Wirksamkeit und Sicherheit steigern: Blutkontrollen bei Antibiotikagabe auf Intensivstationen

fzm, Stuttgart, Oktober 2014 – Eine zu niedrige Dosis macht Antibiotika unwirksam, bei einer zu hohen Dosis drohen lebenslange Spätschäden. Ärzte auf Intensivstationen lassen deshalb immer häufiger bei ihren Sepsispatienten die Wirkstoffkonzentrationen im Blut bestimmen. Ein Pharmakologe erklärt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014), worauf Mediziner beim „Therapeutischen Drug Monitoring“ (TDM) achten müssen.

Wenn Bakterien ins Blut gelangen, kommt es häufig zu einer schweren Entzündungsreaktion, die als Sepsis bezeichnet wird. Für die Patienten ist dies eine lebensgefährliche Situation, die den Einsatz der richtigen Antibiotika in einer ausreichenden Menge erfordert. Doch die genaue Bestimmung der richtigen Dosis wird durch den Kreislaufschock, mit dem die Sepsis einhergeht, häufig erschwert. So kann eine Beschleunigung des Blutflusses dazu führen, dass die Antibiotika schneller über die Leber abgebaut oder über die Nieren ausgeschieden werden, erläutert Privatdozent Dr. Carsten Müller vom Labor für Therapeutisches Drug Monitoring am Uniklinikum Köln. Die gleiche Folge hat ein „capillary leak“, bei dem Blutflüssigkeit und mit ihm auch die Antibiotika aus den Blutgefäßen ins Gewebe austreten. Auch die Bindung der Antibiotika an Eiweiße im Blut kann ihre Wirkung vermindern. Auf der anderen Seite kann es zu einer Überdosierung kommen, wenn ein Organversagen den Abbau der Antibiotika über die Leber oder die Ausscheidung über die Nieren vermindert. Den Patienten drohen dann schwerwiegende Nebenwirkungen.

Bisher wird ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) auf Intensivstationen nur für einige wenige Antibiotika durchgeführt. Üblich ist es laut Dr. Müller für die sogenannten Aminoglykoside und für das Reservemittel Vancomycin, das gegen resistente Keime eingesetzt wird. Bei diesen Mitteln kann eine Überdosierung zu dauerhaften Schäden des Innenohrs und der Nieren kommen. Dr. Müller spricht sich in der DMW dafür aus, den Einsatz des TDM auf weitere Antibiotika auszudehnen. Es sei immer dann sinnvoll, wenn die erhoffte Wirkung eines Antibiotikums zu Beginn der Behandlung ausbleibe oder wenn der Verdacht auf eine Überdosierung bestehe. Der Pharmakologe rät bei allen Patienten mit Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber zu einem TDM sowie dann, wenn die Patienten weitere Medikamente erhalten, die den Abbau der Antibiotika beeinflussen können. Zu den für Fehldosierungen besonders anfälligen Patientengruppen zählt er Früh- und Neugeborene, Kinder sowie ältere Patienten.


C. Müller et al.:
Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) von Antiinfektiva in der Intensivmedizin
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (38); S.1889-1894