Durch zusätzliche Aufklärung lasse sich der Bekanntheitsgrad der Ampel- und der Kalorienangaben womöglich steigern und der Effekt der Kennzeichnung verstärken.

A. Bruder et al.:
Auswirkungen von Kalorienangaben und Ernährungsampel auf das Ernährungsverhalten in der Gemeinschaftsverpflegung
Das Gesundheitswesen 2013; 75 (8/9); S. 521-522