Man spricht Kikuyu und Kisuaheli – Erfolgreiche Afrikasprechstunde im Gesundheitsamt

Stuttgart, Juli 2009 – Seit sieben Jahren betreibt das Gesundheitsamt Frankfurt eine Beratungsstelle für afrikanische Frauen, Männer und Familien und erreicht damit eine Minderheit in der Minderheit: Migranten aus den Ländern südlich der Sahara scheuen den Kontakt zu Einrichtungen. Die Afrikasprechstunde kann Barrieren abbauen und damit einen Beitrag zu einer gesunden Stadt leisten, zeigen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Bereits 1988 hatte das Stadtgesundheitsamt Frankfurt eine vergleichbare Einrichtung für eine andere kleine und schwer zu erreichende Migrantengruppe eingerichtet. Die Erfahrungen aus der "Romasprechstunde" konnten bei der Planung der Afrikasprechstunde genutzt werden, schreiben Dr. Hans-Georg Wolter und Frau Dr. Stark vom Stadtgesundheitsamt Frankfurt. Im Unterschied zu den Roma sind Afrikaner keine einheitliche Gruppe. Die Menschen kommen aus Äthiopien, Eritrea, Ghana, Kamerun, Kenia, Kongo, Nigeria, Somalia, Sudan und vielen anderen afrikanischen Ländern mit unterschiedlicher Sprache und Kultur. Um einen Kontakt zu finden, setzt die Afrikasprechstunde deshalb auf die Mitarbeit von Angehörigen und anderen Mitgliedern der jeweiligen "Community". Außerdem hat eine Mitarbeiterin der Afrika-Sprechstunde selber einen Migrantionshintergrund. Neben Deutsch und Englisch können die Patienten deshalb auch auf Kikuyu und Kisuaheli angesprochen werden.

Das schafft Vertrauen, eine wichtige Voraussetzung, Menschen afrikanischer Herkunft zu erreichen, berichtet Dr. Wolter. Denn Afrikaner sind in Frankfurt kaum in der Bevölkerung integriert. Die meisten haben sich in wenigen Bezirken des Stadtgebietes separiert. Für Dr. Wolter ist es deshalb wichtig, dass sich die Existenz der Afrikasprechstunde unter den Migrantengruppen herumspricht. Als Erfolg wertet er, dass die Patienten immer häufiger von Angehörigen oder Freunden begleitet werden.

Der Gesundheitszustand vieler Migranten aus Afrika ist schlecht. Dr. Wolter stellt fest: Die Beschwerden bestehen in vielen Fällen schon seit längerem, ohne dass ein Arzt aufgesucht wurde. In anderen Fällen wurden die Therapieempfehlungen nicht angenommen. Der enge Kontakt mit der Familie und Vertrauenspersonen aus der "Community" soll hier das Eis brechen. Die Mitarbeiter haben auch ein offenes Ohr für die oft prekäre soziale und familiäre Situation der Ratsuchenden. So wurden zusammen mit anderen Initiativen für afrikanische Jugendliche, eine besonders schwer erreichbare Gruppe, Sportstätten organisiert.

Mittlerweile gibt es feste Vereinbarungen mit Entbindungskliniken und der Universitäts-Zahnklinik, sodass Migranten ohne Versicherungsschutz auch dann eine kostenlose Behandlung erhalten können, wenn die Ärzte der Afrikasprechstunde ihnen nicht weiterhelfen können. Trotz des inzwischen gewonnenen Vertrauens gibt es noch Tabubereiche. Dazu zählen weibliche Genitalverstümmelungen, die laut Dr. Wolter unter Migrantinnen aus Afrika verbreitet sind. Die Afrikasprechstunde könne den Betroffenen zwar psychologische Hilfe anbieten, doch werde dieses Problem in der Praxis bisher kaum angesprochen.

In den sieben Jahren ihres Bestehens war die Afrikasprechstunde ein wichtiges Lernfeld für interkulturelle Gesundheitsversorgung innerhalb Frankfurts, so die Autoren. Das Gesundheitsamt Frankfurt plane die Gesundheitshilfe auszuweiten, um weiteren Migrantengruppen Gesundheitshilfe anzubieten.

H. Wolter, S. Stark:
Gesundheitshilfen für und mit Migranten – Voraussetzungen für erfolgreiche Integration im Gesundheitswesen.
Das Gesundheitswesen 2009; 71 (6):
S. 358-362

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