• Autismus Genetik © Thieme Gruppe

    Die moderne genetische Forschung versucht, spezifische Gene oder Gengruppen einzelnen Symptomen des Autismus-Spektrums zuzuordnen. © Thieme Gruppe

     

Autismus, genetisch betrachtet: Veränderungen der Gene als Ursache und Auslöser

Stuttgart, Mai 2016 – Autismus ist genetisch bedingt. Das legten ersten Studien bereits Ende der 1970er-Jahre nahe. Die heutige molekulare Humangenetik bestätigt diese frühen Schlussfolgerungen. Der Genetik-Experte Prof. Dr. Rolf Knippers wirft in seinem Buch „Autismus, genetisch betrachtet“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) einen umfassenden Blick auf die Forschungsgeschichte zur molekularen Genetik des Autismus.

Autismus betrifft eine bedeutende Besonderheit der menschlichen Psyche und des menschlichen Verhaltens, nämlich das Einfühlungsvermögen und damit verbunden die Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen aufzunehmen und zu entwickeln. 1943 wurde Autismus erstmals als kindliche Verhaltensstörung beschrieben. Bereits seit Ende 1970er-Jahre wird das Vorkommen von Autismus in Familien und besonders bei Zwillingen erforscht. Dabei kam man zu dem Schluss, dass Störungen der Gehirnentwicklung durch veränderte Gene die Ursache für Autismus sind.

Die moderne genetische Forschung versucht, spezifische Gene oder Gengruppen einzelnen Symptomen des Autismus-Spektrums zuzuordnen. 2003 gab es erste Antworten auf die Frage, welche Gene bei Autismus verändert seien. „Es stellte sich heraus, dass viele Gene beteiligt sind und die Genetik des Autismus alles andere als einfach, sondern im Gegenteil sehr komplex ist“, erklärt Knippers. „Heute geht man davon aus, dass es Hunderte von Risikogenen gibt, die an mehreren Stellen bei der Entwicklung der neuronalen Netzwerke im Gehirn wirksam sind.“ Laut dem Autismus-Experten wird es zukünftig darum gehen, die Funktion einzelner Gene im Detail zu klären und mit diesem Wissen die neuronalen Schaltkreise und Netzwerke zu identifizieren, die bei Autismus verändert und beschädigt sind.
„Dieses Wissen wird die psychologische und psychiatrische Praxis bereichern, und zwar durch verbesserte diagnostische Möglichkeiten und vielleicht auch durch plausible Forschungsprogramme zur Entwicklung neuer Medikamente führen“, so Prof. Knippers.

Der Autor:

Prof. Dr. em. Rolf Knippers war von 1973 bis 2004 Professor für Molekulare Genetik an der Universität Konstanz. Er hat in zahlreichen nationalen und internationalen Wissenschaftsgremien und Beiräten mitgewirkt und ist Mitglied der Europäischen Molekular-Biologie-Organisation (EMBO). Seine wissenschaftlichen Ergebnisse wurden in zahlreichen Fachartikeln publiziert. Er ist Mitherausgeber und -autor des verbreiteten Lehrbuchs „Molekulare Genetik“, das 2015 in 10. Auflage erschien. Außerdem hat er „Eine kurze Geschichte der Genetik“ (2012) geschrieben.

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Autismus, genetisch betrachtet
Rolf KnippersAutismus, genetisch betrachtet

Veränderungen der Gene als Ursache und Auslöser

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