• ADHS

    Allein in den USA leiden über neun Prozent aller Kinder zwischen zwei und 17 Jahren unter ADHS. © markus thoennen/stock.adobe.com

     

Schilddrüsenunterfunktion der Mutter erhöht ADHS-Risiko für Kinder

fzm, Stuttgart/New York, März 2021 - Leidet eine Frau vor oder während der Schwangerschaft an einer Schilddrüsenunterfunktion, ist beim Kind das Risiko für eine spätere Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöht. Diesen Zusammenhang bestätigen amerikanische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift „American Journal of Perinatalogy“ (Thieme, New York. 2021). Des Weiteren haben sie untersucht, welche Auswirkungen die Schwangerschaftsdauer, das Geschlecht des Kindes sowie die Herkunft der Eltern auf die spätere Entwicklung der Kinder haben.

ADHS ist eine der häufigsten psychiatrischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Allein in den USA leiden über neun Prozent aller Kinder zwischen zwei und 17 Jahren darunter. Im Vergleich zu Gleichaltrigen haben sie Probleme, sich zu konzentrieren, sind oft übermäßig unruhig und reagieren impulsiv. Diese Verhaltensweisen führen zu Schwierigkeiten innerhalb der Familie, der Schule und im späteren Berufsleben. Jungen sind von ADHS häufiger betroffen als Mädchen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge ist ADHS zum Teil genetisch bedingt. Diverse Gene, die dabei eine Rolle spielen, werden von Schilddrüsenhormonen gesteuert. Wissenschaftler untersuchen deshalb schon seit geraumer Zeit, inwieweit eine Funktionsstörung der mütterlichen Schilddrüse während der Schwangerschaft das Risiko für eine spätere ADHS beim Nachwuchs erhöht.

Ein Forscherteam um den Molekularbiologen PhD Morgan R. Peltier von der NYU-Long Island School of Medicine in New York haben diesen Zusammenhang jetzt erneut untersucht und mögliche weitere Einflüsse mit einbezogen. Ihre Studie legt Geburtsdaten aus Kalifornien für den Zeitraum von 2000 bis 2016 zugrunde. Unter den 329.157 in die Studie eingeschlossenen Kinder litten 16.696 an ADHS. Das Risiko, daran zu erkranken, war für Kinder dann erhöht, wenn die Mutter vor oder während der Schwangerschaft an einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) litt – vor allem dann, wenn diese im ersten Drittel der Schwangerschaft diagnostiziert wurde. Wie sich bei genauerer Daten-Analyse ergab, hatten zudem Frühgeborene ein höheres Risiko als termingerecht geborene Kinder, insbesondere, wenn die Schilddrüsenunterfunktion schon vor der Schwangerschaft bestand. Da aber eine Schilddrüsenunterfunktion zu verkürzten Schwangerschaften führen kann, könnte es sein, dass ADHS weniger die Folge der frühen Geburt, sondern vielmehr der bestehenden Unterfunktion ist.

Des Weiteren waren Jungen zweieinhalbmal häufiger von ADHS betroffen als Mädchen. Der Zusammenhang zwischen mütterlicher Hypothyreose und ADHS war bei Jungen stärker als bei Mädchen. Dabei fiel auf, dass „hispanoamerikanische“ Kinder ein höheres Erkrankungsrisiko aufwiesen als der Nachwuchs andere Bevölkerungsgruppen. Die Ursachen hierfür sind unklar. Neben genetischen Faktoren könnten auch Ernährung und Lebensstil eine Rolle spielen, so die Forscher. Zudem weisen sie darauf hin, dass die Inanspruchnahme und der Zugang zu Gesundheitsleistungen in den USA stark von der Herkunft der Eltern abhänge. Das erhöhte ADHS-Risiko dieser Kinder könne deshalb auch die Folge einer schlechteren Gesundheitsversorgung der Mütter sein.

Nach Ansicht der Autoren bedarf es weiterer Studien, um den Zusammenhang zwischen einer Schilddrüsenunterfunktion der Mutter und dem ADHS-Risiko der Kinder genauer zu klären. Auch die Frage, was die Schilddrüsenunterfunktion bei den Müttern verursacht hat – eine Autoimmunerkrankung, Krebs, Jodmangel oder etwas anderes – sollte Teil weiterer Untersuchungen sein, so die Experten abschließend.

M. R. Peltier et al.:
Maternal Hypothyroidism Increases the Risk of Attention-Deficit Hyperactivity Disorder in the Offspring
American Journal of Perinatalogy 2021; 38 (2); S. 191–201

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