Ambrosia-Allergie: Bereits Grundschüler sind gefährdet

Stuttgart, Juli 2009 – Im Südwesten Deutschlands hat jeder sechste bis zehnte Grundschüler Allergie-Antikörper gegen die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) im Blut. Dies ergab eine Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009). Die Pollen dieser Pflanze gelten als besonders gefährlich. Bereits geringe Mengen können Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthmaanfälle auslösen.

Die Beifuß-Ambrosie stammt ursprünglich aus Amerika. In den letzten Jahrzehnten hat sich das "beifußblättrige Traubenkraut", so die genaue Bezeichnung, in Zentraleuropa ausgebreitet, und auch in Süd- und Ostdeutschland wird es immer häufiger beobachtet, berichtet das Team um Dr. Thomas Gabrio vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Die einjährige Pflanze, die bis zu zwei Meter groß wird, wächst besonders gerne in Brachgebieten von Straßen- und Wegrändern, in Industriegebieten, Hafenanlagen, Neubaugebieten und an Waldrändern.

In der Blütezeit von August bis September bildet jede Beifuß-Ambrosie bis zu 6000 Samen aus, die die gefürchteten Allergene enthalten. Bereits fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um eine Allergieattacke auszulösen. Gefährdet sind alle Menschen, die sogenannte spezifische IgE-Antikörper gegen das Allergen im Blut haben. Diese erkennen die Allergene der Pollen und veranlassen das Immunsystem zu einer (überschießenden) allergischen Reaktion.

Seit einigen Jahren lässt das Land Baden-Württemberg im Rahmen des Projekts "Beobachtungsgesundheitsämter" die IgE-Antikörper im Blut von Grundschülern der vierten Klasse bestimmen. Das überraschende Ergebnis: Obwohl sich die Beifuß-Ambrosie in Baden-Württemberg noch nicht flächendeckend ausgebreitet hat, hatten 10 bis 17 Prozent der Grundschüler IgE-Antikörper, die Allergene von Ambrosia artemisiifolia erkennen.

Dies bedeutet indes nicht, dass die Kinder bereits Kontakt zu der Allergiepflanze hatten. Dr. Gabrio: In den Tests wurden Gesamtpollenextrakte verwendet, die eine zweifelsfreie Zuordnung nicht zulassen. Erste, aber noch vorläufige Tests würden aber zeigen, dass spezifische IgE-Antikörper gegen Allergene von Ambrosia artemisiifolia sehr viel seltener seien. Dr. Gabrio vermutet, dass die Bildung der Antikörper durch andere Pflanzen aus der Familie der Korbblütler angestoßen wurde. Experten sprechen von einer Kreuzreaktivität. Die Liste der mit der Beifuß-Ambrosie verwandten heimischen Pflanzen ist lang: Kamille, Sonnenblume und Goldrute gehören dazu. Die wichtigste Kreuzreaktivität ist aber diejenige mit dem echten Beifuß (Artemisia vulgaris), vermutet Dr. Gabrio.

Auch wenn andere Pollen die Allergiebereitschaft ausgelöst haben, sind die "sensibilisierten" Grundschüler doch gefährdet, nach einem ersten Kontakt mit Ambrosia artemisiifolia an Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken. Wie viele Menschen in Deutschland in den nächsten Jahren erkranken werden, kann nicht vorausgesagt werden. In Nordamerika gibt es nach Angabe von Dr. Gabrio bereits 15 Millionen Betroffene.

Als vorbeugende Maßnahme rät der Experte dazu, alle Ambrosia-Pflanzen zu entfernen. Einzelpflanzen könnten vor der Blüte mit der Wurzel aus dem Boden gezogen werden, wobei man zum Eigenschutz lange dichte Handschuhe tragen sollte. Bei größeren Beständen müssten die Pflanzen mehrfach tief abgemäht werden. Dr. Gabrio warnt allerdings: Menschen, die zu Allergien neigen, oder bereits an Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis leiden, sollten sich auf keinen Fall an den Bekämpfungsaktionen beteiligen.

M. W. J. Boehme et al.:
Sensibilisierung gegen Ambrosiapollen – Eine Ursache für allergische Atemwegserkrankungen in Deutschland?
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (28/29): S. 1457-1463

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