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    Insbesondere Darmoperationen bergen spezifische Arbeitsplatzrisiken für Chirurgen. © Georgiy/Adobe.Stock.com

     

Arbeitssicherheit in der Chirurgie verbessern

fzm, Stuttgart, Februar 2020 – Chirurgen haben sowohl im Operationssaal als auch während der weiteren Versorgung ihrer Patienten häufig mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten Kontakt. Zudem besteht für sie ein höheres Risiko, sich an scharfen Gegenständen zu verletzen. Chirurgen, die Erkrankungen des Darms behandeln, sind dabei in besonderem Maß Krankheitserregern ausgesetzt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit beleuchtet das Risiko für solche Gefahren am Arbeitsplatz, zeigt Wege zur Risikominimierung auf und gibt Handlungsanweisungen für den Ernstfall. Die Übersichtsarbeit von Janet T. Lee und Wolfgang B. Gaertner von der University of Minnesota, USA wurde in einer Sonderausgabe von „Clinics in Colon and Rectal Surgery“ (Thieme, New York. 2019) veröffentlicht, die sich auf die Gesundheit von Chirurgen konzentriert.

Sowohl bei offenen als auch bei minimalinvasiven Eingriffen am Darm besteht das Risiko, dass Chirurgen mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten des Patienten in Kontakt kommen. Verletzungen an scharfen Gegenständen oder unbemerkte kleine Löcher oder Risse im Handschuh sind potenzielle Gefahren. Im Operationssaal empfehlen die Autoren daher, zwei Paar Handschuhe übereinander zu tragen, es sei denn, dies mindere den Behandlungserfolg. Weil gerade bei kolorektalen Operationen Blut und andere Flüssigkeiten verspritzen können, raten die Experten dazu, eine Schutzbrille zu tragen. Auch bei kleineren Eingriffen im Bereich des Anus sollte Schutzkleidung getragen werden. Der Operateur sollte darüber hinaus im direkten Anschluss die Hände schnell und ausreichend lange waschen.

Für den Fall, dass Chirurgen unbeabsichtigt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, sollten unbedingt geeignete Melde- und Testverfahren zur Verfügung stehen und eingehalten werden, so die Autoren. Bei einer potenziellen HIV-Exposition müsse umgehend eine Prophylaxe eingeleitet werden. Bei der Behandlung von Patienten mit Durchfallerkrankungen, insbesondere bei einer Infektion mit Clostridium difficile, sollten Chirurgen und Personal besonders auf die Handhygiene und die ordnungsgemäße Reinigung potenziell kontaminierter Oberflächen achten, da die Hände auch beim Tragen von Handschuhen mit Erregern verunreinigt werden könnten.

„Indem wir auf die spezifischen Arbeitsplatzrisiken in der kolorektalen Chirurgie hinweisen, möchten wir das Bewusstsein schärfen, die Aufklärung verbessern und helfen, Schutzmaßnahmen zu identifizieren, um so potenzielle Risiken für alle Beteiligten zu reduzieren“, erklären die Autoren. Der aktuelle Leistungsdruck im Gesundheitswesen und die Arbeitsverdichtung im Krankenhausalltag, steigere die physischen und psychischen Anforderungen und gefährde Chirurgen, Ärzte in Weiterbildung, ihre Familien und letztlich die Patienten gleichermaßen.

Janet T. Lee und Wolfgang B. Gaertner:
Workplace Exposures
Clinical Colon and Rectal Surgery 2019; 32 (6); S. 435–441

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